In der vergangenen Woche waren die Themen Inflation und Zinsen erneut die zentralen Themen an den internationalen Finanzmärkten. Dies gilt auch für die europäischen Börsen. Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt führte am Montag nach der Wahl zu keinen stärkeren Bewegungen an den deutschen und europäischen Aktienmärkten. Und das trotz der Tatsache, dass nahezu 60% der Wählerinnen und Wähler für Parteien an den äusseren Rändern des politischen Spektrums gestimmt haben und die rechtsextreme AfD sich nun um eine Regierungsbildung bemüht.
Dagegen hat sich die Lage auf den Energiemärkten weiter verschärft. Ursache ist einerseits die Eskalation rund um die Strasse von Hormus infolge der Angriffe auf Tanker durch die beiden Kriegsparteien. Ein weiterer Grund liegt in der neu gewonnenen Kontrolle der jemenitischen Huthi-Rebellen auf die für den Schiffverkehr ebenfalls sehr wichtige Meerenge Bab al-Mandab. Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche entsprechend weiter angestiegen. Der Ölpreis für die Sorte Brent erreichte zwischenzeitlich wieder die Marke von 110 US-Dollar je Barrel Öl. Der europäische Gaspreis stieg gar auf den höchsten Stand seit Januar 2023. Hier sorgen die niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher für zusätzliche Sorgen an den Märkten. Insbesondere in Deutschland, wo rund ein Viertel und damit die grössten Speicherkapazitäten innerhalb der EU lokalisiert sind, beträgt der Füllstand wenige Wochen vor Beginn der Heizperiode nur 56%. Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang auch die Mitteilung des deutschen Verbands der Speicherbetreiber Ines, dass bis zum 1. November technisch maximal ein Füllstand von 77% erreicht werden kann. Damit dürfte die gesetzliche Vorgabe von 80% verfehlt werden. Die Marktbedingungen, insbesondere die über den Terminpreisen liegende Spotpreise, haben die Befüllung erschwert. Der Energiesektor hat vor dem Hintergrund der hohen Öl- und Gaspreise in der vergangenen Woche einmal mehr das Performanceranking auf den Aktienmärkten angeführt.
Nachdem in der Eurozone bereits zu Monatsbeginn gestiegene Inflationsraten für August veröffentlicht worden waren, folgten am Freitag die Daten aus den USA. Die Konsumentenpreise haben sich im Vergleich zum Vorjahr um 3.4% verteuert, am stärksten in den Bereichen Energie und Transport. Die um Energie und Nahrungsmittel bereinigte Kernrate liegt mit 2.4% ebenfalls weiterhin über der Zielmarke von 2%. Es wird daher davon ausgegangen, dass die amerikanische Notenbank in naher Zukunft die Leitzinsen erhöht. Ob dies bereits an der diesen Mittwoch anstehenden Fed-Sitzung erfolgt, ist aber offen. Der Markt rechnet aber fest mit einem Zinsschritt spätestens an der Sitzung Ende Oktober. Kommt es bereits diese Woche zu einer Erhöhung der Leitzinsen seitens der US-Notenbank, dann könnte dies auch den Trend steigender US-Renditen weiter befeuern.
Die europäische Zentralbank EZB hat derweil wie erwartet am letzten Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Seitens der SNB wird dagegen für dieses Jahr nach wie vor nicht mit einer Zinserhöhung gerechnet, weder für die Sitzung am 24. September 2026 noch für die Ende Jahr. Aktuell ist an den Märkten erst eine Zinserhöhung für März 2027 eingepreist. Aufgrund des starken Frankens ist der Inflationsdruck in der Schweiz bislang gering. Wir erwarten, dass das aktuell hohe Renditeniveau der 10-jährigen Eidgenossen von leicht über 0.5 % sich wieder in einer Bandpreite von 0.3% bis 0.5% einpendeln wird.
Künstliche Intelligenz schockiert Wissenschaft und Märkte
Intellektuelle Kreise wurden letzte Woche aufgescheucht, nachdem die KI-Firma OpenAI mitteilte, dass ihre KI das mathematische Navier-Stokes Millenium Problem gelöst habe. Mit den ungelösten berüchtigten Millenium-Problemen beschäftigen sich Mathematiker seit Jahrzehnten. Die angebliche Lösung eines dieser Probleme würde die KI auf eine neue Dimension heben, da sich hier auch eine Überlegenheit der KI in Bezug auf Kreativität manifestieren würde.
Die rasend schnellen Fortschritte im Bereich der KI sind zugleich faszinierend und beängstigend. Fragestellungen bezüglich Dominanz, Sicherheit und Manipulationsfähigkeit rücken immer stärker in den Vordergrund. Dies zeigen auch die Diskussionen, die am Wochenende viele Schlagzeilen beherrscht haben. Im Zusammenhang damit haben Anthropic sowie Chat-GPT-Betreiber OpenAI den Zeitplan für ihre Börsengänge nach hinten verschoben. Zudem wird von Chefs führender US-KI-Unternehmen die Forderung unterstützt, das Entwicklungstempo neuer, hochleistungsfähiger KI-Systeme zu drosseln. Was unserer Meinung nach aus Sicherheitsüberlegungen richtig und notwendig ist, belastet andererseits die Gewinnaussichten von Technologieunternehmen. Entsprechend wird der Future für den Nasdaq 100 aktuell auch rund 1.5 % tiefer notiert.
Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 10:30 Uhr,14.09.2026, Basel Zeit)
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) hat die neue Handelswoche positiv eröffnet. Er liegt 0.75 % im Plus. Der deutsche Aktienindex (DAX) wird dagegen 0.5 % schwächer notiert. Die US-Aktienmärkte werden am heutigen Nachmittag gemäss der Futures Kurse ebenfalls schwächer erwartet.
Dr. Stefan Kunzmann, Leiter Investment Research
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