Von Role-Models, die ermutigen

Basler Start up-Gründerin Jana Kalbermatter im Interview

Tauchen Sie mit Unternehmerin Jana Kalbermatter und ihrem Basler Start-Up «dojo» in ein Kapitel ein, das weit über technische Innovation hinausgeht. Erfahren Sie im Interview, wie Design unsere Welt bereichert und wie es Frauen ganz einfach gelingt sich in der Tech- und Start-up Szene zu behaupten – inklusive ihrer Vision einer Bank der Zukunft. 
Am 24.04.2024 in Von Basel. Für Basel. von Ekaterina Cámara

Auf einen Blick

  • «dojo» – ein Start-Up, das die Art, Geschichten zu erzählen, neu erfindet.
  • Jana Kalbermatter ist Co-Founderin der dojo tech AG mit Sitz in Basel.
  • Als Frau in der Start-up Szene hat sie gelernt, offen über Geld zu reden – und bei Investoren auch danach zu fragen: «If you want money, ask for advice. If you want advice, ask for money.»

Sie leben in Basel. Was macht die Stadt für Sie aus?
Der Reichtum an Diversität und der hohe Lebensstandard. Ich bin nach Basel gezogen, weil ich bemerkt hatte, dass die Stadt ein aufrichtiges Interesse an Kultur hat. Dieses Umfeld ist unglaublich inspirierend.

Worum geht es bei dojo?
dojo, 2020 gegründet zusammen mit meinem Geschäftspartner Louis Moser, ist mehr als ein Audiogerät. Es geht darum, die Art, wie Geschichten erzählt und vermittelt werden, neu zu denken und zu vereinfachen. 

Warum tun Sie, was Sie tun?
Mich treibt die Neugier, wie Dinge gemacht werden und wie sie unseren Alltag beeinflussen. Als Unternehmerin kann ich meine Designs von Anfang bis Ende begleiten und ihre Auswirkungen besser verstehen. Ich möchte aktiv an der Gestaltung unserer Gegenwart teilhaben und gleichzeitig individuelle Freiheit geniessen. Ich möchte Werte schaffen, die über den reinen Geldwert hinausgehen. 

Gab es Strategien und Learnings, die Ihnen im Aufbau von dojo geholfen haben?
Ich habe gelernt, dass die Produktentwicklung nur ein Teil der Aufgabe ist. Netzwerkdenken und der Aufbau einer treuen Community stehen bis heute im Zentrum. Mit dojo sind wir zahlreiche Kollaborationen mit Hochschulen eingegangen, haben Angebote von Gründungsvereinen für Start-Ups genutzt, uns in (Frauen- und Start-Up)-Netzwerken engagiert, haben Support von Banken erhalten, konnten von Fördertöpfen profitieren: Es ist ein Zusammenspiel aus immateriellem und materiellem Support, der beim Aufbau eine grosse Rolle spielt. Ohne Beziehungen und deren Pflege geht es nicht, genauso wenig wie ohne Geld und finanzielle Rückendeckung.

Echter Wandel fusst auf menschlichen Beziehungen und ist keine Frage des Geschlechts.
Jana Kalbermatter
Netzwerke, Netzwerke, Netzwerke – wie baut man diese auf?
Neben der Teilnahme an Start-Up-Events übernimmt der Austausch mit allen tangierenden Branchen und Themenfeldern eine Schlüsselrolle. Am Anfang waren es Freunde von Freunden, mit denen wir uns beispielsweise rund um Fragen zu Markenrechten und Patentrechten ausgetauscht haben. Diese Gespräche haben sich kontinuierlich ausgeweitet und aus einer freundschaftlichen Expertise wurde ein andauerndes Consulting. Lernen heisst Netzwerken und Netzwerken ermöglicht den Zugang zu neuem Wissen. Klingt einfach, ist aber viel Arbeit, macht aber auch unglaublich viel Spass.

Wie können Frauen dazu beitragen, eine inspirierende Zukunft in Ihrer Branche zu gestalten?
Frauen sollten sich mit anderen Menschen ausserhalb der eigenen Branche vernetzen, um neue Möglichkeiten zu schaffen. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein echter Wandel auf menschlichen Beziehungen fusst und nicht eine Frage des Geschlechts ist. Auch wenn es immer noch enormen Nachholbedarf in Sachen Gleichberechtigung gibt.

Welche Rolle spielen Diversität und Inklusion in der Förderung von Frauen in Führungspositionen?
Es fällt mir schwer, konkrete Ratschläge zu erteilen, da Begegnungen stets individuelle Erfahrungen sind, mal leichter, mal schwieriger. Mein persönlicher Weg wurde stets von meinem Glauben an eigene Ideen und selbstbewussten Entscheidungen geprägt – sei es in der Auswahl meiner Netzwerke oder wo ich Grenzen gesetzt habe. Der Schwerpunkt lag für mich immer auf dem Austausch und Dialog mit den Menschen – auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt. Glücklicherweise habe ich das grösstenteils erlebt, sonst hätte ich es eingefordert.
Es braucht mehr gelebte Softskills bei allen. Intuition, Sensitivität und Empathie, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Kritikfähigkeit. 
Jana Kalbermatter
Braucht es mehr Frauen, die etwas bewegen?
Ich würde sagen: Es braucht grundsätzlich mehr gelebte Softskills bei allen. Intuition, Sensitivität und Empathie, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Kritikfähigkeit. Ich habe bei verschiedenen Menschen gute wie schlechte Erfahrungen gemacht. 

Gab es Momente, an denen Sie Ungleichheiten in Ihrer Branche erfahren haben?

Es ist unbestreitbar, dass in der Tech- und Start-Up-Szene Männer in der Überzahl sind, während es im Kulturbereich genau umgekehrt ist. Mir war es stets ein Anliegen, meinem Gegenüber unabhängig des Geschlechts zu begegnen und meinen eigenen Standpunkt klar zu artikulieren. 

Welche Veränderungen würden Ihrer Meinung nach die Gleichstellung von Frauen in Ihrer Branche vorantreiben?
Ich weiss, dass ich weder die erste noch die letzte Frau bin, die diesen Weg gehen wird und hoffe, mit meiner Arbeit dazu beitragen zu können, dass junge Frauen im Unternehmertum unabhängig der Branche sichtbarer werden. So entstehen Role-Models, die andere ermutigen, trotz existierender Ungleichheiten, für sich und die Sache einzustehen.
Ich wünsche mir einen offeneren Umgang mit dem Thema Geld.
Jana Kalbermatter
Haben Sie einen Wunsch an die Gesellschaft rund um das Thema Gleichstellung?
Ich wünsche mir eine offene Haltung gegenüber allen Formen der Zusammenarbeit. Das heisst, es braucht ein vorurteilsfreies Denken, denn wir sind alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Sprache. 

Nach welchen Werten leben und arbeiten Sie?
Human-first – mein Grundsatz beim Gestalten, in der Geschäftsführung und in meinem Leben: Für mich bedeutet Human-First, eine Nutzungsqualität zu erzeugen und sich im Sinne des zirkulären Designs stets zu fragen, welche Konsequenzen die Dinge haben, die ich in die Welt setze. Dabei geht es weniger um schnelle Innovationen und aktuelle Trends, sondern vielmehr um einen Mehrwert, der über monetäre Werte hinausgeht. 

Inwiefern sind soziales Engagement und Nachhaltigkeit ein Thema bei dojo?

Unsere technischen Produkte wurden so gestaltet, um soziale Interaktionen nicht zu beeinträchtigen, sondern zu fördern: Bei uns ergreifen nicht die Objekte die Bühne, wir wollen Menschen zusammenbringen – über Geschichten und Begegnungen.

Welche Rolle spielt Geld in Ihrem Leben?

Ich wünsche mir einen offeneren Umgang mit dem Thema Geld. Das könnte gelingen, indem wir darüber sprechen – bei der Arbeit, unter Freunden, in der Familie. Das baut Barrieren ab. Wir müssen nicht überall Expertinnen sein. Fragen stellen, das ist vollkommen ok! Oder um es mit Worten aus der Start-Up-Bubble zu sagen: «If you want money, ask for advice. If you want advice, ask for money.» Im Kontext von Investorinnen und Investoren trifft das besonders zu.
Kann Geld als Instrument für positive Veränderungen in der Welt genutzt werden? Wenn ja, wie? Oder braucht es ganz etwas anderes?
Geld bleibt zweifellos eine Notwendigkeit und nimmt eine dominante Rolle ein. Vielleicht sollten wir uns jedoch eher fragen, worin wir Geld investieren und welche positiven Entwicklungen wir damit fördern. Die beiden Elemente – sozialer Wert und Austausch sowie das Monetäre – sollten in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. In unserer gegenwärtigen Welt braucht es beides.

Wie sieht für Sie eine Bank der Zukunft aus?

Mehr wie ein Impact Hub: geprägt von projektbasiertem Denken, offenem Austausch und geleitet von einem Netzwerk-Gedanken, statt basierend auf (Wissens-)Hierarchien.
Die beiden Elemente – soziale und monetäre Werte – müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. In unserer gegenwärtigen Welt braucht es immer noch beides.
Jana Kalbermatter
Und wie stellen Sie sich die Zukunft für Frauen in Ihrer Branche vor?
Ich bin optimistisch, dass immer mehr Frauen den Mut fassen, sich in technische Bereiche zu wagen. Es gibt bereits heute herausragende Projektmanagerinnen, die vielleicht nicht alle gleich sichtbar sind. In anderen Ländern sieht die Situation im technischen Bereich anders aus – was können wir daraus für die Schweiz lernen? Und um auf meinen Optimismus zurückzukommen: Da die Technologie mittlerweile alle Lebensbereiche durchdringt, geht das auch mit einer gesteigerten Zugänglichkeit einher.

Wir unterstützen Frauen auf Ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Vereinbaren Sie noch heute ein Beratungsgespräch mit uns.

Olivia Zurbuchen, Geschäftskundenberaterin Basler Kantonalbank

Beratungscenter: 061 266 33 33 

Über dojo

Was es mit dojo auf sich hat, wo es schon im Einsatz ist und wie es auch Ihre Art des Geschichtenerzählens erleichtern könnte? Zur Website des Unternehmens.

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