Gold nähert sich wieder 120 000 CHF je Kilogramm
Der Goldpreis hat seine seit Mitte Juli laufende Erholung deutlich beschleunigt. In US-Dollar stieg er zuletzt auf über 4600 USD je Unze. Umgerechnet in Franken nähert er sich damit wieder 120 000 CHF je Kilogramm. Allein in der vergangenen Woche legte Gold in Dollar um mehr als 5 Prozent zu. Damit wurde ein erheblicher Teil der vorangegangenen Korrektur wieder aufgeholt.Auslöser der jüngsten Bewegung waren die angekündigten höheren Rückkäufe langfristiger US-Staatsanleihen durch das US-Finanzministerium. Diese Ankündigung schwächte den Dollar und belebte den sogenannten «Debasement Trade». Gemeint ist die Umschichtung aus Bargeld und nominalen Staatsanleihen in knappe, nicht an das Zahlungsversprechen eines Staates gebundene Vermögenswerte. Anleger sichern sich damit gegen das Risiko ab, dass hohe Staatsschulden langfristig über Inflation, negative Realzinsen oder eine schwächere Währung entwertet werden. Gold ist dafür das klassische Instrument.
Die Rückkäufe des US-Finanzministeriums werden durch die Ausgabe anderer Staatsanleihen finanziert und senken weder das Defizit noch die Nettoverschuldung. Auch ihr Umfang ist im Verhältnis zum gesamten US-Anleihemarkt sehr gering. Ihre Bedeutung liegt vor allem im Signal, dass die US-Regierung auf die hohen langfristigen Finanzierungskosten empfindlich reagiert.
Der Hintergrund für diese Nervosität ist nachvollziehbar. Das amerikanische Haushaltsdefizit dürfte 2026 rund 1,9 Billionen USD beziehungsweise 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. Auch die Jahre davor waren haushaltspolitisch im tiefroten Bereich.
Die öffentlich gehaltenen Staatsschulden könnten von derzeit 101 Prozent des Bruttoinlandprodukts bis 2036 auf 120 Prozent steigen. Das Risiko, dass die hohe Verschuldung den zukünftigen Handlungsspielraum der Geldpolitik einschränkt, wird von den Anlegern aber zunehmend ernst genommen.
Unterstützt wird Gold zudem durch anhaltende Zentralbankkäufe und wieder steigende Zuflüsse in Gold-ETFs. Allein in der vergangenen Woche nahmen diese mehr als 28 Tonnen Gold auf. Für Schweizer Anleger bleibt Gold deshalb ein sinnvoller Portfoliodiversifikator. Wir halten eine strategische Beimischung weiterhin für sinnvoll, sehen in der jüngsten Rally jedoch keinen Anlass für eine prozyklische Erhöhung unserer bereits gehaltenen Übergewichtung von Gold.
USA und Kanada: Freihandel mit Vorbehalt
Nach dem Scheitern der Verhandlungen haben die USA am Samstag zusätzliche Zölle von 50 Prozent auf ausgewählte kanadische Waren in Kraft gesetzt. Es handelt sich nicht um einen pauschalen Zoll auf sämtliche Einfuhren aus Kanada, sondern um rund 550 Zollpositionen im Wert von knapp 20 Milliarden USD. Dies entspricht etwa 5 Prozent der amerikanischen Warenimporte aus dem Nachbarland. Betroffen sind unter anderem Wein, Milchprodukte, Zement, Möbel, Textilien und Elektronik. Kanada hat Gegenmassnahmen angekündigt, die ab dem 8. September gelten sollen.
Die eigentliche Zäsur liegt weniger im unmittelbaren Handelsvolumen als im institutionellen Signal. Washington stützt sich erstmals auf Section 338 des Tariff Act von 1930. Für die erfassten Produkte gilt der Zusatzzoll selbst dann, wenn sie die Ursprungsregeln des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA erfüllen.
Das USMCA bleibt zwar bis 2036 in Kraft. Nachdem die USA im Juli einer langfristigen Verlängerung nicht zugestimmt haben, wird es nun jährlich überprüft. Aus einem verlässlichen Ordnungsrahmen droht damit ein fortlaufendes Verhandlungsinstrument zu werden. Bemerkenswert ist zudem, dass Washington kanadische Gegenmassnahmen auf frühere US-Zölle nun als Begründung für neue Zölle verwendet. Vergeltungsmassnahmen lösen damit weitere Vergeltungsmassnahmen aus.
Die wirtschaftliche Abhängigkeit ist asymmetrisch. Rund 72 Prozent der kanadischen Warenexporte gehen in die USA. Kanada nimmt demgegenüber nur rund 16 Prozent der amerikanischen Warenexporte auf. Wegen der eng verflochtenen Produktionsketten werden die Zölle dennoch auch amerikanische Zulieferer und Konsumenten belasten. Vorprodukte und Fahrzeugteile überqueren die Grenze teilweise mehrfach, bevor ein Endprodukt fertiggestellt ist.
Für Kanada steigen die Risiken für Wachstum, Beschäftigung, Unternehmensmargen und den kanadischen Dollar. Noch schwerer wiegt langfristig die sinkende Planungssicherheit. Wenn selbst ein bestehendes Freihandelsabkommen keinen verlässlichen Schutz vor neuen Zöllen bietet, müssen Unternehmen das politische Risiko bei grenzüberschreitenden Investitionen dauerhaft höher gewichten. Diese Erkenntnis ist auch für Europa und die Schweiz relevant: Eine handelspolitische Einigung mit den USA ist zunehmend als vorläufiges Verhandlungsergebnis und weniger als dauerhafte Garantie zu betrachten.
Der KI-Investitionsboom erreicht die Industrie
Die zweite Phase des KI-Zyklus ist weniger digital, als ihr Name vermuten lässt. Rechenzentren benötigen nicht nur Halbleiter, sondern auch Transformatoren, Schaltanlagen, Kühlsysteme, Turbinen, Notstromaggregate, Maschinen, Metalle und Bauleistungen. Der Investitionsimpuls beginnt sich deshalb entlang der physischen Lieferkette auszubreiten.
Die US-Daten bestätigen diesen Übergang. Im zweiten Quartal stiegen die realen Ausrüstungsinvestitionen annualisiert um 15,2 Prozent. Die Investitionen in geistiges Eigentum legten um 8,8 Prozent zu. In der Industrie lag die Produktion von Computern und Elektronik im Juli 9,9 Prozent über dem Vorjahr. Bei Elektroausrüstung betrug das Wachstum 6,2 Prozent und im Maschinenbau 4,4 Prozent. Das gesamte verarbeitende Gewerbe wuchs dagegen lediglich um 1,2 Prozent.
Von einem allgemeinen Industrieboom kann deshalb noch keine Rede sein. Besonders deutlich wird die Konzentration im Bau. Die Ausgaben für Rechenzentren lagen im Juni rund 46 Prozent über dem Vorjahr. Der private Nichtwohnungsbau ohne Rechenzentren schrumpfte dagegen um knapp 8 Prozent. Auch der Fabrikbau blieb schwach. Der KI-Effekt ist somit breiter als noch vor einem Jahr, verläuft aber weiterhin in einem relativ schmalen industriellen Korridor.
Gleichzeitig treten neue Engpässe auf. Die Lieferzeiten für Transformatoren und andere Netzkomponenten betragen teilweise mehrere Jahre. Fehlende Netzanschlüsse, der steigende Strombedarf und lokale Genehmigungsverfahren können Projekte verzögern. Hinzu kommt, dass die enormen Kapitalausgaben weiterhin auf wenige grosse Technologiekonzerne konzentriert sind und ihre zukünftige Rentabilität noch nicht abschliessend bewiesen ist.
Für Anleger erweitert sich das KI-Universum dennoch deutlich über Halbleiter und Software hinaus. Interessant sind insbesondere Industrieunternehmen mit knappen Kapazitäten, hohen Auftragsbeständen und entsprechender Preissetzungsmacht. Eine pauschale Wette auf alle Zykliker oder sämtliche Metallproduzenten lässt sich aus den Daten dagegen nicht ableiten.
Für die Portfolios sprechen diese Entwicklungen weiterhin für eine breite Diversifikation. Gold behält seine Funktion als strategische Absicherung. Die zunehmenden Handelsrisiken verlangen eine sorgfältige Analyse regionaler Lieferketten. Beim KI-Thema erweitert sich das Anlageuniversum, gleichzeitig bleibt Selektivität entscheidend.
Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 10:30 Uhr, 24.08.2026, Basel Zeit)
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) notiert derzeit kaum verändert. Dies gilt auch für den deutschen Aktienindex (DAX). Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen eine leicht negative Handelseröffnung.
Am kommenden Mittwoch, 26.8. wird NVIDIA die Ergebnisse für das zweite Quartal vorstellen. Es werden rund 92 Milliarden USD Umsatz und etwa 51 Milliarden USD bereinigter Nettogewinn erwartet. Das sind weiterhin aussergewöhnliche Dimensionen: Gegenüber dem Vorjahresquartal würden sich Umsatz und bereinigter Gewinn ungefähr verdoppeln.
Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer
Rechtliche Informationen
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