Krieg im Nahen Osten – Dilemma für Trump
Seit dem Beginn der US-israelischen Militäroperation «Epic Fury» gegen den Iran am 28. Februar 2026 befinden sich die globalen Finanzmärkte in einem Zustand erhöhter Volatilität. Die Eskalation auf den gesamten Nahen Osten hat innerhalb der ersten Handelswoche einen nur moderaten Rückschlag an den weltweiten Aktienmärkten ausgelöst. Während die US-Aktienmärkte durch ihre heimische Energieproduktion stärker gepuffert bleiben, erleben Europa und insbesondere Asien (Korea, Japan) einen ausgeprägteren Rückschlag.
Der erneute Anstieg der Energiepreise lässt die Aktienkurse heute (9. März) weiter fallen. Mit einem Kursrückgang beim SMI von gegenwärtig rund 9% seit Beginn des Konfliktes (Stand 9. März, 10:06), sind die Verluste im Bereich von früheren Erfahrungswerten während militärischer Eskalationen im Nahen Osten.
Ökonomisch zentral, jedoch schwer zu beantworten, ist die Frage nach der erwarteten Dauer der Militäroperationen. Sollten die Kampfhandlungen in wenigen Wochen nachhaltig enden und die Disruptionen in der Strasse von Hormus begrenzt bleiben, wären die Auswirkungen auf die globale Wirtschaftsdynamik überschaubar. Dauert der Konflikt jedoch intensiver und länger an, steigt das Risiko weltweit spürbarer negativer Auswirkungen auf die Konjunktur. Ein länger anhaltender Anstieg der Energiepreise könnte Inflation und Wachstum negativ treffen.
Die Trump-Administration ist sich dessen bewusst und versucht mit verschiedenen Massnahmen (Versicherungsangebote für die Schifffahrt, Aufhebung der Sanktionen gegen Indien in Bezug auf Ölimporte aus Russland) den durch Krieg ausgelösten Energieschock zu dämpfen.
Für die US-Kongresswahlen im November wäre ein andauernder Krieg mitsamt Inflationsschub politisches Gift für die Republikaner. Es ist daher davon auszugehen, dass D. Trump alles versuchen wird, um den Krieg rasch zu beenden. Sollte sich das iranische Regime trotz der Angriffe behaupten, wäre dies für Trump eine politische Niederlage. Die US-Administration gerät mit jeder Woche, in der der Krieg länger als erwartet andauert, in ein tieferes Dilemma.
Auch in der Europäischen Union werden gegenwärtig Massnahmen erwogen, um die negativen Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise einzudämmen.
Eine Analyse vergangener Konflikte in Nahen Osten seit 1989 (Kuwait Invasion) ergibt, dass die bisherige Reaktion an den Finanzmärkten insgesamt den bekannten Mustern aus der Vergangenheit folgt. Ein Einbruch der US- und Europäischen Aktienindices von rund 10% ab Beginn des Krieges wäre mit der historischen Erfahrung durchaus noch übereinstimmend. Basierend auf der Analyse der Auswirkungen früherer Konflikte erwarten wir, dass solche Korrekturen innerhalb der kommenden 10 bis 20 Tage kompensiert werden sollten.
Frankenstärke und Geldpolitik der SNB
Der Schweizer Franken hat in den vergangen 12 Monaten rund 6 % zum Euro und rund 13 % zum USD aufgewertet. Damit ist der Franken mit EURCHF bei 0.90 und USDCHF bei 0.78 bezüglich seiner Kaufkraft deutlich überbewertet. Dies dämpft den Inflationsdruck in der Schweiz, weil Importe günstiger werden, belastet jedoch den ohnehin durch geopolitische Spannungen und US-Zölle geforderten Schweizer Exportsektor.
Dass die Schweizerische Nationalbank SNB aufgrund dieser Entwicklungen die Zinsen in negatives Gebiet senken könnte, ist nicht ausgeschlossen. Für den kommenden Zinsentscheid der SNB am 19. März ist an den Finanzmärkten bisher keine Senkung des CHF-Leitzinses eingepreist. Dies könnte sich mit einem unerwartet lang andauernden Krieg in Nahen Osten aber durchaus ändern. In unserem Basisszenarios einer begrenzten Dauer des US-Einsatzes erwarten wir aber keine Zinssenkung der SNB in diesem Jahr.
Bereinigt um internationale Sportevents wird für das laufende Jahr für die Schweiz ein reales Wirtschaftswachstum von gut 1 % erwartet. Dies bei stabiler Beschäftigung und sehr tiefer Inflation.
Anlagestrategie und Ausblick
Der Kriegsausbruch hat den positiven Start ins Jahr 2026 neutralisiert. Die seit Jahresbeginn bis zum 5. März erzielten Nettorenditen liegen je nach gewählter Strategie in einer Spanne von -3 % bis +1 %. Wir raten dazu, an der gewählten Anlagestrategie festzuhalten. Die Erfahrung aus früheren Krisen lehrt, in solchen Phasen eine ruhige Hand zu bewahren. Wir beobachten die Situation intensiv und behalten uns kleinere Anpassungen vor. Insbesondere haben wir heute entschieden, bei den Schweizer Aktien ein Re-Balancing durchzuführen und 1 % Aktien Schweiz zuzukaufen. Unser Ziel ist es, in etwa auf der strategischen Quote bei den Schweizer Aktien zu bleiben.
Die bereits vor der Krise getätigte Beimischung von Gold, die begrenzte Fremdwährungsallokation sowie eine vorsichtige taktische Positionierung bei Aktien führten bisher zu einer stabilen Entwicklung der uns anvertrauten Vermögen.
Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 10:35 Uhr, 9. März, 2026, Basel Zeit)
Der Preis der Rohöl Sorte Brent ist aufgrund des Krieges im Nahen Osten auf rund 107 Dollar pro Fass angestiegen, was einem Anstieg seit Anfang Jahr von rund +77 % entspricht. Die Befürchtung, dass zunehmend auch Infrastruktuanlagen für die Produktion und den Transport von Öl und Gas vom Krieg betroffen sein könnten, lässt die Aktienmärkte heute weiter fallen.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI-Index) verliert aktuell etwa 2 %. Ebenso fällt Der deutsche Aktienindex (DAX) um rund 1.75 %. Der US-Aktienmarkt wird an den Terminbörsen rund 1 % tiefer erwartet.
USA: BIP hat im 4. Quartal 2025 enttäuscht
Nachdem die Wachstumsrate des BIP für das 3. Quartal 2025 deutlich positiv überraschen konnte, hat es im 4. Quartal 2025 gemäss der ersten Schätzung die Erwartungen mit einem Plus von nur 1,4 % (QoQ, annualisiert) verfehlt. Die Konsensprognose ging von einem Anstieg um 2,8 % aus. Negativ wirkte in diesem Zusammenhang insbesondere der Shutdown in den Vereinigten Staaten. Positiver entwickelte sich dagegen der private Konsum, der um 2,4 % zulegen konnte und als Stütze für die wirtschaftliche Entwicklung diente. Die Konsumentenstimmung ist zwar weiterhin unter Druck, hat sich aber nicht stärker negativ auf das Ausgabeverhalten ausgewirkt. Erfreuliche Signale kommen aus dem Bereich der Industrie. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex liegt im zweiten Monat in Folge über der kritischen 50-Punkte-Marke und signalisiert damit weiterhin eine Expansion der Wirtschaftsleistung in diesem Bereich für die kommenden drei bis sechs Monate (Abb. 1). Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, dass die Konsensprognose für die US-Wirtschaft nochmals leicht nach oben angepasst wurde. Neu wird mit einem Anstieg des BIP von 2,5 % im Jahr 2026 gerechnet.
Abb. 1: USA – Einkaufsmanagerindex Industrie
Eurozone: Einkaufsmanagerindizes expansiv
Nachdem der Einkaufsmanagerindex für den Bereich der Dienstleistungen bereits seit Längerem über der 50-Punkte-Marke notiert wurde, ist nun auch der Indikator für die Industrie über diese kritische Marke gestiegen. Somit signalisieren die Indikatoren eine leicht expansive Wirtschaftsleistung. Das gilt auch für Deutschland. Positiv wirkt hier die Entwicklung bei den
Auftragseingängen (MoM), die deutlich zulegen konnten. An der Konsensprognose für die Eurozone hat sich aber nichts geändert. Sie verspricht einen Zuwachs des BIP von 1,2 % für 2026. Die Arbeitslosenquote ist weiterhin sehr tief (Abb. 2).
Abb. 2: Eurozone –Arbeitslosenquote
Schweiz: Signale uneinheitlich
Im Gegensatz zur Eurozone ist der Einkaufsmanagerindex der Industrie für die Schweiz im Februar wieder gesunken. Er wird mit 47.4 Punkten angegeben und verharrt damit im kontraktiven Bereich. Der Wert deutet auf eine wenig dynamische konjunkturelle Entwicklung in der Eidgenossenschaft hin. Im Gegensatz dazu konnte sich das KOF-Konjunkturbarometer von seinem langfristigen Durchschnitt etwas nach oben absetzen (Abb. 3). Mit einem Wert von 104.2 signalisiert es gemäss KOF-Institut nun «gefestigte positive Konjunkturaussichten».
Abb. 3: Schweiz – KOF-Konjunkturbarometer
Zentralbanken im Balanceakt
Das Zinsumfeld hat sich grundlegend verändert. Nach der historischen Straffungsphase der Jahre 2022 bis 2024 und den ersten Lockerungsschritten 2025 ist für 2026 kein extremer geldpolitischer Richtungswechsel zu erwarten. Vielmehr steht eine Phase der Feinjustierung bevor. Die vergangenen Zinserhöhungen haben den Märkten Stabilität gebracht. Zentralbanken können ihre Geldpolitik nun vorsichtig an aktuelle Daten, Inflationszahlen und geopolitische Entwicklungen anpassen.
Die jüngsten geopolitischen Spannungen rund um den Iran und die steigenden Ölpreise, die zusätzliche Inflationssorgen erzeugen, erschweren jedoch das Vorgehen der Zentralbanken. Für sie ergibt sich ein Zielkonflikt: Die Federal Reserve (Fed) muss zwischen einer defensiven Marktstimmung und der Gefahr steigender Inflation abwägen. Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor einem ähnlichen Dilemma: Sie muss zwischen Konjunkturstabilisierung und Inflationskontrolle abwägen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) fokussiert sich auf die Stabilität des Frankens und agiert geldpolitisch zurückhaltend, während die Nachfrage nach CHF-Anlagen als Safe-Haven-Währung zunimmt.
Ausblick
Im Februar gaben die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in den USA, Deutschland und der Schweiz vorübergehend nach, da Anleger Sicherheit suchten. Mittelfristig könnten sie jedoch wieder steigen, sollten die Energiepreise hoch bleiben und die Inflation erneut anziehen. Der Kriegsausbruch im Nahen Osten hat bereits zu einem leichten Anstieg der Renditen geführt.
Auch der USD/CHF-Wechselkurs steht im Zeichen der aktuellen Krisendynamik. Der Schweizer Franken profitiert weiterhin von seinem Ruf als sicherer Hafen. Solange die geopolitische und energiebedingte Unsicherheit anhält, dürfte der Franken gestützt bleiben; mittelfristig hängt seine Entwicklung von der Dauer dieser Unsicherheiten ab.
In diesem Umfeld dürfte die Volatilität an den Anleihe und Devisenmärkten erhöht bleiben, da bereits kleine Abweichungen von Inflations- oder Konjunkturdaten spürbare Marktreaktionen auslösen können. Für Investoren sind daher eine flexible Steuerung der Duration sowie eine breitere Diversifikation über Währungen und Laufzeiten hinweg empfehlenswert.
Schweizer Immobilienmarkt
Der Immobilienmarkt folgte im Februar dem Muster aus dem Januar. Die Aktien konnten wie zuvor um rund 7 % zulegen und stehen nun im Jahresverlauf bei erstaunlichen 14,7 %. Dies war der stärkste Monat seit August 2019. Die Fonds stiegen moderat um 0,3 % und liegen seit Jahresbeginn bei etwas über 1 %. Immobilienaktien steigen nun zum sechsten Mal in Folge, die Fonds schafften dies immerhin fünf Mal (Abb. 1).
Abb. 1: Monatliche Immobilienentwicklung in %
Nachdem schon im Jahr 2025 rege Kapital für Immobilienprodukte eingesammelt wurde, scheint sich dieser Trend auch im Jahr 2026 fortzusetzen. Bislang stehen elf Kapitalmarkttransaktionen auf der Liste. Anfang März wechselt beispielsweise mit Mobifonds ein Fonds aus dem nichtnotierten Segment an die SIX. Damit wächst der SWIIT Index um rund 1.2 Mrd. CHF. Der Index wird dann eine Grösse von rund 82.5 Mrd. CHF erreichen.
Fundamental bleibt die Nachfrage nach Wohnraum stabil. Zu beobachten sind steigende Substanzwerte, stabile oder steigende Mieten und tiefe Leerstände. Auch die Ausschüttungsrenditen der Fonds bleiben mit durchschnittlichen 2,3 % auf Indexebene sehr attraktiv. Im Vergleich: Zehnjährige Eidgenossen rentieren 0,26 %. Durch den leichten Preisanstieg der Fonds verharren die Aufgelder durchschnittlich bei 38 %, mit einer Bandbreite von 61 % bis –4 % unter den einzelnen Fonds des SWIIT Index.
Wir sind aktuell bei den indirekten Immobilienanlagen leicht übergewichtet.
Rotation am Aktienmarkt: US-Megacaps nicht gefragt
Während der mit Abstand weltgrösste US-Aktienmarkt trotz guter Geschäftszahlen im Februar Kursverluste hinnehmen musste, war die Entwicklung in anderen Regionen überwiegend freundlich. Grösster Gewinner war wie bereits im Vormonat der koreanische Aktienmarkt, wo gesetzliche Massnahmen zur Stärkung der Rechte von Minderheitsaktionären zu einem Plus von über 50 % seit Jahresbeginn führten. Ebenfalls in Asien profitierten sowohl der japanische als auch der thailändische Aktienmarkt von eindeutigen Mehrheitsverhältnissen nach Neuwahlen. Auch in der Schweiz und in Europa profitierten die Investoren von steigenden Aktienkursen (Abb. 1).
Abb. 1: Regionen – Performanceverlauf im Februar 2026 | Index in CHF, 31.1.2026=100
In den USA notierten die Indexschwergewichte der «Magnificent 7» am Monatsende allesamt niedriger als zu Jahresbeginn. Dominierend war im Februar die Furcht vor den Disruptionen, die die künstliche Intelligenz mit sich bringen könnte. So führten Produkterweiterungen beim Sprachmodell Claude der Firma Anthropic zu einem Ausverkauf bei Softwareunternehmen, auch Kommunikations- und Finanzdienstleister waren schwach. Gefragt waren dagegen Unternehmen mit langlebigen kapitalintensiven Anlagen – überdurchschnittlich entwickelten sich die Sektoren Grundstoffe, Versorger, Energie, Verbrauchsgüter und Industrie. Auch innerhalb des IT-Sektors war die Schere zwischen Softwaredienstleistern und Herstellern von Hardware eklatant (Abb. 2).
Abb. 2: Performanceschere im IT-Sektor; Price Return Index in CHF, 31.12.2025=100
Anlagestrategie
Wir haben Mitte Februar Aktien von klein- und mittelkapitalisierten japanischen Unternehmen zulasten von Cash gekauft. Nach dem Sieg bei den Unterhauswahlen dürfte die japanische Premierministerin Sanae Takaichi ihre Massnahmen zur Entlastung privater Haushalte sowie gezielte Investitionsprogramme für strategische Wachstumssektoren ohne grössere Widerstände umsetzen können. Die beabsichtigte Stärkung der Binnenwirtschaft sollte japanischen Small und Mid Caps zugutekommen, die derzeit mit einem Bewertungsabschlag gegenüber den Large Caps gehandelt werden. Ferner halten wir an unseren Investitionen im Gesundheitssektor fest. Diese Positionen führten dazu, dass unsere Aktienquote Ende Februar 3 % über der strategischen Allokation lag.