Investment Letter 9/26

– Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig
– Inflation und Politik prägen die Anleihemärkt
– Aktienquote wieder neutral

Die Konjunktur zeigt sich robuster als erwartet – trotz geopolitischer Spannungen, höherer Energiepreise und hartnäckiger Inflation. Gleichzeitig bleiben die Finanzmärkte in Bewegung: Die Zinsen steigen, Aktien behaupten sich und Gold profitiert von der Unsicherheit. Chief Investment Officer Sandro Merino ordnet im aktuellen Investment Letter die aktuelle Marktentwicklung ein. 

Heute in Investment Letter von Dr. Sandro Merino

Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig

Die Weltwirtschaft behauptet sich trotz geopolitischer Spannungen und höherer Energiepreise besser als vielfach erwartet. In den USA wurde für das zweite Quartal zwar nur ein unterdurchschnittlicher annualisierter Anstieg des BIP von 1,5 % bestätigt. Der private Konsum legte mit 3,4 % jedoch kräftig zu und bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur. Die Konsumentenstimmung ist weiterhin eingetrübt, ein deutlicher Wachstumseinbruch zeichnet sich bislang aber nicht ab.

Auch in der Eurozone weisen die Stimmungsindikatoren für Industrie und Dienstleistungen nach oben. Die Wirtschaftsleistung lag im zweiten Quartal 1 % überdem Vorjahresniveau. Hohe Gaspreise und die Spannungen im Nahen Osten bremsen, haben die konjunkturelle Erholung bisher aber nicht zum Stillstand gebracht. In der Schweiz ist das KOF-Konjunkturbarometer auf den höchsten Stand seit November 2021 gestiegen, und auch die Einkaufsmanagerindizes liegen im expansiven Bereich. Eine erste Schätzung deutete auf ein aussergewöhnlich starkes BIP-Wachstum im zweiten Quartal hin. Dies wurde mit 1,9 % Wachstum zum Vorquartal jüngst bestätigt. Rund zwei Drittel des Anstiegs entfielen allerdings auf die volatile Pharmaindustrie. Die Zahlen sind deshalb mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren.

Inflation und Politik prägen die Anleihemärkte

Die robuste Konjunktur trifft auf erneut steigende Teuerungsraten. Vor allem höhere Öl- und Gaspreise erschweren den Notenbanken die Rückkehr zu ihren Inflationszielen. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Prognose für den Preis eines Barrels Brent-Rohöl auf 95 US-Dollar erhöht. Fed-Präsident Kevin Warsh unterstrich am Treffen in Jackson Hole, dass die Inflationsbekämpfung weiterhin Priorität hat. Die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung im September ist gestiegen; die nächste US-Inflationszahl wird allerdings erst am 11. September veröffentlicht. Auch bei der EZB rechnen die Finanzmärkte im September mit einer Zinserhöhung. In der Schweiz zog die Teuerung zuletzt ebenfalls an, bleibt im internationalen Vergleich aber tief.

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen stiegen im August weiter. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten zuletzt bei rund 4,7 %, deutsche Bundesanleihen bei 3,3 % und Schweizer Staatsanleihen bei lediglich 0,4 %. Zusätzlich richtet sich der Blick der Märkte auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September. Bei Redaktionsschluss am 4. September war das Ergebnis noch nicht bekannt. Der AfD-Landesverband, den der Landesverfassungsschutz als «gesichert rechtsextremistische Bestrebung» einstuft, lag in den Umfragen mit deutlichem Vorsprung an der Spitze. An den Finanzmärkten werden vor allem mögliche Folgen für die politische Reformfähigkeit, die Gewinnung ausländischer Fachkräfte und die Investitionsbereitschaft diskutiert. An den Anleihemärkten reichen die Szenarien von höheren Risikoprämien für einzelne Bundesländer bis zur Frage, ob zunehmende politische Unsicherheit längerfristig den Stabilitätsvorteil deutscher Bundesanleihen mindern könnte.

Aktienquote wieder neutral

Trotz deutlicher Schwankungen beendeten die meisten internationalen Aktienmärkte den August im Plus. Innerhalb des IT-Sektors übernahmen Softwareunternehmen die Führung von den zuvor besonders starken Halbleitertiteln. Steigende Goldpreise unterstützten Minenaktien, während Energiewerte von höheren Ölpreisen profitierten. Entsprechend gehörten Grundstoffe und Energie zu den stärksten Sektoren. Der defensive Schweizer Aktienmarkt blieb hinter vielen internationalen Märkten zurück. Besonders gut entwickelten sich einzelne Schwellenländer sowie Japan, die USA und die Eurozone. Robuste Konsumausgaben, ein solides wirtschaftliches Momentum und eine weiterhin starke Gewinnentwicklung bilden grundsätzlich eine konstruktive Basis für Aktien.

In der zweiten Augusthälfte haben wir die im Oktober 2025 aufgebaute taktische Position im Gesundheitssektor mit Gewinn verkauft. Der Erlös wurde vorerst als Liquidität gehalten. Damit liegt unsere Aktienquote wieder nahe der strategischen Gewichtung, und wir sind bei Aktien neutral positioniert. Bei indirekten Schweizer Immobilienanlagen bleiben wir trotz der schwachen Augustperformance leicht übergewichtet. Tiefe Leerstände sowie stabile bis steigende Mieten stützen das Segment. Unsere positive Einschätzung von Gold bleibt unverändert.

USA: Wachstum flop, Konsumausgaben top

Für das 2. Quartal 2026 wurde der unterdurchschnittliche Anstieg der Wirtschaftsleistung von 1,5 % (QoQ, annualisiert) bestätigt. Belastet haben dabei der Aussenbeitrag (Exporte abzgl. Importe) und die Veränderung der Lagerbestände. Eine positive Revision erfuhr dagegen der private Verbrauch. Er stieg gemäss zweiter Schätzung um 3,4 % und damit stärker als der langfristige Durchschnitt von rund 3 %. Die Stimmung der Konsumenten bleibt dennoch eingetrübt. Dies gilt sowohl für den Indikator des Conference Board, der sich eher auf Fragen zu Arbeitsmarkt und Beschäftigung abstützt, wie auch für den der University of Michigan (Abb. 1). Letzterer konzentriert sich stärker auf die finanzielle Situation, bspw. auf Auswirkungen von Inflation und hohen Benzinpreisen auf das persönliche Konsumverhalten. An der Prognose für 2026 hat sich trotzdem kaum etwas verändert. Sie verspricht aktuell einen Anstieg des BIP um 2,1 % (Median) im laufenden Jahr.

Abb.1: USA - Konsumentenstimmung

Eurozone: Stimmungsindikatoren ziehen weiter an

Trotz der anhaltenden Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten und den damit verbundenen hohen Gaspreisen in Europa hat sich die Stimmung in der Eurozone weiter verbessert. Insbesondere der Indikator für die Industrie legt seit einigen Monaten kontinuierlich zu, aber auch bei den Dienstleistungen ging es zuletzt erneut nach oben (Abb. 2). Dazu passen die Daten zum Wirtschaftswachstum im 2. Quartal 2026. Das BIP legte gemäss vorläufigen Daten um 1 % (YoY) zu und bewegt sich damit nahe dem langfristigen Durchschnitt. Die Konsensprognose signalisiert für dieses Jahr dennoch nach wie vor einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von nur 0,8 %, für 2027 ist aber eine leichte Beschleunigung auf 1,2 % in Sicht.

Abb.2: Eurozone - Stimmungsindikatoren

Schweiz: Konjunkturindikatoren im Aufwärtstrend

Nachdem sich das KOF-Konjunkturbarometer während über zwei Jahren in einer grösseren Bandbreite per Saldo seitwärts entwickelt hatte, ist es nun nach oben ausgebrochen (Abb. 3). Der Indexstand beträgt 106.7 Punkte. Er liegt damit auf dem höchsten Niveau seit November 2021 und deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Dies signalisiert positive Aussichten für die Schweizer Konjunktur. Gleiches gilt für die beiden Einkaufsmanagerindizes. Sowohl der Index für die Industrie (57.1 Punkte) wie auch jener für die Dienstleistungen (58.3 Punkte) liegen klar im expansiven Bereich.

Abb. 1: Schweiz - KOF-Konjunkturbarometer

Inflation hält die Notenbanken auf Kurs

Die Finanzmärkte wurden im August massgeblich von den Signalen des Notenbanktreffens in Jackson Hole beeinflusst. Dort machte der neue Fed-Präsident Kevin Warsh deutlich, dass die Bekämpfung der Inflation nach wie vor grösste Priorität hat. Mit zuletzt 3,40 % liegt die Inflation weiterhin spürbar über dem langfristigen Zielwert der Fed. An der Zinssitzung Ende Juli hatte die US-Notenbank (Fed) den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 % belassen, wobei die Entscheidung ungewöhnlich knapp ausfiel. Trotz der aktuellen Zinspause rechnen die Finanzmärkte inzwischen wieder mit einer Zinserhöhung an der Sitzung im September.

Die Europäische Zentralbank (EZB) beliess den Leitzins im Juli unverändert bei 2,40 %. Aus den Ende August veröffentlichten Sitzungsprotokollen geht jedoch hervor, dass eine weitere Zinserhöhung notwendig werden könnte, falls sich die Inflationsaussichten nicht deutlich verbessern. Die Inflation im Euroraum lag zuletzt bei 3,3 % und damit weiterhin über dem Zielwert von 2 %. Die Finanzmärkte rechnen deshalb mit einer Zinserhöhung an der Sitzung im September.

Ausblick

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen stiegen im August weiter an. So rentierten 10-jährige US-Staatsanleihen bei rund 4,7 %, während deutsche Bundesanleihen mit rund 3,3 % den höchsten Stand seit rund 15 Jahren erreichten. Schweizer Staatsanleihen rentieren dagegen lediglich bei rund 0,4 % (Abb. 1).

Solange die Inflation in den USA und im Euroraum über den Zielwerten der Notenbanken liegt, dürfte der Spielraum für Zinssenkungen begrenzt bleiben. Kurzfristig spricht dies für ein erhöhtes Zinsniveau und weiterhin attraktive Renditen ausserhalb des Schweizer-Franken- Raums.

Für Anleger bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Eine breite Diversifikation über verschiedene Laufzeiten, Regionen und Anlageklassen bleibt deshalb ein wichtiger Baustein einer robusten Vermögensanlage. An unserer Untergewichtung von CHF-Obligationen halten wir fest.

Abb. 1: Renditen 10-jähriger Staatsanleihen

Schweizer Immobilienmarkt

Immobilienmärkte weiter im Sommerloch – im August gaben sowohl Fonds mit –0,7 % als auch die volatileren Aktien mit –3,4 % nach. Dabei begann der Monat zunächst richtungslos, erreichte zur Monatsmitte ein Tief und erholte sich dann leicht, ohne sich ins Plus zu retten. Auf Jahressicht stehen die Fonds nun bei –1,1 %, während die Aktien immer noch mit 2,6 % im Plus notieren.

Für das restliche Jahr werden bislang neun Kapitalmassnahmen mit einem Volumen von 1.4 Mrd. CHF angezeigt. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre anscheinend ungebrochen fort. Dies zeugt von hoher Nachfrage nach Renditeliegenschaften im Schweizer Immobilienmarkt. Die Entwicklung des Fondsindex SWIIT seit Jahresbeginn zeigt aber auch, dass der Markt dieses Volumen schwerer verdaut.

Fundamental bleibt die Nachfrage nach Wohnraum stabil. Zu beobachten sind steigende Substanzwerte, stabile oder steigende Mieten und tiefe Leerstände. Die Ausschüttungsrenditen der Fonds bleiben stabil bei durchschnittlich 2,3 %. Aufgelder sanken leicht auf knapp 31 %, mit einer Bandbreite von 59 % bis –7 % unter den einzelnen Fonds des SWIIT Index. Wir sind aktuell bei den indirekten Immobilienanlagen leicht übergewichtet.

Überwiegend positive Aktienmarktentwicklung im August

Trotz deutlicher Schwankungen im Monatsverlauf konnten die meisten internationalen Aktienmärkte Ende August eine positive Performance verbuchen. Ein starker Treiber blieb weiterhin der IT-Sektor, in dem Softwareunternehmen die bisherigen Top-Gewinner aus dem Halbleiterbereich hinter sich liessen. Ein dominantes Thema an den Aktienmärkten waren auch steigende Anleiherenditen und Sorgen um die hohen Schuldenstände. Der in diesem Zusammenhang wieder anziehende Goldpreis sorgte für stark steigende Kurse bei Minenaktien, sodass der Grundstoffsektor im August die höchste Performance aufwies. Die mit der Situation im Nahen Osten verbundenen Ölpreisbewegungen führten auch zu einer Outperformance des Energiesektors. Gesundheitstitel zeigten sich in ihrem relativen Performanceverlauf weiterhin als Antipoden zum IT-Sektor, konnten den Markt aber etwas übertreffen. Dagegen waren die defensive Sektoren Versorger, Immobilien und Verbrauchsgüter vergleichsweise schwach (Abb. 1). 

Abb. 1: Relative Sektorperformance im August

MSCI World Sektorindizes versus MSCI World (Absolute Performance MSCI World Gesamtmarkt: +2.5%)

Demzufolge blieb auch der defensive Schweizer Aktienmarkt im internationalen Vergleich zurück, wohingegen die Schwellenländer – mit Südafrika (+11,3 % in CHF) und der Türkei (+7,9 %) dank Minen-Exposure an der Spitze – die Performance der meisten Industrieländer übertrumpften. Auch japanische und US-amerikanische Aktien erwirtschafteten ebenso wie die Aktienmärkte der Eurozone insgesamt eine erfreuliche Monatsperformance (Abb. 2). Ein solides wirtschaftliches Momentum, robuste Konsumausgaben und eine starke Gewinnentwicklung unterstützen die Aktienmärkte.

Abb. 2: Regionale Aktienperformance im August

Net Total Return Indizes in CHF, 31.07.2026=100

Anlagestrategie

In der zweiten Monatshälfte haben wir die Health-Care- Position, die wir im Oktober 2025 aus taktischen Gründen erstmals gekauft hatten, wieder aufgelöst und die erzielten Gewinne realisiert. Der Erlös ging in Cash. Demzufolge liegt unsere Aktienquote nahe der strategischen Quote, wir sind nun bei Aktien neutral positioniert.

Rechtliche Informationen

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Der Investment Letter wurde am 10. August 2026 aktualisiert.

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