Navigieren auf bkb.ch

Service-Links

«Grüne Revolution» als grosse Herausforderung für die Bergbauindustrie

Um die Klimaziele zu erreichen, drängt die Politik auf ein möglichst rasches Verbot von Verbrennungsmotoren und setzt als Alternative auf elektrische Fahrzeuge. Der damit einhergehende Boom steigert die Nachfrage nach Batteriekomponenten und nach den entsprechenden Rohstoffen. Die «grüne Revolution» kann nur gelingen, wenn die Konzerne die Förderung der entsprechenden Rohstoffe deutlich erhöhen. Ein Konflikt zwischen der Befriedigung der Nachfrage und dem Anspruch einer nachhaltigen Förderung scheint vorprogrammiert.
Am 28.12.2021 in N° 3/2021 von Hans Peter Schmidlin, Leiter Investment Advisory
Die klimapolitischen Entscheidungen haben es in sich. So dürfte sich beispielsweise die Nachfrage nach Lithium und Kobalt in den nächsten Jahren versechs- respektive verdreifachen. Auch die Nickelnachfrage für Batterien wird massiv ansteigen. Zudem benötigen Antriebe für elektrische Fahrzeuge rund vier Mal mehr Kupfer als ein Verbrennungsmotor (Abb. 2).

Angebot für «Batterierohstoffe» muss deutlich erhöht werden

Die grossen Bergbauunternehmen sind sich der steigenden Nachfrage bewusst und haben darauf reagiert. Fragezeichen, insbesondere für die nächsten beiden Jahre, scheinen noch in Bezug auf Lithium und Nickel zu bestehen. Während einige Marktanalysten keine Probleme erwarten, sehen andere die Lieferkette nur im «Best Case» als gesichert.

Der technische Fortschritt bei Batterien führt dazu, dass sich ihre chemische Zusammensetzung weiterhin stark verändert. Noch gehen rund 85 % des globalen Nickelangebotes in die Herstellung von Edelstahl und Legierungen, nur etwa 5 % in die Produktion von Batterien. Marktanalysten erwarten bei der Nickelnachfrage bis 2025 jedoch jährliche Wachstumsraten von 27,5 bis 35 %.

«Grüne Revolution» steigert Metallnachfrage

Bedenken hinsichtlich der Lieferkette treiben die Entwicklung weg von Kobalt und verstärkt hin zu Nickel. Die Rolle von Kobalt als Rohstoff für Batterien dürfte im Verlauf der nächsten Jahre deshalb an Bedeutung verlieren. Tesla hat bereits kobaltfreie Batterien angekündigt, um Bedenken im Zusammenhang mit den Abbaumethoden und der Herkunft (rund 65 % der Kobaltförderung stammen aus der Demokratischen Republik Kongo) auszuräumen.

  • Einer der weltweit grössten Lithium-Förderer, Albermarle Corp., erwartet für die gesamte Lithiumbatterie- Industrie 2025 eine Nachfrage von 1,14 Mio. Tonnen, was gegenüber dem heutigen Niveau einem jährlichen Wachstum von 30 % entspricht. Gleichzeitig kann der Lithiummarkt die Nachfrage heute nur knapp erfüllen. Doch die grossen Produzenten haben bereits grünes Licht für Projekte mit grösseren Vorkommen gegeben. Während Australien aktuell noch rund 40 % der weltweiten Förderung auf sich vereint, wird Chile zunehmend zum Hotspot: Die grossen Vorkommen liegen in der Atacama-Wüste, hoch in den Anden im Dreiländereck Chile-Bolivien-Argentinien.
  • Ähnlich sieht es bei Kupfer aus. Die weltweite, jährliche Kupfernachfrage von heute rund 28 Mio. Tonnen dürfte bis 2030 um knapp 40 % auf rund 38 Mio. Tonnen jährlich ansteigen, was in der Minenindustrie zu Investitionen von rund USD 100 Mrd. führen wird. Der überwiegende Teil der neuen Förderkapazitäten dürfte in Peru, der Demokratischen Republik Kongo und in Russland entstehen.
  • Die meisten neuen Nickel-Förderanlagen werden wohl in Australien und Indonesien in Betrieb gehen, wobei Indonesien seinen weltweiten Anteil seit 2017 von 16,7 % auf inzwischen ein Drittel ausgebaut hat und weiter ausbauen wird.
Bild: Die meisten neuen Nickel-Förderanlagen werden wohl in Australien und Indonesien in Betrieb gehen, wobei Indonesien seinen weltweiten Anteil seit 2017 von 16,7 % auf inzwischen ein Drittel ausgebaut hat und weiter ausbauen wird.

Bergbauindustrie mit einer Vielzahl von Unsicherheiten konfrontiert

Die stark wachsende Nachfrage nach den benötigten Metallen sollte während der nächsten zehn Jahre befriedigt werden können. Ob dies allerdings immer lückenlos erfolgen kann, bleibt offen. Von einem gesicherten Angebot kann bislang jedenfalls noch nicht gesprochen werden, da sich die Minenindustrie vielfältigen Herausforderungen gegenübersieht. Neben der traditionell sehr hohen Kapitalintensität neuer Projekte, der Gefahr von Preisschwankungen und Lieferproblemen infolge von Handelskonflikten sowie Veränderungen bei politischen Rahmenbedingungen sind folgende Faktoren zu beachten:

  • Der bereits angedeutete Trend der Verschiebung von Förderkapazitäten in politisch risikoreiche Länder setzt sich fort.

  • Wachsende Umwelt- und Sozialstandards erschweren und verteuern die Realisierung neuer Abbauprojekte. Da Bergbaukonzerne zudem oftmals als wenig nachhaltig erachtet werden, kann unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten eine geringere Finanzierungsbereitschaft resultieren.

  • Die Industrie muss sich zunehmend auf Veränderungen in der Erzqualität wie geringere Metallgehalte und toxische Begleitelemente einstellen.

  • Die technologische Entwicklung bei der Herstellung von Batterien schreitet rasant voran, was die Nachfrage nach den einzelnen Komponenten deutlich verändern kann und die Planungsunsicherheit für die Rohstoffförderung erhöht.

Rohstoffexperten sind sich einig: Die «grüne Revolution» wird die Nachfrage nach Metallen massiv steigern. Zwar versucht die Bergbauindustrie, dem steigenden Bedarf unter allen Umständen gerecht zu werden, doch gesichert ist eine nahtlose Angebotssteigerung keineswegs. Denn der Bedarf an Metallen ist auch aufgrund der technologischen Entwicklung – zum Beispiel der künftigen Zusammensetzung der Batterien – weiter unklar. Klar ist hingegen, dass die «grüne Revolution» ohne die Kooperation der Bergbaukonzerne nicht gelingen kann, auch wenn einige davon unseren eigenen strengen Nachhaltigkeitskriterien unter anderem wegen offener Fragen in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, die Abbaumethoden und die Einhaltung von Umweltauflagen bislang noch nicht genügen.
Kontakt

Hans Peter Schmidlin, Leiter Investment Advisory

Rechtliche Informationen

Rechtliche Informationen

Allgemein
Die BKB hat in Übereinstimmung mit den geltenden gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Regelungen (bzw. den Richtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse) interne organisatorische und regulative Vorkehrungen getroffen, um Interessenkonflikte bei der Erstellung und Weitergabe von Finanzanalysen zu vermeiden oder angemessen zu behandeln. In diesem Rahmen trifft die BKB insbesondere die geeigneten Massnahmen, um die Unabhängigkeit und die Objektivität der Mitarbeiter, die an der Erstellung von Finanzanalysen beteiligt sind oder deren bestimmungsgemässe Aufgaben oder wirtschaftliche Interessen mit den Interessen der voraussichtlichen Empfänger der Finanzanalyse in Konflikt treten können, sicherzustellen. 

Verbot bestimmter Mitarbeitergeschäfte
Die BKB stellt sicher, dass ihre Finanzanalysten sowie die an der Erstellung der Finanzanalyse beteiligten Mitarbeiter keine Geschäfte mit Finanzinstrumenten, auf die sich die Finanzanalysen beziehen, oder damit verbundenen Finanzinstrumenten tätigen, bevor die Empfänger der Finanzanalysen oder Anlageempfehlungen ausreichend Gelegenheit zu einer Reaktion hatten. 

Hinweis auf Bewertungsgrundlagen und -methoden –Sensitivität der Bewertungsparameter 
Die Analysen des Investment Research der BKB im sekundären Research beruhen auf allgemein anerkannten qualitativen und quantitativen Bewertungsgrundlagen und Bewertungsmethoden. Zur Unternehmens- und Aktienbewertung werden Methoden wie zum Beispiel Discounted-Cashflow-Analyse, KGV-Analyse sowie Peer-Group-Analyse angewandt. Die jeweiligen Erwartungen über die zukünftige Wertentwicklung eines Finanzinstrumentes sind Ergebnis einer Momentaufnahme und können sich jederzeit ändern. Die Einschätzung der zugrunde liegenden Parameter wird mit grösster Sorgfalt vorgenommen. Dennoch beschreibt das Ergebnis der Analyse immer nur eine aus einer Vielzahl möglicher zukünftiger Entwicklungen. Es ist die Entwicklung, der das Investment Research der BKB zum Zeitpunkt der Analyse die grösste Eintrittswahrscheinlichkeit beimisst.

Hinweis auf Empfehlung
Die in den Empfehlungen des Investment Research der BKB enthaltenen Prognosen, Werturteile oder Kursziele stellen, soweit nicht anders angegeben, die Meinung des Verfassers dar. Die verwendeten Kursdaten beziehen sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung, soweit nicht anders angegeben. 

Hinweis auf Zuverlässigkeit von Informationen und Veröffentlichung
Diese Veröffentlichung ist lediglich eine unverbindliche Stellungnahme zu den Marktverhältnissen und den angesprochenen Anlageinstrumenten zum Zeitpunkt der Herausgabe. Alle Angaben stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen, welche die BKB für zuverlässig hält, ohne aber alle diese Informationen selbst verifiziert zu haben. Eine Gewähr für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit wird insofern seitens der BKB sowie der mit ihr verbundenen Unternehmen nicht übernommen. Die Veröffentlichung dient lediglich einer allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräusserung von Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzt keinesfalls die persönliche Beratung durch unsere Kundenberater vor einem allfälligen Anlage- oder anderen Entscheid. Haftungsansprüche aus der Nutzung der dargebotenen Informationen sind ausgeschlossen, insbesondere für Verluste einschliesslich Folgeschäden, die sich aus der Verwendung dieser Veröffentlichung beziehungsweise ihres Inhalts ergeben. Eine Vervielfältigung oder Verwendung von Grafiken und Texten in anderen elektronischen Medien ist ohne ausdrückliche Zustimmung der BKB nicht gestattet. Eine inhaltliche Verwertung ist nur mit Quellenangabe zulässig, wobei um vorherige Übersendung eines Belegexemplars gebeten wird. 

Aufsicht
Die Basler Kantonalbank unterliegt der Aufsicht durch die Eidg. Finanzmarktaufsicht (FINMA), Laupenstrasse 27, 3003 Bern.

Basler Kantonalbank, Postfach, 4002 Basel
Telefon 061 266 33 33, welcome@bkb.ch

Diese Angaben dienen ausschliesslich Werbezwecken. Die Basler Kantonalbank (BKB) übernimmt keine Gewähr für deren Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit. Sie stellen weder ein Angebot oder eine Empfehlung dar, noch sind sie als Aufforderung zur Offertstellung zu verstehen. Bevor Sie Entscheidungen treffen, sollten Sie eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Die jederzeitige Änderung der Angebote bzw. Leistungen der BKB sowie die Anpassung von Preisen bleiben vorbehalten. Einzelne Produkte oder Dienstleistungen können rechtlichen Restriktionen unterworfen sein und sind daher u.U. nicht für alle Kunden bzw. Interessenten verfügbar. Die Verwendung von Inhalten dieser Broschüre durch Dritte, insbesondere in eigenen Publikationen, ist ohne vorgängige schriftliche Zustimmung der BKB nicht gestattet.

Fusszeile