Investment Letter 6/26

– Verhandlungen ergebnislos – Widerstand wächst
– Leitzinsen steigen – illiquide Anlagen unter Druck
– Anlagestrategie: Gewinnmitnahme Ende Mai

Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran bleiben ohne greifbaren Durchbruch. Zugleich zeigen neue Angriffe am Golf und die Lage im Libanon, wie fragil die Waffenruhe ist. Damit verlagert sich der Konflikt in eine Phase begrenzter Eskalation mit hohen Fehlerrisiken. An den Märkten rückt das schwierigere Inflations- und Zinsumfeld in den Fokus. Besonders illiquide Anlagen geraten stärker unter Druck, weil Liquidität und Bewertungen neu geprüft werden.

Am 05.06.2026 in Investment Letter von Dr. Sandro Merino

Verhandlungen ergebnislos – Widerstand wächst

Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran laufen seit Wochen, doch ein entscheidender Durchbruch ist weiterhin nicht erkennbar. Teheran spricht offen davon, dass im Verhandlungsprozess bislang keine greifbaren Fortschritte erzielt worden seien. Aus Washington kommen widersprüchliche Signale: Gespräche könnten am ersten Juni-Wochenende stattfinden, vielleicht aber auch nicht. Diese kommunikative Unschärfe hält die Hoffnung auf eine politische Lösung am Leben, schafft aber keine verlässliche Grundlage für Entspannung. Zugleich zeigen die Ereignisse am Golf, dass die Waffenruhe nur formal trägt. Besonders der Angriff auf den internationalen Flughafen von Kuwait mit Toten und zahlreichen Verletzten macht deutlich, dass der Konflikt nicht befriedet ist. Kuwait ist kein unbedeutender Nebenschauplatz, sondern ein enger US-Verbündeter
und Standort amerikanischer Truppen. Damit ist die Lage nicht stabilisiert, sondern in einen instabilen Modus begrenzter Eskalation übergegangen: weniger offene Grosseskalation, aber weiterhin militärische Schläge, Vergeltung und hohe Fehlerrisiken.

Auch die Lage im Libanon spricht gegen eine belastbare regionale Entspannung. Nachdem die von den USA vermittelte Waffenruhe von Hezbollah nicht getragen wurde, forderte die israelische Armee Bewohner mehrerer Orte im Südlibanon auf, ihre Häuser vor neuen Operationen zu verlassen. Washington möchte die US-Iran-Gespräche von der Libanon-Front trennen. Teheran und Hezbollah halten diese Verknüpfung jedoch aufrecht. Gleichzeitig wächst in den USA der politische Widerstand gegen den Krieg. Der Entscheid des Repräsentantenhauses, die militärische Auseinandersetzung mit Iran zu stoppen, beendet die Operationen zwar nicht unmittelbar. Er zeigt aber, dass der innenpolitische Druck auf Präsident Trump zunimmt. Der Kongress kann eine laufende Eskalation kurzfristig nicht beenden, er kann jedoch den politischen Preis weiter erhöhen.

Leitzinsen steigen – illiquide Anlagen unter Druck

Die kommenden Zinsentscheide von EZB und Fed stehen im Zeichen eines schwierigeren Inflationsumfelds. Der Energiepreisschock hat die Hoffnung auf rasche Zinssenkungen verdrängt. In der Eurozone wird für den 11. Juni inzwischen mit einem Zinsschritt gerechnet. Die Fed dürfte am 17. Juni vorsichtig bleiben. Die SNB ist am 18. Juni in einer komfortableren Ausgangslage und dürfte den CHF-Leitzins bei null belassen.

Bei illiquiden Anlagen wie Private Equity und Private Credit erfolgt die Anpassung an die Erwartung höherer USD-Zinsen meist verzögert: Bewertungen werden seltener gestellt, Transaktionen sind weniger transparent, und Refinanzierungsprobleme zeigen sich oft erst mit Verzögerung. Stresssignale lassen aufhorchen: Partners Group musste Rücknahmen bei grossen Evergreen-Fonds begrenzen, nachdem Rückgabewünsche die vertraglichen Quartalslimiten überschritten hatten. Der deutliche Kurseinbruch der Partners-Group-Aktie zeigte, dass Investoren nicht nur Fondsliquidität, sondern auch Bewertungsmodelle, Wachstumsaussichten und Produktstrukturen neu beurteilen. Ähnliche Rückgabebeschränkungen wurden auch bei grossen Private-Credit-Vehikeln dokumentiert. Die öffentlich bekannten Fälle mit erhöhtem Rückgabedruck oder Rücknahmebeschränkungen betreffen inzwischen ein Fondsvolumen von mindestens 200 Mrd. USD. Das ist keine Verlustzahl und kein Beweis für eine unmittelbare systemische Krise, aber ein systemisches Warnsignal.

Damit sehen wir uns in unserer seit einigen Jahren geäusserten Zurückhaltung gegenüber vielen Private-Market-Anlagen bestätigt. Für Privatkunden bleiben geringe Liquidität, intransparente Bewertungen, hohe Kosten, erschwerter Zugang zu den attraktivsten Transaktionen zentrale Nachteile. Was in der Erwartung fallender USD-Zinsen als sichere Renditeperle erschien, wird in einem Umfeld höherer Zinserwartungen stärker auf Liquidität, Transparenz und tatsächliche Risikoprämien geprüft.

Anlagestrategie: Gewinnmitnahme Ende Mai

Wir haben am 26. Mai entschieden, einen Teil der seit Ende März erzielten Aktiengewinne zu realisieren. Der US-Aktienmarkt hat trotz geopolitischer Unsicherheit neue Allzeithochs erreicht. Uns scheint, dass ein erheblicher Teil der Hoffnung auf eine politische Lösung im Irankonflikt bereits in den Kursen eingepreist wurde. Unsere Gewinnmitnahme ist keine Abkehr von einer grundsätzlich konstruktiven Einschätzung für Aktien. Sie ist Ausdruck taktischer Disziplin: Nach der starken Erholung reduzieren wir die Abhängigkeit unserer Strategie von rascher politischer Entspannung und bleiben zugleich flexibel.

Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 9:30 Uhr, 08. Juni 2026, Basel Zeit)

Nachdem am Freitag der US-Technologie Index Nasdaq rund 4% eingebrochen ist, eröffnen die europäischen Börsen heute negativ. Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) verliert derzeit rund 0.7 %. Der deutsche Aktienindex (DAX) liegt rund 1 % im Minus. Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen derzeit eine leicht positive Handelseröffnung.

USA: Hohe Energiepreise drücken auf die Stimmung

Im ersten Quartal 2026 hat das US-BIP nach den jüngst veröffentlichten vorläufigen Daten weniger stark zugelegt als bislang gedacht. Das Plus wurde von 2 % auf 1,6 % (QoQ, annualisiert) nach unten korrigiert. Schwächer als erwartet zeigte sich unter anderem der private Verbrauch, die mit Abstand wichtigste Komponente bei der Berechnung des BIP. Mit einem Anstieg von 1,4 % lag das Ausgaben-Plus der Konsumenten deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von fast 3 %. Die schwächeren Konsumausgaben kommen nicht völlig überraschend. Indikatoren zur Messung der Konsumentenstimmung stehen bereits seit Längerem unter Druck, der Index der University of Michigan hat gemäss vorläufigen Daten im Mai ein neues Tief markiert (Abb. 1). Gestiegene Energiepreise belasten, die Inflation in den USA lag zuletzt bei fast 4 %. Dass sich
der Index des Conference Board stabiler präsentiert, dürfte u. a. mit der bislang guten Verfassung am Arbeitsmarkt zusammenhängen. Im Arbeitsmarktbericht für den Monat April hat die Zahl an neu geschaffenen Stellen erneut positiv überrascht. Ungeachtet der eingetrübten Stimmung unter den Konsumenten bleiben die Prognosen (Median) für die Entwicklung der US-Wirtschaft aber recht stabil. Sie versprechen durchschnittlich einen Anstieg des BIP für 2026 von 2,1 %.

Abb.1: USA - Konsumentenstimmung

Eurozone: Arbeitslosenquote weiter tief

In der Eurozone lastet der Irankrieg weiter auf der Stimmung von Unternehmen. Dabei stehen speziell die Einkaufsmanagerindizes im Dienstleistungsbereich unter Druck. Sie liegen gemäss den vorläufigen Daten teils stärker im kontraktiven Bereich. Auch andere Indikatoren signalisieren für die Eurozone eine eingetrübte Stimmung in diesem Sektor. Überraschend robust zeigen sich die Indikatoren dagegen nach wie vor für den Bereich der Industrie. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Lage stabil. Die Arbeitslosenquote liegt bei tiefen 6,3 % (Abb. 2).

Abb.2: Eurozone - Arbeitslosenquote

Schweiz: Gute Stimmung unter Unternehmen

Im Gegensatz zur Stimmung in Europa signalisieren die entsprechenden Indikatoren für die Schweiz eine deutlichere Expansion der wirtschaftlichen Aktivitäten. Dies gilt für die Industrie und für die Dienstleistungen. Die Schweizer Einkaufsmanagerindizes liegen für den Bereich der Industrie (57.3 Punkte) wie auch für den der Dienstleistungen (56.0 Punkte) nun deutlich im expansivenBereich. Zur Vorsicht mahnt das KOF-Konjunkturbarometer. Es bewegt sich weiterhin leicht unter seinem langfristigen Durchschnitt (Abb. 3). Für das KOF signalisiert dies verhaltene Aussichten für die Schweizer Konjunktur.

Abb. 1: Schweiz - KOF-Konjunkturbarometer

Geldpolitik zwischen Inflations- und Konjunktursorgen

Bei der US-Notenbank (Fed) hat ein Führungswechsel stattgefunden. Mit Kevin Warsh hat ein neuer Vorsitzender die Leitung der Notenbank in einem anspruchsvollen Umfeld übernommen. Dabei steht die Unabhängigkeit der Notenbank verstärkt im Fokus. Gleichzeitig liegt die US-Inflation mit zuletzt 3,8 % weiterhin deutlich über dem langfristigen Zielwert von 2 %. Dazu bleiben die wirtschaftlichen Aussichten unsicher. Der Spielraum für kurzfristige Zinssenkungen erscheint
derzeit begrenzt.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) stehen vor herausfordernden geldpolitischen Entscheidungen. In der Eurozone bleiben die Inflationsrisiken erhöht, während sich das Wirtschaftswachstum weiterhin verhalten zeigt. In der Schweiz verharren die Renditen von Obligationen im historischen Vergleich auf tiefem Niveau. Dies schränkt den geldpolitischen Handlungsspielraum zusätzlich ein. Gleichzeitig bleibt der Schweizer Franken als sicherer Hafen gefragt. Das stärkt die Währung, was für exportorientierte Unternehmen negativ sein kann.

Abb. 1: Monatliche Immobilienrenditen in %

Ausblick

Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in den USA, Deutschland und der Schweiz bewegten sich im Mai insgesamt seitwärts. Gleichzeitig blieb der Schweizer Franken gegenüber dem Euro weitgehend stabil und legte gegenüber dem US-Dollar leicht zu. Die Finanzmärkte gehen derzeit davon aus, dass die Zentralbanken ihren vorsichtigen Kurs vorerst beibehalten. Kurzfristig werden daher nur geringe Veränderungen bei den Leitzinsen erwartet. Für die Eurozone werden am Markt teilweise bis zu zwei Zinserhöhungen im Jahr 2026 eingepreist. Das Zinsumfeld dürfte volatil bleiben, da neue Inflations- und Konjunkturdaten die Markterwartungen rasch verändern können. Vor diesem Hintergrund erachten wir eine breite Diversifikation weiterhin als zentral. Eine ausgewogene Verteilung über verschiedene Laufzeiten, Währungen und Anlageklassen
kann dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und gleichzeitig attraktive Ertragschancen zu nutzen. Angesichts weiterhin unattraktiver Renditen 10-jähriger Schweizer Staatsanleihen halten wir an unserer Untergewichtung von CHF-Obligationen fest.

Schweizer Immobilienmarkt

Wilde Zeiten an den Immobilienmärkten und Goldgräberstimmung aufseiten der Produktanbieter. Im Mai erlebten die Anleger zunächst grosse Preisverwerfungen. Immobilienaktien und Fonds fielen zum Monatsbeginn stark. Dann beruhigte sich der Markt zur Monatsmitte hin und zumindest die Fonds beendeten den Monat noch im Plus. Dazwischen erzielten einzelne Fonds Tagesrenditen, die auch als Jahresrenditen attraktiv wären. Die Fonds stiegen im Mai um 0,9 % und liegen nun aufs Jahr mit 0,3 % knapp im Plus. Immobilienaktien verloren im Mai 3,2 % (Abb. 1), zeigen allerdings seit Jahresanfang einen Zuwachs von 6,8 %, was sogar 1,2 Prozentpunkte über dem breiten Schweizer Aktienmarkt SPI liegt.

Einen grossen Anteil an diesen Schwankungen haben zumindest bei den Fonds die Kapitalmassnahmen, die auch im Mai unverändert anhielten. Der Markt musste 400 Mio. CHF neue Kotierungen, 500 Mio. CHF Kapitalerhöhungen und 400 Mio. CHF bei Anlagestiftungen absorbieren. Und dies bei sehr geringen täglichen Umsätzen. Die Emittenten hingegen können sich weiterhin scheinbar mühelos grosse Kapitalbeträge besorgen.

Fundamental bleibt die Nachfrage nach Wohnraum stabil. Zu beobachten sind steigende Substanzwerte, stabile oder steigende Mieten und tiefe Leerstände.

Die Ausschüttungsrenditen der Fonds hielten sich auf durchschnittlich 2,3 %. Im Vergleich: Zehnjährige Eidgenossen rentieren knapp 0,4 %. Zudem stiegen die Aufgelder auf durchschnittlich 35 %, mit einer Bandbreite von 58 % bis –7 % unter den einzelnen Fonds des SWIIT Index.

Wir sind aktuell bei den indirekten Immobilienanlagen leicht übergewichtet.

Aktienmärkte trotz Irankrieg höher

Trotz weiterhin hohen Energiepreisen und dem Ausbleiben einer Lösung im Irankonflikt blieben im Mai die geopolitischen Sorgen an den Aktienmärkten im Hintergrund. Die Börsen waren vielmehr in Feierlaune. Bekannte lokale Indizes erreichten historische Höchststände. Allen voran in Japan, dort erklomm der Nikkei 225 mit einem Niveau von über 60 000 bislang unerreichte Höhen. Für Frankeninvestoren bedeutet das seit Jahresbeginn ein Plus von 28 %. Auch die amerikanischen Indizes konnten glänzen. Sowohl der S&P 500 als auch der technologielastige NASDAQ 100 übertrafen bisherige Bestmarken. In Franken gerechnet legte der NASDAQ seit Jahresbeginn rund 15 % zu, der S&P 500 immerhin noch 10 %. Sowohl der Schweizer SPI als auch der europäische Eurostoxx konnten diesem Tempo nicht folgen, notieren jedoch trotzdem knapp unter den vergangenen Bestmarken. Im breiten MSCI AC World Index gehörten wie schon im Vormonat Aktien aus Schwellenländern zu den grössten Gewinnern (Abb. 1).

Abb. 1: Regionen – Performanceverlauf im Mai 2026, Net Total Return Index in CHF, 30.04.2026=100

Bei den Sektoren konnte dagegen nur der IT-Sektor den gesamten Index übertreffen. Sektoren wie Materials oder Consumer Discretionary hielten aber mit dem Index Schritt, ohne ihn jedoch zu übertreffen. Auch Health-Care-Aktien zeigten sich vergleichsweise robust. Schwieriger erwies sich die Lage für Investoren in den Bereichen Real Estate und Consumer Staples. Hier schlug die Angst vor steigenden Zinsen etwas stärker zu Buche. Den grössten Rückgang relativ zum Gesamtmarktmussten die Utilities und der Energy-Sektor hinnehmen. Hier wurde die starke Wertzunahme zu Beginn des Jahres korrigiert (Abb. 2).

Abb. 2: Globale Sektoren – relative Performance zum Gesamtmarkt im Mai 2026 (Absolute Performance MSCI World in CHF: +7,0 %)

Anlagestrategie

Aufgrund der guten Entwicklung an den globalen Börsen stieg unsere Übergewichtung bei Aktien auf 5 %. Die anhaltend positive Gewinndynamik gab und gibt dabei den Aktienmärkten Rückenwind. Trotzdem haben wir uns aufgrund des anhaltenden Krieges im Nahen Osten und nach wie vor hoher Bewertungen dazu entschlossen, in der letzten Maiwoche im Bereich Aktien Welt Gewinne zu realisieren. Aktuell sind wir bei Aktien noch gut 2 % übergewichtet, dies zugunsten Schweizer Aktien, japanischer Small & Mid Caps sowie eines globalen Aktienfonds aus dem Gesundheitsbereich.

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Der Investment Letter wurde am 8. Juni 2026 aktualisiert.

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