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Suez-Kanal bald frei – Credit Suisse rammt erneut die Risiko-Bandbreiten

Die Credit Suisse scheint in einer Negativspirale schlechter Nachrichten festzustecken, die Aktie bricht entsprechend ein. Gute Nachrichten dagegen vom Suez-Kanal: Er soll in den kommenden Tagen wieder passierbar sein. Das Update von Chief Investment Officer Dr. Sandro Merino.

Am 29.03.2021 in CIO-Update von Dr. Sandro Merino

Obwohl der Wulstbug der Ever Given derzeit noch im sandigen Ostufer des Suez-Kanals feststeckt, konnte das Heck des vollbeladenen Containerschiffes nach fast einer Woche dank der Flut befreit werden. Die Betreiber des Suez-Kanals gehen davon aus, dass etwa 450 Schiffe, die auf die Durchfahrt warten, schon in den kommenden Tagen ihre Fahrt fortsetzen können. Eine Normalisierung bei der Löschung des Frachtstaus in europäischen Häfen könnte einige Tage oder Wochen in Anspruch nehmen. Insgesamt dürften die Auswirkungen dieses Zwischenfalls bald überwunden sein.

Credit Suisse rammt erneut die Risiko-Bandbreiten

Hingegen scheint die Credit Suisse weiter in einer Negativspirale schlechter Nachrichten festzustecken. Die Pleite der Greensill Bank hatte zwar nicht direkt mit Schiffen zu tun, steht aber ebenfalls mit Pandemie bedingten Turbulenzen bei Lieferketten in einem Zusammenhang. Zahlungsausfälle bei solchen Vorfinanzierungen von Lieferketten haben zur Schliessung einiger sehr grosser Credit-Suisse Anlagefonds geführt. Den Anlegern in diesen Fonds geht es nun ähnlich, wie den vielen Schiffskapitänen die durch den Suez-Kanal fahren wollten. Nichts geht mehr, Anker werfen und Tee trinken ist angesagt.

Wie hoch die Haftung und die Verluste für die Credit Suisse am Ende der Greensill-Pleite sein werden, ist gegenwärtig Gegenstand vieler Spekulationen, an denen ich mich nicht beteiligen möchte. Auch die Frage, welcher CS-Kapitän das "Schiff" in das Kanalufer "Greensill" gerammt hat, wohlgemerkt ohne starkem Wüstenwind aus Westen, wird noch geklärt werden müssen.

Noch eine Hiobsbotschaft für Credit Suisse

Passend zu Murphy's Law hat am Freitag eine neue Hiobsbotschaft die Credit Suisse erreicht. Der US-Hedge Fonds Archegos musste mit Krediten der Credit Suisse finanzierte (gehebelte) Position liquidieren. Archegos ist offenbar Teil des Family Office des Hedge Fonds Stars Bill Hwang. Dieser war ein Mitarbeiter beim berühmten Tiger Hedge Fonds des Branchenkönigs Julian Robertson.

Das Debakel wurde unter anderem durch den raschen Einbruch der Aktie des Multimedia-Konzerns Viacom ausgelöst. Die Viacom-Aktie verlor seit dem 22. März etwa 50% ihres davor stark angestiegenen Wertes. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA wurde von der Credit Suisse zu diesem neuen Fall orientiert. Auch hier wird über die Höhe des Verlustes den die Credit Suisse treffen könnte wild spekuliert. Die Credit Suisse selbst hat die Verluste als signifikant für das Ergebnis im ersten Quartal kommentiert.

Hat die Credit Suisse bei der Risikoeinschätzung die Objektivität verloren?

Nach dem Greensill- und dem Archegos-Fiasko steht die Frage im Raum, inwiefern die Credit Suisse Führung im Umgang mit Stars der Branche ihre Objektivität in der Einschätzung der Risiken jeweils verloren hat. Inwiefern der Zugang zur CS-Teppichetage schon Geschäfte fazilitiert und dabei analytische Risikoprozesse, die offenbar zur Klärung lästiger Details normal sterblichen Mitarbeiten überlassen werden, ausgehebelt wurden, muss die FINMA feststellen.
Dass man im Jahr 2021 im sogenannten "Single Stock Lending" grosse Verluste erleiden könnte, erstaunt. Jede Bachelor-Ökonomin versteht heute sowohl das Problem, als auch das Rezept gegen übermässige Risiken. Man führt absolute Limiten für Konzentrationsrisiken ein. Ausserdem fällt auf, dass US-Banken kaum von dem Archegos-Zwischenfall betroffen sind. Gemäss Bloomberg hätten die US-Banken ihre Kredite als erste gedeckt und auf diese Weise die Credit Suisse kalt erwischt. Aber auch dieses Statement muss wohl als spekulativ taxiert werden.

Die Credit Suisse Aktie bricht heute um etwa 13.5% ein. Besorgniserregender ist der langfristige Rendite-Leistungsausweis der Aktie des historischen Bankhauses am Paradeplatz. Die annualisierte (durchschnittliche) Gesamtrendite (inklusive Dividenden und vor Verrechnunssteuer-Abzug) über die letzten 10 Jahre war Minus 6.92% pro Jahr. Im selben Zeitraum hat die UBS Aktie pro Jahr Plus 1.62% rentiert. Der SMI Index hingegen rentierte +8.60% pro Jahr.

Keine Exposition zu Supply Chain Finance Anlagen in BKB Anlagelösungen und Vermögensverwaltungsmandaten

Im Anlageausschuss des BKB Konzerns prüfen wir die Aufnahme neuer Anlageklassen und Anlageinstrumente. Dabei wurden in den letzten Jahren verschieden Anlagealternativen diskutiert mit denen man negative Renditen bei sicheren Anlagen vermeiden könnte. Grundsätzlich waren dabei auch kurzfristige Ausfinanzierungen von Debitorenbeständen interessant. Solche Anlagen wurden als Alternative zu Liquidität angeboten und diskutiert. Tatsächlich konnten solche risikoarmen Anlagen über die vergangenen Jahre bescheidene aber dennoch stabile positive Renditen erwirtschaften.

Ein für unser wichtiger Aspekt, der zu unserem Verzicht auf Anlagen in Supply Chain Fonds geführt hat, ist das Risiko, das solche Finanzierungsvehikel illiquide werden könnten. Dies ist jetzt geschehen. Aus dem gleichen Grund verzichten wir innerhalb unserer Strategiefonds auf den Einsatz von Schweizer Immobilienfonds. Auch hier ist das Risiko, dass ganze Strategiefonds bei Verkaufsdruck geschlossen werden könnten nicht unerheblich.

Unseren Kunden bieten wir ausserhalb unserer Anlagelösungen entsprechend ausgewählte Immobilienanlagen der erfolgreichsten Anbieter an (Best in Class Ansatz). Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass unsere Anlagelösungen möglichst liquide investiert sind. Die Gefahr einer Schliessung unserer beliebten Anlagevehikel wird so minimiert. Wie bei einem Schiff gibt es also "Schotten", so dass nicht das ganze Gefäss durch einen einzigen Zwischenfall betroffen wird.Im Gegensatz zu Schiffen schützt man sich dabei nicht gegen die Ausbreitung von Liquidität (Meerwasser) sondern gegen die Ausbreitung von "Illiquidität" (Schliessung von Fonds im Fonds).

Heutige Marktentwicklung und Anlagestrategie

Die Aktienmärkte eröffnen in der Schweiz und in Europa heute wenig verändert. Auch für den US-Aktienmarkt wird heute eine kaum veränderte bis leicht negative Eröffnung erwartet. (Stand ca. 12:15 29.3.2020 Basel Zeit)

Dr. Sandro Merino

Dr. Sandro Merino

Chief Investment Officer

Erfahren Sie aus erster Hand die Einschätzungen unseres Chief Investment Officers, Dr. Sandro Merino, und überprüfen Sie Ihre Anlagestrategie mit Ihrer Kundenberaterin oder Ihrem Kundenberater.

Rechtliche Informationen

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