«Der Zolli sorgt für nachhaltigen Schutz der Totenkopfäffchen.»

Emma pflegt seit über acht Jahren die Totenkopfäffchen im Zoo Basel. Das Zuchtbuch, das der Zolli über die Population führt, stellt den nachhaltigen Schutz der Art auf der Welt sicher. Mehr zu diesem wichtigen Beitrag und zum Alltag der herzigen südamerikanischen Kleinaffen gibt's im Artikel.
Am 03.06.2022 in Nachhaltigkeit von Ekaterina Cámara

Worum geht's?

  • Der Zoo Basel führt ein europäisches Zuchtbuch über Bolivianische Totenkopfäffchen (Saimiri boliviensis boliviensis).
  • Dies dient dem Artenschutz und ist ein wichtiger Beitrag für die Nachhaltigkeit.
  • Emma (30) pflegt die Population seit vielen Jahren und gibt einen Einblick in den Alltag im Gehege.
Wenn Emma morgens um acht mit dem Wasserschlauch das Gehege der südamerikanischen Totenkopfäffchen in Basel betritt, sorgt das für helle Aufruhr: Jeder rettet sich wohin er kann und wenige Sekunden später ist kein einziges der auch als Saimiri boliviensis bekannten Äffchen mehr in Sicht. «Nass werden will hier niemand!», erklärt Emma. Tagein, tagaus findet im Gehege der flauschigen Kleinaffen das gleiche Versteckspiel statt. Die junge Tierpflegerin, die sich zudem  bei der freiwilligen Feuerwehr engagiert, macht ihre Arbeit gelassen, aber bestimmt: keine Ecke bleibt verschont und jeder Ast wird von allen Seiten mit reichlich klarem Wasser abgespült.

Ist sie erstmal fertig mit dem kühlen Nass, sind ihre gelben Schützlinge ebenso schnell wieder zur Stelle, wie sie verschwanden. Schnurstracks machen sie es sich auf Emmas Schultern bequem, kuscheln, ertasten mit ihren kleinen Händen alles, was ihnen gerade spannend erscheint und sind sichtlich voller Vorfreude. Denn sie wissen: Gleich gibt es das zweite Frühstück.
Sie machen es sich auf Emmas Schultern bequem, kuscheln und ertasten mit ihren kleinen Händen alles, was ihnen gerade spannend erscheint.

Auf Fliegen- und Heuschreckenfang: Snack & Beschäftigung zugleich

Das zweite Frühstück...? Ja, denn das erste gibt es im Zoo schon um sechs in der Früh: «Da gab es einen speziellen Frühstücksbrei aus Pellets, vielen Mineralstoffen und Spurenelementen. Der wird extra für diese Art zusammengestellt.» Ausserdem auf dem täglichen Speiseplan: Gemüse, Obst, Ei, riesige Heuschrecken, knapp fünf Tage alte Mäuse und... Fliegen. Tierisches Eiweiss sei wichtig, erklärt Emma. «In der Natur fressen sie vorwiegend tierische Nahrung - dieser Anteil kann bis zu 80 Prozent ausmachen.» Ausserdem ist das Heuschrecken- und Fliegenfangen - besonders im Winter, wenn es kalt ist - nicht nur ein leckerer Snack, sondern auch eine tolle Beschäftigungsmöglichkeit. 

Die südamerikanischen Affen sind ausserdem so schnell und aktiv, dass sie es sogar ab und zu schaffen, Vögel in ihren ohnehin abwechslungsreichen Speiseplan zu 'integrieren': «Im Frühling und Sommer, wenn sie nach draussen dürfen, fangen sie auch mal Spatzen.» Passiert das, muss Emma noch gründlicher aufräumen: «Letztes Jahr haben die 27 Affen insgesamt 20 Spatzen erwischt.  Dann ist immer alles voller Federn!»

Der Affen-Speiseplan: «Zu viel Zucker schadet.»

Was, wenn die Totenkopfäffchen aber ihren Speiseplan selbst gestalten könnten? «Dann würden sich wohl am liebsten die ganze Zeit nur von Obst ernähren.», versichert Emma. «Bei uns ist es nämlich - da es extra für Menschen gezüchtet ist - einiges süsser, als in der Natur. Aber dann würden sie zunehmen. Zu viel Zucker - das schadet. Der Zuckergehalt von Gemüse entspricht viel eher dem Zuckergehalt von wilden Früchten.» Für eine gute Balance gibt es deshalb mehrheitlich Gemüse und Proteine. Und ein bisschen Obst zum Dessert.
Das Heuschrecken- und Fliegenfangen ist nicht nur ein leckerer Snack, sondern auch eine tolle Beschäftigungsmöglichkeit.

Zuchtbücher: Beitrag von Basel zur nachhaltigen Erhaltungszucht

Die Totenkopfäffchen sind als Art zwar nicht gefährdet, dennoch ist ihr Lebensraum in Südamerika durch die zunehmende Abholzung bedroht. Deshalb sieht der Zoo Basel, der wissenschaftlich geführt ist, es als wichtigen Auftrag, den Erhalt der Art durch die Führung eines europäischen Zuchtbuches zu fördern: «Die Zuchtbücher im Zoo tragen dazu bei, die genetische Vielfalt der Zoo-Population zu erhalten. Sie dienen dem Artenschutz. Dank der Führung solcher (heute digitalen) Zuchtbücher hier in Basel kann der Stammbaum eines jeden Tieres bis in viele frühere Generationen zurückverfolgt werden.», erklärt Emma. «Man kann so gezielt genetische Krankheiten und Behinderungen vermeiden, das Leben von jedem Exemplar genau beobachten und einschätzen, welches Tier sich am besten mit welchem paaren sollte. Für die Nachhaltigkeit der Population ist das ein sehr wichtiger Schritt.», fügt sie an.

«Der Schutzstatus ist immer eine Momentaufnahme.»

Nicht nur für die Totenkopfäffchen führt der Zoo Basel ein Zuchtbuch. Auch das Zwergflusspferd, das Panzernashorn, der Somali-Wildesel, der Kleine Kudu und der Türkisnaschvogel profitieren durch europäische und internationale Zuchtbücher von der nachhaltigen Artenpflege in Basel.

Und auch wenn die schwarzköpfigen bolivianischen Gesellen aktuell glücklicherweise noch nicht vom Aussterben bedroht sind: «Der Schutzstatus ist immer nur eine Momentaufnahme.», so die junge Tierpflegerin. «Er kann sich durch sich verändernde Lebensbedingungen der Tiere in freier Natur rasant ändern. Von den sieben Saimiri-Arten sind derzeit bereits drei bedroht. Durch unser Wissen um die Haltung und Zucht dieser Affen kann es auch sein, dass wir in Zukunft für den Erhalt einer gefährdeten Art vorbereitet sind.» 

Weltweites Erhaltungszuchtprogramm dank dem Zoo Basel

Im Zoo Basel koordiniert Kurator Adrian Baumeyer seit 2014 das EAZA Ex-situ Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Europa, Australien und Asien. Teil des Programms ist es, die Männchen alle vier Jahre unter verschiedenen Zoos auszutauschen. So kommt es auch nicht zur Inzucht. Die grösste Gruppe von Tieren (rund 80 Stück) lebt in den Niederlanden. Basel ist mit aktuell 27 Äffchen im vorderen Mittelfeld.

Eindrücklich ist die Lebenserwartung in freier Wildbahn und im Zoo im Vergleich: «Totenkopfäffchen werden in der Natur im Schnitt 12 Jahre alt, hier bei uns im Zolli können sie locker auch mal 30 Jahre lang leben.», hält Emma fest.

Durch unser Wissen um die Haltung und Zucht kann es sein, dass wir in Zukunft für den Erhalt einer gefährdeten Art vorbereitet sind.

Emotionale Höhen und Tiefen: Aus dem Zoo-Alltag in Basel nicht wegzudenken

«Das Traurigste für mich persönlich ist, wenn ein Tier plötzlich und ganz unerwartet verstirbt - wie einmal, wie sich später herausstellte, nach einer kalten Lungenentzündung.», sagt Emma. «Kommen Jungtiere nicht hoch, ist das zwar traurig, aber irgendwie nimmt man das als eine Art Macht der Natur hin. Denn immerhin wissen wir, dass es auch draussen nicht immer alle Neugeborenen schaffen. Beim plötzlichen Tod eines älteren Tieres hingegen fängt man schnell an, sich Vorwürfe zu machen: Habe ich an alles gedacht? Habe ich dem Tier genügend Aufmerksamkeit geschenkt? Habe ich etwas Wichtiges übersehen? Ändern kann man dann natürlich nichts mehr, doch die Gedanken kommen ganz von alleine. Die nimmt man dann auch mit in den Feierabend - das gehört aber einfach zum Job dazu. Dafür ist es natürlich besonders toll, wenn es wieder Junge gibt. Dann freut man sich umso mehr darüber.»

«Meine Berufswahl war für mich alternativlos.»

Emma liebt ihre Rasselbande. Aber an und zu zwei Wochen Ferien - die würden auch mal ganz guttun. Schliesslich ist der Beruf der Tierpflegerin auch körperlich anspruchsvoll. «Aber ich wollte immer nur das machen. Meine Berufswahl war für mich alternativlos.», sagt Emma bestimmt. Und diese bedingungslose Liebe - die spüren auch die Äffchen. «Nicht vergessen,» erinnert sie. «Spätestens Ende Mai gibt's wieder Nachwuchs. Also... nichts wie auf in den Zolli!»

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Ekaterina Cámara

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