Nachhaltiges Edelmetall: Mit «Fairtrade-Gold» eine positive Wirkung erzielen

Gold erfreut sich bei vielen Menschen seit jeher grosser Beliebtheit. Dabei hat das Edelmetall sowohl hohen emotionalen als auch finanziellen sowie kulturellen Wert. In der jüngeren Geschichte ist die Nachfrage nach Gold nochmals signifikant gestiegen. Gemäss der Branchenorganisation World Gold Council hat sich die jährlich gekaufte Menge an physischem Gold seit den 1970er Jahren ungefähr verdreifacht. Die vielfältigen Verwendungszwecke von Gold als Schmuck, in der Technologie, als stabilisierende Anlageklasse für Zentralbanken und Anlegerinnen und Anleger bedeuten, dass verschiedene Sektoren den Goldmarkt zu unterschiedlichen Zeitpunkten im globalen Wirtschaftszyklus befeuern. Diese vielseitige Goldnachfrage untermauert die robusten Qualitäten von Gold als Anlageklasse.


Am 28.06.2022 in N° 1/2022 von Nicolas Hefti, Finanzanalyst

Obwohl sich Gold einer ungebrochenen Faszination erfreut, hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Goldförderung mit direkten und indirekten Risiken für Mensch und Umwelt verbunden ist. Wo Gold gesucht wird, werden beispielsweise Wälder gerodet. Dies schadet der Biodiversität. Ebenfalls kontaminieren hochgiftige Chemikalien wie Arsen, Quecksilber und Zyanid Grundwasser und Gewässer. Indirekt bedroht der Abbau von Gold langfristig Ökosysteme, weil dafür in den oft entlegenen Regionen Zufahrtsstrassen, Kraftwerke, Häfen und Siedlungen gebaut werden. Kurzfristig können sich dadurch illegale Siedlungen und Abholzung sowie Wilderei etablieren. Längerfristig entstehen häufig formellere Siedlungen. Landwirtschaft und zahlreiche weitere Wirtschaftsaktivitäten schaden der Umwelt.

Goldbergbau birgt zahlreiche soziale Risiken. Zu den weiteren nachteiligen Folgen des Goldabbaus gehören teilweise Menschenrechtsverletzungen, die schwerwiegende soziale Probleme zur Folge haben können. Dazu zählen Zwangsarbeit, Kinderarbeit, ausbeuterische Arbeits-bedingungen, ungenügender Sicherheits- und Gesundheitsschutz, die Vertreibung lokaler Bevölkerung oder die Verletzung der Rechte indigener Bevölkerungsgruppen.

 

Fairtrade Max Havelaar setzt sich ein für Fairtrade-Gold


Doch bei der Goldförderung geht es auch anders, wie der Ansatz von Fairtrade Max Havelaar zeigt. Ende 2014 lancierte die Stiftung das Label «Fairtrade-Gold» in der Schweiz. In Kooperation mit dem verantwortlichen Produzentennetzwerk aus Südamerika wurde die direkte Unterstützung der Minenorganisationen vor Ort aufgebaut. Aktuell sind 13 Minen mit ungefähr 2700 Mineuren in Peru Fair trade-zertifiziert und werden von einer lokalen Fairtrade-Verantwortlichen betreut. Die geschätzte jährliche Produktionskapazität der aktuell zertifizierten Minen beträgt ca. 2,5 Tonnen Rohgold.

 

Fairtrade Max Havelaar ist bei Gold auf vier Ebenen aktiv:

  1. In der Schweizer Bevölkerung soll ein breites Bewusstsein für die Bedeutung und Wirkung von fairem, sozial und ökologisch nachhaltigem Handel geschaffen werden.

  2. Marktpartner, die an nachhaltigen Lösungen interessiert sind, werden motiviert, ein Fairtrade-Produktangebot inkl. Unterstützung bei der Etablierung der Kommunikations- und Geschäftsbeziehung zwischen Unternehmen und Privatperson zu entwickeln.

  3. Fairtrade Max Havelaar engagiert sich in Kooperation mit dem verantwortlichen Fairtrade-Produzentennetzwerk in Projekten, die die Mineure von Fairtrade-zertifizierten Goldminen vor Ort begleiten und bei der Erreichung ihrer Ziele und bei der Umsetzung der Standards unterstützen.

  4. Fairtrade Max Havelaar bringt Minen in Kontakt mit Handelspartnern und unterstützt diese bei der Durchführung der Sorgfaltsprüfung und der Entwicklung stabiler Handelsbeziehungen.

Wie funktioniert die Fairtrade-Zertifizierung? 


Damit eine Goldmine die Fairtrade-Zertifizierung erhält, muss sie die Anforderungen des Fairtrade-Standards für «Gold and Associated Precious Metals for Artisanal and Small-Scale Mining» erfüllen, was die akkreditierte unabhängige Zertifizierungsorganisation Flocert regelmässig kontrolliert. Je nach Risikobeurteilung finden zwischen den fixen Dreijahresaudits eine oder zwei zusätzliche Überprüfungen statt. Hinweise auf gravierende Verstösse können unangekündigt geprüft werden. Eine Zertifizierung erfolgt erst, wenn die Minenorganisation nachweist, dass sie die im Audit festgestellten Verstösse bzw. Non-Compliances behoben hat. Wenn diese gravierend waren, kann eine zertifizierte Organisation (temporär) suspendiert oder es kann ihr bei sehr gravierenden Verstössen die Zertifikation direkt entzogen werden. Dasselbe erfolgt, wenn sie Non-Compliances nicht innerhalb der gesetzten Frist nachweislich behebt.

Die Macdesa-Mine in Peru als Beispiel für eine Fairtrade-zertifizierte Mine

In Cuatro Horas, im Süden von Peru, leben die Menschen praktisch ausschliesslich vom Abbau von Gold. Rund 520 informelle Goldschürfer schlossen sich 2000 zur Aktiengesellschaft «Minera Aurifera Cuatro de Enero S.A. (Macdesa)» zusammen. Im Mai 2015 wurde Macdesa erstmals Fairtrade-zertifiziert. «Mit der Fairtrade-Zertifizierung können wir unser Gold zu besseren Bedingungen verkaufen und in unsere Gemeinschaft investieren», berichtet Santiago Ramirez Castro, Mineur und Verantwortlicher für die Einhaltung der Standards. Ausserdem ist die Zertifizierung ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung der Organisation, da die Standards unter anderem Massnahmen wie Schutzbekleidung, Gesundheits- und Sicherheitstrainings sowie einen verantwortungsvollen Ugang mit der Umwelt vorschreiben.

Die Fairtrade-Prämie setzt Macdesa für soziale Projekte und für Projekte zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung ein. Unter anderem kann die Kooperative damit die Produktivität und die Arbeitsbedingungen verbessern, beispielsweise durch eine bessere Ausstattung der Mine und der Metallverarbeitung. In den vergangenen Jahren hat Macdesa mehr als eine halbe Million US-Dollar an Fairtrade-Prämien eingenommen, neue Unterkünfte und Sanitäranlagen gebaut sowie in Arbeitskleidung für die Beschäftigten und technisches Gerät (wie pneumatische Schaufeln, Generatoren, elektrische Winden oder Funkgeräte) investiert. Zudem wurde die medizinische Versorgung verbessert und massgeblich zur Elektrifizierung von Cuatro Horas beigetragen. Des Weiteren werden die Gehälter von Lehrerinnen und Lehrern finanziert, die in den Bezirken Cuatro Horas und Chaparra unterrichten.

Fairtrade-Prämie ist ein wichtiger Impuls für die kontinuierliche Entwicklung


Pro Kilogramm Feingold, das Minen unter Fairtrade-Bedingungen verkaufen, wird ihnen vom Käufer zusätzlich zum Goldpreis eine Fairtrade-Prämie von derzeit USD 2000 überwiesen. Ein Fairtrade-Prämienkomitee entscheidet über die Verwendung der Fairtrade-Prämie zum Nutzen aller Mitglieder und Arbeiterinnen sowie Arbeiter. Die Prämien liegen auf einem eigenen Konto, werden separat verbucht und gegenüber den Mitgliedern transparent ausgewiesen. Das Fairtrade-Prämienkomitee rekrutiert sich aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern aller im Produktionssystem registrierten Arten von Bergleuten und Arbeiterinnen und Arbeitern und soll in Anzahl und Geschlecht die soziale Zusammensetzung der Belegschaft widerspiegeln. Die Fairtrade-Prämie und deren Verwendung stärken wesentliche Prinzipien einer guten Geschäftsführung, wie Transparenz, Rechenschaftspflicht, Priorisierung auf der Basis einer Bedürfnisabklärung und partizipative, demokratische Entscheidungsfindung.
Fotos: Fairtrade ist ein Gütesiegel, das Gold aus verantwortungsvollem Kleinbergbau zertifiziert. Dank diesen Prinzipien kann die Macdesa-Mine in Peru ihr Edelmetall zu besseren Bedingungen verkaufen, was in erster Linie den Minenarbeitern zugutekommt. Mit dem Einhalten des Fairtrade-Standards verpflichten sich die Betreiber auch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und können dadurch in weitere wichtige Projekte in der Region investieren.
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Nicolas Hefti, Finanzanalyst

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