Im Fokus: Entscheide der Notenbanken vor dem Hintergrund des Irankriegs

Heutige Marktentwicklung

Die negativen Auswirkungen des Irankriegs auf die globale Wirtschaft zeigen sich in den verfügbaren Stimmungsindikatoren. Im Laufe dieser Woche stehen an den Finanzmärkten deshalb neben den weiteren Entwicklungen im Nahen Osten die Entscheide wichtiger Notenbanken im Zentrum des Interesses. 
Heute in CIO-Kommentar von Dr. Stefan Kunzmann

Der Krieg gegen den Iran geht mittlerweile in seine 9. Woche. Zwar gilt nun bereits seit dem 8. April 2026 eine Waffenruhe zwischen den Kriegsparteien, das zentrale Problem für die Weltwirtschaft bleibt aber weiterhin bestehen. Die Strasse von Hormus ist faktisch geschlossen. Die negativen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft zeigen sich zwischenzeitlich in den verfügbaren Stimmungsindikatoren:

  •  So signalisieren die vorläufigen Daten für den Einkaufsmanagerindex der Eurozone nun eine Abschwächung der bereits bisher schon flauen Wirtschaftsdynamik. Dieser FLASH PMI ist auf 48.6 Punkte gesunken und liegt damit unter der kritischen 50-Punkte-Marke. Werte etwas deutlicher über 50 Punkte signalisieren eine Expansion, Werte etwas deutlicher darunter eine Kontraktion der wirtschaftlichen Aktivität. Der Rückgang des Gesamtindex ist dabei auf eine eingetrübte Stimmung im Dienstleistungsbereich (47.4 Punkte) zurückzuführen. Der Index für die Industrie ist dagegen leicht gestiegen (52.2 Punkte). Ein Grund für den eher überraschenden Anstieg ist gemäss Oxford Economics eine Zunahme bei den Lieferfristen. Deren Anstieg signalisiert in «normalen Zeiten» ein Anziehen der Konjunktur. Aktuell dürfte der Grund dagegen ein anderer sein, nämlich Friktionen in den Lieferketten, wie wir sie sehr ausgeprägt während der Coronakrise erlebt haben. Der bessere Indexwert für die Industrie der Eurozone ist somit mit Vorsicht zu geniessen.
  • Aber auch für die US-Wirtschaft gibt es Warnsignale. Der am Freitagnachmittag veröffentlichte finale Wert der Konsumentenstimmung der University of Michigan hat die negative Indikation des vorläufigen Wertes von Mitte April grundsätzlich bestätigt, auch wenn er leicht nach oben angepasst wurde. Die Konsumentenstimmung weist den tiefsten Wert seit Start der Zeitreihe im Januar 1978 auf. Er liegt damit noch unter den Werten während der Finanzkrise, der Coronakrise oder dem Ausbruch des Ukrainekriegs. Wichtig ist in diesem Zusammenhang sicherlich die Tatsache, dass auch in den USA die Inflationsraten seit Ausbruch des Irankriegs gestiegen sind. Im März wurde die Teuerungsrate mit 3.3 % angegeben, also deutlich über dem Wert in der Eurozone von 2.6 % oder in der Schweiz von gerade einmal 0.3 %.

Im Laufe dieser Woche stehen an den Finanzmärkten deshalb neben den weiteren Entwicklungen im Nahen Osten die Entscheide wichtiger Notenbanken im Zentrum des Interesses. Die US-Notenbank startet den Reigen der geldpolitischen Entscheidungen am Mittwochabend, die EZB folgt dann am Donnerstag. Am Markt wird aktuell bei allen Akteuren nicht mit einer Veränderung ihrer Leitzinsen gerechnet. So besteht ein «trade off» zwischen den konjunkturellen Risiken auf der einen und der Inflationsgefahr auf der anderen Seite. Entsprechend dürften an den Märkten insbesondere die Medienmitteilungen mit Spannung erwartet werden, da man sich von diesen eine Indikation für den weiteren geldpolitischen Fahrplan erhofft. Aktuell ist zumindest in den USA für das laufende Jahr keine Leitzinssenkung mehr eingepreist, seitens EZB werden dagegen zwei Zinserhöhungen erwartet, für die SNB schliesst man eine solche mindestens nicht aus.

Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 8.00 Uhr, 27. April 2026, Basel Zeit)

Vor dem Hintergrund der stockenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA wird in Europa und den USA mit einem verhaltenen Start in die neue Handelswoche gerechnet. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass die Ölpreise wieder gestiegen sind. Der Ölpreis der Sorte Brent wird heute Morgen bei über 107 US-Dollar je Barrel gehandelt.

Die Terminbörsen signalisieren sowohl für den Schweizer Aktienmarkt (SMI) wie auch für den deutsche Aktienindex (DAX) und die US-Aktienmärkte eine nur wenig veränderte Börseneröffnung im Vergleich zu den Schlusskursen von Freitag.

Dr. Stefan Kunzmann

Dr. Stefan Kunzmann

Leiter Investment Research

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