Der Konflikt im Nahen Osten befindet sich in seiner vierten Woche. Eine unmittelbare weitere Eskalation durch die USA ist vorerst jedoch ausgeblieben. US-Präsident Donald Trump teilte am Montag mit, dass Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur und Kraftwerke für fünf Tage ausgesetzt würden, nachdem Gespräche mit dem Iran aus seiner Sicht «sehr gut und produktiv» verlaufen seien. Die Sistierung möglicher Angriffe bleibt allerdings an den Fortgang der Gespräche gebunden. Trotz dieser vorläufigen Deeskalation dauern die gegenseitigen Angriffe in der Region an. Iran und mit dem Iran verbundene Kräfte bleiben weiterhin in der Lage, empfindliche Ziele in der Region zu bedrohen.
Die Ankündigung aus Washington hat an den Finanzmärkten zu einer markanten Gegenbewegung geführt. Nach den Eskalationssorgen der vergangenen Tage setzen die Märkte nun auf eine zumindest temporäre Entschärfung der Lage. Aktuell (23.3., ca. 12:45 Uhr) liegt der Schweizer Aktienmarkt deutlich im Plus. Der Schweizer SPI-Index bleibt zwar seit dem Höchststand Ende Februar klar unter Druck, doch die heutige Erholung zeigt, wie stark die Kursbewegungen derzeit von geopolitischen Schlagzeilen geprägt sind. Seit Jahresanfang bleibt der Rückschlag beim SPI dennoch erheblich. Damit bewegt sich die bisherige Korrektur weiterhin am oberen Ende des von uns erwarteten Ausmasses einer kriegsbedingten Marktreaktion.
Der US-Aktienindex S&P 500 hat bislang weniger stark auf die Krise reagiert als europäische Märkte. Die jüngste Entspannungssignalisierung aus Washington stützt nun auch die US-Börsen deutlich. Gleichzeitig sinken die kurzfristigen Zinserwartungen am Markt wieder etwas, nachdem zuvor steigende Energiepreise Inflations- und Zinsängste verstärkt hatten.
Der Iran bleibt nach wie vor in der Lage, einzelne, aber empfindliche Ziele zu treffen, wie die Beschädigung des wichtigen Gasfeldes in Katar vergangene Woche aufgezeigt hat. Nebst Öl- und Gas-Industrieanlagen sind auch Wasseraufbereitungsanlagen und weitere kritische Infrastrukturen in den Golfstaaten bedroht. Den USA und Israel ist es bislang nicht gelungen, die militärischen Fähigkeiten des Irans so weit auszuschalten, dass die Bedrohung für die Region und die Weltwirtschaft wegfallen würde. Daran ändert auch die jetzige Gesprächsphase vorerst nichts Grundsätzliches.
Gleichzeitig hat die vorläufige Verschiebung möglicher Angriffe auf iranische Energieanlagen den unmittelbaren Druck auf die Energiemärkte reduziert. Die europäische Sorte Brent ist im Anschluss an Trumps Äusserungen deutlich gefallen und notiert aktuell bei rund 105 USD pro Fass. Damit bleibt der Ölpreis zwar auf erhöhtem Niveau, liegt aber klar unter den Höchstständen, die noch bei einer weiteren Eskalation befürchtet worden waren.
Eine Koalition westlicher Staaten sucht weiterhin nach Möglichkeiten, die Strasse von Hormuz in Kooperation mit den USA mit militärischen Mitteln freizuhalten. Gleichzeitig steigt aber mit andauerndem Konflikt auch der Druck auf die USA und Israel, einen Weg zur Begrenzung der Kampfhandlungen zu finden. Nicht unerwartet steckt die US-Regierung unter Donald Trump in einem Dilemma: den Krieg abzubrechen, ohne Wesentliches erreicht zu haben, oder aber den Druck auf den Iran weiter zu intensivieren. Dies mit dem Risiko zunehmender negativer ökonomischer Auswirkungen auf die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft. Der Glaube an das Gelingen eines erzwungenen Regimewechsels im Iran bleibt inzwischen gering.
Die USA halten den Druck auf die iranische Führung damit grundsätzlich aufrecht, verbinden diesen aber vorerst mit einer begrenzten Gesprächs- und Deeskalationsphase. Ohne neue Konzessionen seitens Washingtons dürfte Teheran aus unserer Sicht jedoch weiterhin nur geringe strategische Anreize haben, die Drohkulisse gegenüber der Weltwirtschaft dauerhaft abzubauen. Die widersprüchlichen Signale aus dem Weissen Haus verstärken den Eindruck, dass die strategischen Ziele der USA zu Beginn des Krieges nicht hinreichend auf die nun eingetretene Lage abgestimmt waren.
Wir rechnen weiterhin mit einem Ende der militärischen Eskalation innerhalb der kommenden drei bis vier Wochen. Bei der Frage, ob im Iran unter dem Druck der USA und Israels ein Regimewechsel gelingt, bleiben wir sehr skeptisch.
Geldpolitik und Inflation
Die Kommentare der Zentralbankchefs der USA, der EU und der Schweiz anlässlich der Zinsentscheide in der vergangenen Woche (18./19. März) betonen die Risiken für die künftige Entwicklung der Inflation. Die zuletzt stark gestiegenen Energiepreise hatten zeitweise den Druck auf die Inflationserwartungen erhöht. Mit dem heutigen deutlichen Rückgang des Ölpreises hat sich diese Sorge vorerst ein wenig entschärft. Dennoch lassen die geopolitischen Risiken gegenwärtig insbesondere in den USA keine schnelle Entwarnung zu.
Ausblick
Bei einer anhaltenden Störung oder gar Blockade der Strasse von Hormuz über viele Wochen hinweg, wovon wir derzeit weiterhin nicht ausgehen, wären länger anhaltend hohe Öl- und Gaspreise nicht auszuschliessen. Dies könnte Auswirkungen auf die Inflations- und Wachstumserwartungen haben. Derzeit sind jedoch kaum Anpassungen an den Basisszenarien für Wachstum und Inflation in den wichtigsten globalen Wirtschaftsräumen (USA, EU, China) erfolgt. Wir sehen aktuell keinen Grund, das Basisszenario eines leicht unterdurchschnittlichen, aber positiven globalen Wirtschaftswachstums im Jahr 2026 zu revidieren. Eine Rezession in den USA oder in der EU erwarten wir trotz der wirtschaftlichen Folgen des Krieges mit Iran nicht.
Sollten die USA ihr Narrativ einer begrenzten militärischen Operation revidieren und erneut klar auf Eskalation einschwenken, müssten wir diese Einschätzung kritisch überdenken. Diese Entwicklung ist derzeit jedoch nicht die Annahme in unserem Basisszenario.
Historisch betrachtet erholen sich Aktienmärkte nach geopolitischen Schocks oft rasch. Gleichwohl bleibt das Risiko einer konjunkturellen Abschwächung real, sollte die Strasse von Hormuz über viele Wochen hinweg nur eingeschränkt passierbar bleiben. Wir empfehlen derzeit, diszipliniert an der gewählten Anlagestrategie festzuhalten.
Anlagestrategie und Taktik:
Wir haben Ende vergangener Woche die durch den Kursanstieg entstandene Übergewichtung bei Rohstoffanlagen reduziert. Im Gegenzug führen wir bei Hedge Funds ein Re-Balancing auf die neutrale Quote durch. Die von uns eingesetzten «best-in-class»-Rohstofffonds haben seit Jahresanfang rund 20 % (in CHF) an Wert zugelegt.
Für die Märkte wird in den kommenden Tagen entscheidend sein, ob die nun aufgenommenen Gespräche zwischen den USA und Iran Bestand haben und zu einer weiteren Deeskalation führen. Die zentrale Frage ist dabei, ob sich die Botschaften aus Washington und Teheran eher in Richtung Stabilisierung oder erneuter Eskalation entwickeln. Wir beobachten die Entwicklung weiterhin aufmerksam.
Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 12:45 Uhr, 23. März, 2026, Basel Zeit)
Der Preis der Rohölsorte Brent ist auf rund 105 USD pro Fass gefallen. Damit hat sich ein Teil des zuvor sehr kräftigen geopolitischen Risikoaufschlags wieder zurückgebildet. Die Entspannungssignale aus Washington haben die Märkte spürbar beruhigt und die Sorge vor einer unmittelbaren Ausweitung des Krieges reduziert.
Der Goldpreis ist auf rund 111 000 CHF pro Kilogramm gefallen. Die Volatilität bei der Preisentwicklung von Gold war seit Ausbruch des Krieges im Nahen Osten sehr hoch. Wir sehen in diesem Rückgang eine kurzfristige Korrektur und halten an unserer taktischen Übergewichtung von Gold fest. Anlegerinnen und Anleger, die bisher keine Diversifikation in Gold aufgebaut hatten, bietet sich gegenwärtig eine Einstiegsmöglichkeit.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI-Index) gewinnt aktuell rund 1.6 %. Der deutsche Aktienindex (DAX) liegt mit über 2.5 % im Plus. Auch für den US-Aktienmarkt zeichnet sich eine deutlich freundlichere Eröffnung ab. Die jüngste Marktbewegung zeigt, wie rasch sich die Stimmung angesichts geopolitischer Schlagzeilen derzeit verändern kann.
Dr. Sandro Merino
Chief Investment Officer
Erfahren Sie aus erster Hand die Einschätzungen unseres Chief Investment Officers, Dr. Sandro Merino, und überprüfen Sie Ihre Anlagestrategie mit Ihrer Kundenberaterin oder Ihrem Kundenberater.
Rechtliche Informationen
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