Herausforderndes erstes Halbjahr 2022

Ein Inflationsanstieg und eine globale Zinswende prägen das erste Halbjahr des Jahres. Doch was erwartet uns jetzt? Mehr dazu erfahren Sie von Anlagechef Dr. Sandro Merino.

Am 01.07.2022 in Fokusthemen von Dr. Sandro Merino

Das erste Halbjahr war durch herbe Verluste in den wichtigsten Anlageklassen geprägt. Der Schweizerische SMI Aktienindex verliert seit Anfang Jahr aktuell etwa 16.8% und auch amerikanische und europäische Aktienindices stehen derzeit in ähnlicher Grössenordnung im Minus. Aber auch bei CHF-Obligationenindices hat der Zinsanstieg für Verluste in der Grössenordnung von 10% geführt. Rechnet man noch den inflationsbedingten Kaufkraftverlust dazu, dann ist der reale Verlust bei Obligationen sogar um fast 3% höher. Nur mit alternativen Anlagen, wie Rohstoffen, Gold oder Hedge Funds konnte man im ersten Halbjahr positive Renditen erwirtschaften. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat Ende Februar die bereits vorhandenen Inflationstrends signifikant verstärkt und die Inflation in den USA und in Europa auf Werte von über 8% hochgetrieben.

In der Schweiz ist auch aufgrund des starken Frankens die Inflation mit fast 3% weniger aussergewöhnlich. Viele Wachstumsprognosen für die wichtigsten Volkswirtschaften wurden in den letzten Monaten nach unten revidiert. Eine eigentliche Rezession wird aber in den meisten Schätzungen für das Wirtschaftswachstum für 2022 und 2023 nicht erwartet. Es wird erwartet, dass die Schweiz dieses Jahr rund 2.5% wächst und nächstes Jahr mit 1.5% eine Verlangsamung der Konjunktur erfahren wird. Obwohl die Prognosen keine Rezession erwarten, ist die Angst vor einer unerwartet starken Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den Finanzmärkten allgegenwärtig. Diese Unsicherheit hat in den vergangenen Monaten für erhebliche Schwankungen an den Börsen gesorgt.

Inflationsanstieg erreicht den Höhepunkt

Am 1. Juli wurden die Inflationsdaten für die Eurozone für den Monat Juni publiziert. Mit 8.6% liegt die Inflation nochmals höher als im Mai 8.1%. Die Kerninflation, die volatilere Preiskomponenten (Nahrungsmittel und Energie) ausschliesst, ist im Juni aber von 3.8% (Mai) auf 3.7% gefallen. Eine Analyse des zeitlichen Ablaufs der Preissteigerungen, welche schon im zweiten Halbjahr 2021 begannen, begründet die Erwartung, dass die Inflation in den nächsten 12 Monaten deutlich fallen müsste. Allerdings nur dann, wenn nicht neue Schocks weitere Preissteigerungen verursachen. In den USA ist ausserdem im Gegensatz zur Schweiz oder zur Eurozone die Gefahr einer Lohn-Preis--Spirale akuter. Sollte die Inflation in den USA hartnäckiger bleiben, dann müsste die US-Notenbank FED die Zinsen stärker anheben, als dies gegenwärtig im Markt erwartet wird.

Globale Zinswende in vollem Gang

Nachdem die US-Notenbank im März die Leitzinsen noch zaghaft um 0.25% angehoben hatte, hat sie im Mai und Juni mit Erhöhungen von 0.5% respektive 0.75% nachgedoppelt. Der nächste Zinsschritt der US-Notenbank Ende Juli könnte die US-Leitzinsen bereits auf 2.5% bringen. Es wird erwartet, dass die US-Leitzinsen bis Ende Jahr bei etwa 3% bis 3.5% liegen werden.

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am 16. Juni mit einem Schritt von 0.5% den Markt überrascht. Ein weiterer Schritt der SNB wird für September erwartet. Die Eurozone hinkt gegenwärtig etwas nach, wird aber am 21. Juli aller Voraussicht nach die Leitzinsen um mindestens 0.25% anheben. Es wird erwartet, dass die Leitzinsen der SNB nach diesem Anhebungszyklus in einem Korridor von 1% bis 1.5% liegen werden. Sollte die EZB weiterhin zurückhaltend bleiben, dann könnte eine geringe Zinsdifferenz zwischen EUR und CHF für einen noch stärkeren CHF sorgen. Dies nachdem der EUR nach dem Zinsschritt der SNB bereits für weniger als einen Franken zu haben war. Die Entwicklung des Anstiegs der langfristigen Zinsen hat sich etwas beruhigt. Die Verfallsrendite für 10-jährige US-Staatsanleihen liegt bei etwa 3% nachdem Mitte Juni fast 3.50% erreicht wurden. Auch in der Schweizer Zinslandschaft hat sich der Anstieg langfristiger Zinsen in den vergangenen Wochen etwas stabilisiert. Das dürfte Hypothekarfinanzierungen mit langen Laufzeiten wieder etwas attraktiver machen. Allerdings wird das Fallen langfristiger Zinsen mit steigenden Rezessionsbefürchtungen in Verbindung gebracht. Somit sind tiefere langfristige Zinsen auch pessimistische Signale für die Konjunkturaussichten.

Dr. Sandro Merino

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