Reform AHV 21: Was bedeutet sie für mich?

Seit 25 Jahren wurde die Altersvorsorge der Schweiz nicht mehr reformiert. Es drohten unausweichliche Defizite - denn unsere Bevölkerung wird immer älter. Mit der Annahme von der Reform AHV 21 erhält das AHV-Budget der  jetzt eine Art Verschnaufpause. Doch es bedeutet auch: Frauen werden neu - wie Männer - mit 65 Jahren pensioniert. Erfahren Sie in unserem AHV 21-FAQ alles zu den wichtigsten Neuerungen.
Am 08.11.2022 in Rund ums Geld von Alexandra Müller

Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweizer Stimmbevölkerung hat - wenn auch äusserst knapp - die Reform AHV 21 zur Stabilisierung der AHV angenommen.
  • Für Frauen verändert sich die Situation rund um die Pensionierung: ist die Reform erstmal in Kraft, müssen Frauen ein Jahr länger arbeiten.
  • Wir zeigen, was Sie jetzt darüber wissen sollten – und warum Eigenverantwortung auch weiterhin nicht an Relevanz verliert

Hauchdünner Entscheid - grosse Wirkung

Es war knapp: Mit 50.6% hat die Schweizer Stimmbevölkerung am 25. September 2022 die Reform «AHV 21» angenommen. Hiermit konnte die Altersvorsorge zum ersten Mal seit über 20 Jahren der gestiegenen Lebenserwartung angepasst werden: um das Umlagedefizit in der AHV etwas auszugleichen, wird das Rentenalter (bzw. neu Referenzalter) der Frauen dem der Männer angeglichen. Nach einer stufenweisen Erhöhung von 64 auf 65 innerhalb von vier Jahren (siehe Grafik unten) werden Frauen letztlich neu - wie auch die Männer - mit 65 Jahren ordentlich pensioniert.

AHV 21: Unser FAQ

In unserem AHV 21-FAQ weiter unten finden Sie jetzt die Antworten auf die häufigsten Fragen rund um die Reform, welche voraussichtlich 2024 in Kraft tritt.

3. Säule: Eigenverantwortung weiterhin wichtig

Auch nach Inkrafttreten von AHV 21 bleibt es dabei: Die 1. und 2. Säule allein reichen für eine sorgenfreie Zeit nach der Pensionierung – wenn es denn soweit ist - meist nicht aus. Die Bedeutung der 3. Säule bleibt weiterhin gross. Vor allem bei Teilzeitarbeit (nach wie vor arbeiten Frauen am häufigsten in einem reduzierten Pensum) kommt es oft zu Lücken in der eigenen Vorsorge.

Damit man – ob als Frau oder als Mann – auch nach der Pensionierung weiterhin den gewohnten Lebensstandard fortsetzen kann, sollten jährliche Einzahlungen in die persönliche 3. Säule auf ein Sparen-3-Konto oder eine nachhaltige Wertschriftenlösung zum Standard gehören. Insbesondere, da sich diese auch noch vom steuerbaren Einkommen abziehen lassen – als positiver Nebeneffekt.

Unser Experten-Tipp: Vor allem das Vorsorgen mit Wertschriften ist im heutigen Zinsumfeld besonders empfehlenswert. Damit profitieren Sie über einen längeren Zeithorizont von attraktiven Renditechancen. 

Das AHV 21-FAQ

Wieso wird das Rentenalter für Frauen erhöht?

Wieso wird das Rentenalter für Frauen erhöht?

Die Menschen in der Schweiz werden immer älter und es gibt immer mehr Personen mit Anspruch auf eine Rente. Im kommenden Jahrzehnt wird die Anzahl Menschen im Pensionsalter Statistiken zufolge um ein ganzes Drittel ansteigen. Damit trotzdem alle von Rentenzahlungen nach der Pensionierung profitieren können, werden nun mit der AHV 21 entsprechende Massnahmen getroffen. Mit der Anhebung des Frauen-Rentenalters will der Bund also - wie auch mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0.4 Prozentpunkte auf neu 8.1% - die Finanzierung der Renten bis 2030 sichern. 

Wann dürfen Frauen erst mit 65 in den Ruhestand?

Wann dürfen Frauen erst mit 65 in den Ruhestand?

Der Reform nach wird das Rentenalter, bzw. neu «Referenzalter» für Frauen nach Inkrafttreten der Reform (voraussichtlich 2024) pro Jahr um drei Monate erhöht. Ziel ist, dass Frauen- und Männer so ab 2028 einheitlich mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen.

Werden Frauen für ihr neu länger dauerndes Berufsleben entschädigt?

Werden Frauen für ihr neu länger dauerndes Berufsleben entschädigt?

Frauen, bei denen die Pensionierung heute schon in naher Zukunft liegt (die sog. Übergangsjahrgänge), erhalten je nach Jahrgang Zuschläge in unterschiedlicher Höhe (prozentual gerechnet vom Grundzuschlag). Und das lebenslang. Dies jedoch nur, wenn sie keinen Rentenvorbezug tätigen (möglich frühestens ab 63 Jahren). Anspruch auf die Ausgleichszahlungen haben bei Inkrafttreten der Reform 2024 die Jahrgänge 1961-1969. Die Zuschläge bewirken keine Reduktion allfälliger Ergänzungsleistungen.

Die Höhe der Grundzuschläge

Durchschnittliches Jahreseinkommen 

 Grundzuschlag

Weniger als 57 360 CHF  160 CHF
Zwischen 57 361 und 71 700 CHF  100 CHF
Mehr als 71 701 CHF  50 CHF

 

Jahrgang 

Referenzalter (in Jahren)

 Zuschlag pro Monat (in % des Grundzuschlags)

 1961  64 Jahre, 3 Monate  25%
 1962  64 Jahre, 6 Monate  50%
 1963  64 Jahre, 9 Monate  75%
 1964  65  100%
 1965  65  100%
 1966  65  81%
 1967  65  63%
 1968  65  44%
 1969  65  25%
Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen

Was passiert, wenn Frauen der Übergangsjahrgänge trotzdem mit 64 in Rente gehen?

Was passiert, wenn Frauen der Übergangsjahrgänge trotzdem mit 64 in Rente gehen?

Beträgt das durchschnittliche Jahreseinkommen einer Frau der Übergangsgeneration weniger als 57 360 CHF, kann sie sich trotzdem mit 64 Jahren pensionieren lassen. Frauen, die im Durchschnitt über 57 361 CHF jährlich verdienten, erhalten bei einer Pensionierung mit 64 Rentenkürzungen von 2.5% statt 4%, bei durchschnittlichem Jahreseinkommen von über 71 701 CHF 3.5% statt 4%. Auch wenn sich eine Frau aus Übergangsgenerationen bereits mit 63 oder 62 pensionieren lässt, wird ihre Rente um weniger reduziert, als im Normalfall. Für Frauen aus Übergangsgenerationen ist eine Frühpensioierung frühestens ab 62 Jahren mit einer entsprechend gekürzten AHV-Rente möglich.

Wie hoch ist die Ersparnis der AHV durch die AHV 21-Reform?

Wie hoch ist die Ersparnis der AHV durch die AHV 21-Reform?

Die Ersparnis der AHV durch die AHV 21-Reform liegt bis 2032 bei 1.2 Mrd. Franken. Da jedoch auch die Ausgleichsmassnahmen und geringeren Rentenkürzungen etwas kosten, liegt die totale Ersparnis der AHV bei ca. 600 Millionen Franken. Die erhöhte Mehrwertsteuer (um 0.4 Prozentpunkte auf neu 8.1%) sorgt hier entsprechend für einen viel grösseren Beitrag zur Finanzierung der Schweizer Renten (=bis 2032 rund 1.5 Mrd. Franken).

Was, wenn ich nach meinem 65. Lebensjahr weiterarbeiten will?

Was, wenn ich nach meinem 65. Lebensjahr weiterarbeiten will?

Durch die Flexibilisierung des Rentenalters können Frauen, die nicht zur Übergangsgeneration gehören, ihr Eintreten in den Ruhestand neu bis zum 70. Lebensjahr aufschieben. Wer auch nach dem 65. Lebensjahr (z.B. bis 70) arbeitet, hat am Schluss Anspruch auf eine um bis zu einem Drittel höhere AHV-Rente. Wer in Teilzeit über das 65. Lebensjahr hinaus arbeitet, darf seine AHV-Rente auch zu einem Anteil (zwischen 20-80%) beziehen.

Welches Szenario wäre bei Scheitern der Reform eingetreten?

Welches Szenario wäre bei Scheitern der Reform eingetreten?

2021 betrugen die Ausgaben der AHV 47 Mrd. CHF, die Einnahmen 48 Mrd. CHF. Ohne die Massnahmen durch AHV 21 würde die AHV bis 2032 rund 58.6 Milliarden CHF einnehmen und rund 63.3 Mrd. CHF ausgeben. Ohne die Reform würde also ein grosses Defizit zustandekommen.

Wird es weitere AHV-Reformen geben?

Wird es weitere AHV-Reformen geben?

Höchstwahrscheinlich ja. Denn ab dem kommenden Jahrzehnt könnte die AHV laut heutigen Prognosen erneut unter Druck geraten. Trotz den beiden Massnahmen (Erhöhung der Mehrwertsteuer und des Referenzalters für Frauen) besteht 2032 in der AHV nämlich ein Defizit von fast 3 Mrd. CHF - Tendenz steigend. Deshalb hat der Bundesrat den Auftrag vom Schweizerischen Parlament, bis in vier Jahren einen neuen Plan zur AHV-Sicherung  bis 2040 vorzulegen.

Haben Sie Fragen rund um Ihre Vorsorgesituation? Lassen Sie sich jetzt von unseren Vorsorgeexpertinnen- und Experten beraten. Gemeinsam unternehmen wir die alle wichtigen Schritte für Ihre abgesicherte Zukunft.

Alexandra Müller

Leiterin Beratung und Lösungen