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Leitzinsen bleiben trotz Inflation unverändert tief

Der Gouverneur der Bank von England hob die Leitzinsen wider erwarten doch nicht an, während Probleme im chinesischen Immobiliensektor hinsichtlich offizieller Bilanzkennzahlen Misstrauen bei den Investoren schüren. Aktuelles zu Börsen und Märkten erfahren Sie jetzt von Anlagechef Dr. Sandro Merino.

Am 05.11.2021 in Fokusthemen von Dr. Sandro Merino

Leitzinsen bleiben trotz Inflation unverändert tief

Andrew Bailey, der Gouverneur der Bank von England, hat viele Londoner Zins- und Währungshändler auf dem falschen Fuss erwischt. Er hat die Leitzinsen für das
Pfund, obwohl von vielen erwartet, doch nicht angehoben. Seinen Aussagen zur Inflationsentwicklung hat Bailey noch keine Taten folgen lassen. Der Arbeitsmarkt sei jetzt noch zu schwach für diesen ersten Zinsschritt, liess er manchen verärgerten Händler wissen. Auch die EZB und die US-Fed signalisieren trotz des gegenwärtig anhaltenden Inflationsimpulses weiterhin Geduld hinsichtlich des Zeitpunktes einer Anpassung der Leitzinsen. Die US-Notenbank sieht ein etwas höheres Risiko, dass die Engpässe in den globalen Lieferketten und die steigenden Energiepreise zu einem etwas längeren Andauern des Inflationsschubes führen könnten. Dennoch erwartet die US-Notenbank im nächsten Jahr eine Normalisierung der Inflation in Richtung 2,5 %. Für die Aktienkurse ist diese Aussicht auf unverändert tiefe Zinsen in einem Umfeld mit robustem Wachstum eine gute Nachricht.

Aktien auf neuen Allzeithochs

Nach dem deutlichen Einbruch im September haben die Aktienmärkte bis zur ersten Novemberwoche die Verluste wieder wettgemacht. US-Aktienindices erreichen neue Allzeithochs und auch der Schweizer SPI-Index ist aktuell sehr nah am Rekordstand aus dem Monat August. Wie oft an den Finanzmärkten erklimmen die Aktien trotz mancherlei Risikofaktoren dennoch neue Höhen. Dabei sind die Risiken aktuell nicht kleinzureden. Unter den vielen Risikofaktoren sei ein Thema hier kommentiert: In China herrscht eine gewisse Nervosität. Dies, nachdem auch Immobilienkonzerne, die auf dem Papier alle Bonitätsparameter bravourös respektieren, nun dennoch Mühe haben, am internationalen Anleihenmarkt neue Kredite zu erhalten. Seit einigen Monaten kontrolliert die chinesische Regierung offenbar intensiver. Diese Bonitätskriterien, die sogenannten drei roten Linien, welche Verschuldungsgrad und Liquidität eines Immobilienkonzerns im stabilen Bereich halten sollen, waren im Falle des chinesischen Unternehmens Kaisa klar eingehalten. Dennoch hat der Aktienkurs von Kaisa über die letzten Monate dramatisch erodiert. Es wurde klar, dass Schulden von der Bilanz ferngehalten wurden, indem Kaisa nicht bilanzierte Schattenkredite aufnahm. Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass die Probleme im Immobiliensektor Chinas zu einer systemischen Finanzkrise führen werden. Das Durchgreifen der Regierung und die Einführung der «drei roten Linien» liefert aber besorgniserregende Erkenntnisse zur Zuverlässigkeit von offiziellen Bilanzkennzahlen. Dies selbst für in Hongkong börsenkotierte chinesischen Unternehmen, die auch international Kredite mittels Anleihen aufnehmen. Viele Investoren waren bei diesem Thema schon immer skeptisch. Zumindest in einigen nun ans Lichte gekommenen Fällen scheint dieses Misstrauen berechtigt gewesen zu sein.

Führen hohe Energiepreise in einen Abschwung

Auch die gestiegenen Energiepreise scheinen auf den ersten Blick ein Risiko für die gegenwärtig sehr robuste Konjunktur darzustellen. Man muss dabei aber beachten, dass die Weltwirtschaft in den letzten Jahren insgesamt weniger stark vom Preis fossiler Energieträger abhängt ist. Die sogenannte fossile Energieintensität pro Einheit Wirtschaftsleistung hat auch in den letzten 20 Jahren nochmals deutlich abgenommen. Das gestiegene Gewicht des Dienstleistungssektors und effizientere Produktionsmethoden haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Der noch in den 90er-Jahren direkt wirkende Zusammenhang zwischen Ölpreis und Wirtschaftswachstum ist heute weit weniger deutlich. Der aktuelle Ölpreis von etwa 80 USD/Fass liegt sehr nah am 10-jährigen Durchschnittspreis von 78 USD/Fass. Von einem Energiepreisschock zu sprechen, ist auf diesem Stand also irreführend. Somit ist zwar bei anhaltend höheren Energiepreisen mit einer gewissen Bremswirkung auszugehen, aber mehr als etwa 0,5 % weniger Wachstum sind dadurch nicht zu befürchten. Auch in einem pessimistischen Szenario für die Entwicklung der Energiepreise würde die Weltwirtschaft 2022 und 2023 mit etwa 4 % respektive etwa 2,5 % wachsen. Auch diese pessimistischen Szenarien ergeben über zwei Jahre kumuliert etwa den Durchschnittswert des globalen Wachstums über die letzten 20 Jahre von gut 3 %.

Dr. Sandro Merino

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