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Nestlé – ein nachhaltiges Unternehmen?

Nestlé gilt für viele Menschen als rotes Tuch, betrachten diese doch den Nahrungsmittelkonzern als Umweltsünder und Ausbeuter sondergleichen. Tatsächlich steht der Konzern bei verschiedenen kontroversen Themen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit immer wieder im Fokus der Diskussion. Dennoch zählt Nestlé gemäss Nachhaltigkeitsanalysen zu den nachhaltigsten Konzernen dieser Welt.

Am 29.01.2021 in N° 1/2021 von Elmar Sieber, Finanzanalyst

Um zu verstehen, warum Nestlé als einer der nachhaltigsten Konzerne gilt, muss man zunächst festlegen, was Nachhaltigkeit in diesem Kontext eigentlich bedeutet. Neben den einschlägig bekannten MSCI-Indizes gehört der Dow-Jones-Nachhaltigkeitsindex zu den bekanntesten Indizes in diesem Bereich. Es handelt sich um einen unabhängigen und weltweit anerkannten Vergleichsindex, der die nachhaltige Unternehmensperformance der 2500 grössten Konzerne der Welt bewertet. Die nachhaltigsten Unternehmen der Welt tun bereits heute einiges, um Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu fördern und diese so wenig wie möglich zu belasten.

Nestlé ist im Bereich Lebensmittel gemäss Dow-Jones-Nachhaltigkeitsindex weltweit der nachhaltigste Konzern. Das Unternehmen hat die Richtlinien zum Schutz der Menschenrechte in seinen Lieferketten verankert. Im Bereich Ernährung und Gesundheit wird Nestlés Vorreiterrolle besonders gelobt. Im Bereich Umwelt honoriert der Index die Selbstverpflichtung des Unternehmens, Produkte und Prozesse so umwelt- und sozialverträglich wie möglich zu gestalten. In der Schweiz beispielsweise schloss sich Nestlé mit lokalen Landwirten zusammen und eröffnete die grösste landwirtschaftliche Biogasanlage des Landes. Hier entsteht aus Kuhmist Ökostrom für den Abfüllbetrieb der Mineralwassermarke Henniez und das Schweizer Stromnetz. Im Gegenzug erhalten die Partnerlandwirte einen umweltfreundlichen Dünger, der den Boden weniger belastet als herkömmliche Düngemittel. Gleichwohl sieht sich Nestlé regelmässig mit kritischen Fragen und Vorwürfen konfrontiert. Wir gehen im Folgenden auf einige der Kontroversen ein.

Ein zentraler und immer wieder geäusserter Kritikpunkt ist der Umgang mit Wasser im Allgemeinen bzw. das Geschäft mit dem Mineralwasser im Speziellen.

Das sind die vier Punkte im Zentrum der Kritik:

Punkt 1: Transport über weite Distanzen

Punkt 1: Transport über weite Distanzen

Ein Kritikpunkt betrifft die Frage, wie sinnvoll es ist, Wasser aus einer Quelle in Flaschen abzufüllen und diese über weite Distanzen zu transportieren. Tatsächlich macht es in gut erschlossenen Regionen (wie z.B. in der Schweiz) kaum Sinn, Wasser in Flaschen zu kaufen, ist doch das Trinkwasser meist von guter Qualität. Vergessen wird dabei, dass jeder Haushalt pro Person 9 Liter an Wasser vorrätig haben soll (gemäss Pandemieplan), und dass viele Verbraucher aus individuellen Gründen lieber zu Mineralwasser greifen, als das Trinkwasser aus den Leitungen zu nutzen. Im Vergleich zu anderen Getränken ist der «Verlust von Trinkwasser» bei der Herstellung von Mineralwasser eher gering. So muss für die Herstellung eines Liters Mineralwasser rund 1.1 Liter Trinkwasser verbraucht werden, wovon natürlich der eine Liter das abgefüllte Wasser selber ist, der zusätzliche Deziliter für die Produktion des Plastiks (inkl. Erdölförderung). Zum Vergleich: Für einen Liter Coca-Cola werden rund 6 Liter Trinkwasser benötigt, für einen Liter Bier rund 300 Liter Wasser und für Wein sogar knapp 1000 Liter Wasser. Doch Nestlé produziert weder Cola, noch Bier und nur ganz wenig Wein. Generell zeigt sich der Konzern bei der Abfüllung von Mineralwasser zunehmend verantwortungsbewusst. So hat sich das Unternehmen mit der «Alliance for Water Stewardship» zusammengetan und lässt sich bis 2025 sämtliche Produktionsstandorte nach allgemein anerkannten Qualitätsgrundsätzen zertifizieren.

Punkt 2: Umgang mit Quellwasser

Punkt 2: Umgang mit Quellwasser

Ein weiterer Vorwurf ist der generelle Umgang mit Quellwasser in bestimmten Gegenden der Welt. So wird Nestlé (Vittel) ähnlich wie Danone (Volvic) dahingehend kritisiert, dass in den Alpen zu viel Quellwasser abgezweigt wird. Nestlé ist jedoch darauf bedacht, diese Quellen nicht allzu stark zu beanspruchen. Positive Aspekte gibt es auch bei der Nutzung von Quellwasser in Äthiopien. Beim Wasserstandort im afrikanischen Land stellt der Konzern einen Teil des erzeugten Wassers für die Menschen vor Ort bereit, reicht doch die öffentliche Wasserversorgung nicht aus, um die Bevölkerung angemessen zu versorgen.

Punkt 3: Hoher Plastikverbrauch

Punkt 3: Hoher Plastikverbrauch

Auch wird der Umstand kritisiert, dass beim Geschäft mit Mineralwasser der Verbrauch von Plastik massiv steigt. Diese Kritik hat grundsätzlich ihre Berechtigung. Es ist jedoch zu beachten, dass Plastikverpackungen bei Lebensmitteln einen wichtigen Kompromiss von Sicherheit und Leichtigkeit (beim Transport und damit beim Verbrauch von Kraftstoff) darstellen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Abfüller von Mineralwasser, zu denen neben Nestlé vor allem auch Danone zählt, im Gegensatz zu vielen kleineren Herstellern zunehmend auf rezykliertes Plastik setzen. Und das, obwohl die Preise für rezykliertes Plastik deutlich höher sind als die Preise für neu produziertes Plastik.

Punkt 4: Hoher Wasserverbrauch bei der Kaffeeproduktion

Punkt 4: Hoher Wasserverbrauch bei der Kaffeeproduktion

Einen sehr hohen Wasserverbrauch gibt es bei der Produktion von Kaffee – sei es in Kapseln (Nespresso) oder als lösliches Pulver (Nescafé). Doch auch hier zeigt sich der Konzern verantwortungsbewusst. So soll der «Nescafé Plan» den Kaffeebauern helfen, den Wassereinsatz effizienter zu gestalten. Und auch beim Aufbrühen und beim anschliessenden Wasserentzug, der für die Produktion von Nescafé nötig ist, konnte Nestlé den Wasserverbrauch deutlich reduzieren.

Neben dem kontrovers diskutierten Umgang mit dem Wasser ist auch die Verwendung von Palmöl ein oft diskutiertes Thema. Nestlé wird vorgeworfen, für das Roden des Regenwalds in Indonesien verantwortlich zu sein. Um gegen die illegale Rodung des Regenwalds für die Errichtung von Palmölplantagen vorzugehen, setzt der Konzern nicht nur auf Zulieferer, die ihrerseits nachweisen können, nachhaltigen Anbau zu betreiben. Vielmehr setzt der Lebensmittelkonzern zusammen mit Airbus auf Aufklärungssatelliten, mit denen überprüft wird, ob es nicht doch zu illegaler Brandrodung kommt.

Ähnlich wie andere global agierende Konzerne steht das Unternehmen im Verdacht, Kinderarbeit einzusetzen. So sollen Zulieferer von Nestlé beim Kakaoanbau auf Kinder als Arbeitskräfte zurückgreifen. Dass gerade in kleinbäuerlichen Strukturen Grauzonen bestehen, ist leider eine Tatsache. Deshalb versucht Nestlé auch hier gegenzusteuern. So gibt es einen sogenannten Cocoa-Plan, mit dem Nestlé die Bauern und ihre Gemeinschaften durch Training und wirtschaftliche Absicherung unterstützt. Die wirtschaftliche Absicherung ist insofern wichtig, weil sonst die Kinder von den Eltern gezwungen werden, zu arbeiten, um ein überlebensnotwendiges Einkommen zu erwirtschaften. Zusätzlich hat Nestlé u.a. in der Elfenbeinküste zahlreiche Schulen errichtet oder instand gesetzt, damit die Kinder eine Ausbildung erhalten.

Es gibt zahlreiche weitere Argumente, die die Nachhaltigkeit von Nestlé dokumentieren. So publiziert der Konzern alljährlich einen Nachhaltigkeitsbericht, in dem Nestlé Rechenschaft über sein Geschäftsgebaren und den Umgang mit kontroversen Themen ablegt. Man könnte argumentieren, dass Papier geduldig ist und Nestlé sich nur von der besten Seite präsentiert. Zu bedenken gilt allerdings, dass Nestlé ein vitales Interesse hat, nachhaltig zu wirtschaften. Was nützt es dem Konzern, so viel Wasser abzupumpen, dass die Quelle versiegt? Welchen Vorteil sollte Nestlé haben, wenn es keinen Regenwald mehr gibt? Was nützt dem Konzern die Kinderarbeit? Gleichwohl ist Nestlé gefordert, ihre Anstrengungen konstant weiter zu verbessern.

Doch auch Nestlé ist nicht perfekt. Dies zeigt ein Blick auf den CO₂-Fussabdruck, den das Unternehmen hinterlässt. Zwischen 2010 und 2018 hat Nestlé den Ausstoss von Treibhausgasen pro Tonne Umsatz um 32 % reduziert. Dennoch stiess der Konzern 2019 noch 5.6 Mio. Tonnen an CO₂-Äquivalenten aus.1

Unter anderem wurde der Rückgang der Treibhausgasemissionen damit erreicht, dass die Werke in Turku (Finnland), Helsingborg (Schweden) und Montes Claros (Brasilien) bereits eine Netto-Null bei der Emission von Treibhausgasen vorweisen können. Gleichzeitig bezieht Nestlé schon heute in mehreren Ländern (darunter sind Deutschland, Grossbritannien, Polen und die Schweiz) die Energie für den Betrieb der Werke zu 100 % aus erneuerbaren Quellen. Bis 2030 soll der Ausstoss von Treibhausgasen pro Tonne Umsatz um 50 % gegenüber dem Niveau von 2010 gesenkt werden. 2050 soll gar auf Konzernebene eine Netto-Null bei der Emission von Treibhausgasen erreicht werden.

Insofern ist das Spitzenrating beim Nachhaltigkeitsrating alles andere als in Stein gemeisselt. Denn wie die Greenpeace-Kritik Anfang Dezember am hohen Plastikverbrauch zeigt, gibt es auch für Nestlé in Sachen Nachhaltigkeit in der Tat weiteren Verbesserungsbedarf.

1 Quelle: Creating Shared Value Report für 2019 von Nestlé, S. 58. Direkte und indirekte Emissionen berücksichtigt.

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Elmar Sieber, Finanzanalyst

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