Unterdurchschnittliche, aber positive Aussichten für die globale Konjunktur

Heutige Marktentwicklung

Die Weltwirtschaft wächst weiter – wenn auch mit gebremstem Tempo. Trotz geopolitischer Spannungen bleiben die Aussichten für 2026 insgesamt positiv. Während die USA vergleichsweise robust dastehen, kommt die Eurozone nur langsam voran. Für Anlegerinnen und Anleger rücken damit neben der Konjunktur vor allem die nächsten Zinsentscheide und die weiterhin festen Aktienmärkte in den Fokus, die ihren Trend nach oben fortsetzen.
Heute in CIO-Kommentar von Dr. Stefan Kunzmann, Leiter Investment Research
Für 2026 wird nach wie vor ein Anstieg des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) von fast 3 % prognostiziert (Median). Der Irankrieg hat an diesem leicht positiven Szenario wenig geändert. Eine deutlichere Anpassung der Prognosen scheint zunehmend unwahrscheinlich.

So signalisiert die Konsensprognose für die US-Wirtschaft einen Anstieg des BIP von 2.2 %. Dieser Wert entspricht der durchschnittlichen Wachstumsrate der vergangenen 25 Jahre. Unterstützung erhalten diese – vor dem Hintergrund der Lage im Nahen Osten und den Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Zoll- und Handelspolitik der Trump-Administration – grundsätzlich positiven Aussichten von den jüngst veröffentlichten Stimmungsindikatoren aus den Vereinigten Staaten. Dabei zeichnen insbesondere die vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes (ISM) ein recht erfreuliches Bild. Sowohl der Index für den Dienstleistungsbereich als auch jeder für die Industrie liegen etwas deutlicher im expansiven Bereich und versprechen für die kommenden Monate eine positive Konjunkturdynamik.

Die Konjunktur für die Eurozone bleibt trotz sehr tiefer Arbeitslosenquote von 6.3 % und dem deutschen Fiskalpaket dagegen wenig dynamisch. Der wegen des Irankriegs, aber insbesondere auch wegen der saisonal historisch tiefen Füllstände der Gaslager, hohe Gaspreis belastet. Es wird zwischenzeitlich dennoch ein Wachstum von immerhin 0.8 % prognostiziert. Die Konsensprognose für das Schweizer BIP liegt bei 1.1 %.

Leitzinserhöhungen seitens Fed und EZB nicht vom Tisch

Obwohl sich die Lage bei der Inflation wieder etwas beruhigt hat, wird am Markt für die US-Notenbank und die EZB für das laufende Jahr nach wie vor je eine Leitzinserhöhung eingepreist. Die Teuerungsraten sind zwar seit den diesjährigen Hochs im Mai wieder gesunken, sie liegen aber mit 2.9 % in der Eurozone und 3.4 % in den USA weiterhin deutlicher über der von den Notenbanken angestrebten Marke von 2 %. Einzig in der Eidgenossenschaft spielt das Inflationsgespenst keine Rolle, liegt die Inflationsrate im Juli mit 0.4 % doch sehr komfortabel im Zielband der SNB von 0 % bis 2 %.

Dennoch ist es alles andere als ausgemacht, dass Fed und EZB im laufenden Jahr den erwarteten Zinsschritt tatsächlich auch umsetzen. So liegt der Ölpreis der Sorte Brent mit aktuell weniger als 90 US-Dollar je Barrel deutlich unter den im 1. Halbjahr 2026 erreichten Niveaus. Das Risiko, dass erhöhte Energiepreise zu ausgeprägteren Zweitrundeneffekten bei den Konsumentenpreisen führen, scheint aktuell deshalb nicht ganz so gross. Zudem hat die EZB im Juni bereits mit einer Leitzinsanhebung vorgelegt. Im Hinblick auf die Zinsentscheide der US-Notenbank hat wiederum der jüngste US-Arbeitsmarktbericht den geldpolitischen Falken etwas Wind aus den Segeln genommen. Mit einem Rückgang bei den neugeschaffenen Stellen im Monat Juli ist dieser deutlich schwächer ausgefallen, als von Marktbeobachtern erwartet.

Von der SNB wird vor dem Hintergrund der hohen Preisniveaustabilität für das laufende Jahr am Markt keine Veränderung der Leitzinsen erwartet. Wir rechnen deshalb für die kommenden Monate auch bei den Renditen von Schweizer Obligationen grundsätzlich mit einer Seitwärtsbewegung. Der Renditekorridor bei 10-jährigen Eidgenossen dürfte sich zwischen 0.2 % und 0.5 % bewegen. Aktuell liegt die Rendite unter 0.4 % und ist für private Anlegerinnen und Anleger unattraktiv. Wir sind bei Schweizer Obligationen untergewichtet.

Aktienmarkt setzt positiven Lauf bislang fort

Die globalen Aktienmärkte haben auch in den ersten beiden Augustwochen ihren Trend nach oben fortgesetzt. Zwischenzeitlich haben über 90 % der Unternehmen (in den USA) ihre Gewinne veröffentlicht. Die meisten konnten dabei die Erwartungen teils deutlich übertreffen. Zu den Gewinnern bei den Börsen der Industrieländer zählen in diesem Zeitraum (in CHF) der Nikkei 225 und der Nasdaq Composite. Bei den Sektoren gehört entsprechend der IT-Bereich aktuell wieder zu den Gewinnern, nachdem er im Juli noch unter Gewinnmitnahmen gelitten hatte. Wir sind weiterhin – unter anderem zugunsten japanischer Small & Mid Caps – bei Aktien übergewichtet.

Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 08:15 Uhr, 17.08.2026, Basel Zeit)

Trotz der weiterhin angespannten Lage im Nahen Osten wird der Schweizer Aktienmarkt (SMI) vorbörslich mit fast 0.2 % höher notiert. Auch der deutsche Aktienindex (DAX) dürfte im Vergleich zum Handelsschluss am Freitag mit gut 0.2 % im Plus eröffnen. Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen ebenfalls eine leicht positive Handelseröffnung.
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