Investment Letter 7/26

– Aktienindizes im Juni auf neuen Hochs
– Aussichten für Konjunktur intakt
– Keine Leitzinssenkungen mehr eingepreist

Die Aktienmärkte haben sich trotz des Irankrieges deutlich erholt. Ausschlaggebend dafür waren neben der Dynamik rund um KI-Investitionen und soliden Unternehmensgewinnen auch die Einschätzung, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts begrenzt bleiben. Chief Investment Officer Sandro Merino ordnet im aktuellen Investment Letter die aktuelle Marktentwicklung ein.

Heute in Investment Letter von Dr. Sandro Merino

Aktienindizes im Juni auf neuen Hochs

Nach einem turbulenten ersten Halbjahr haben viele Aktienmärkte im Juni neue Höchststände erreicht. Dies gilt auch für die US-amerikanischen Aktienmärkte und den Schweizer Aktienmarkt (SPI). Die absoluten Performancezahlen weisen seit Jahresbeginn aber deutliche Unterschiede auf. Während der technologielastige NASDAQ 100 per 30. Juni 2026 mit einem Plus (YTD) in Schweizer Franken von rund 22 % zu den Gewinnern zählt (Nikkei 225: +34 %, MSCI Emerging Markets: +22 %), weist der SPI mit knapp 10 % eine vergleichsweise moderate Wertentwicklung auf. Dabei ist die Performance des SPI im langfristigen Durchschnitt ein sehr guter Wert, entspricht dieses Plus zur «Halbzeit» des Anlagejahres 2026 doch dem einer überdurchschnittlichen Jahresperformance.

Dabei sah es aufgrund des Irankrieges zwischenzeitlich nicht unbedingt danach aus, dass sich die Börsen – wie nun geschehen – nach oben bewegen. Unterstützung erhielten die Märkte einerseits durch die Diskussionen rund um KI-getriebene Investitionen und die sehr gute Entwicklung der Unternehmensgewinne. Zum anderen sicherlich auch durch die – auch von uns vertretene – Überzeugung, dass der eigentliche Krieg eher von kurzer Dauer sein wird und die negativen Auswirkungen auf die Finanzmärkte in Analogie zu früheren Konflikten entsprechend überschaubar bleiben. Auch wenn zwischen den USA und dem Iran bislang nur ein Rahmenabkommen geschlossen wurde, die Verhandlungen andauern und es immer wieder zu militärischen Zwischenfällen kommt, wurden Stand 30. Juni 2026 unsere entsprechenden Analyseergebnisse bestätigt.

Aussichten für Konjunktur intakt

Neben den historisch beobachtbaren Mustern in Bezug auf die Entwicklung an den Finanzmärkten nach Ausbruch von Kriegen hat auch die grundlegende Resilienz der globalen Konjunktur zu den positiven Ergebnissen an den Börsen geführt. Die Wachstumsprognosen wurden zwar für 2026 nach unten revidiert, die in Bloomberg verfügbare Durchschnittsprognose (Median) hat sich aber nur moderat verringert. Sie liegt mit knapp 3 % auf dem Niveau, welches die Prognostiker Ende 2025 für das laufende Jahr vorhergesagt hatten. Damit signalisieren die Daten für 2026 eine im Vergleich zu den vergangenen 25 Jahren zwar unterdurchschnittliche, aber positive Entwicklung der Weltwirtschaft. Wir sind zudem davon überzeugt, dass aufgrund struktureller Entwicklungen wie der Überalterung der chinesischen Bevölkerung globale Wachstumsraten um 3 % in den kommenden Jahren eher den Normalfall darstellen werden.

Keine Leitzinssenkungen mehr eingepreist

Im Gegensatz zu den Börsen und zur globalen Konjunktur ist der Irankrieg an der Geldpolitik nicht spurlos vorbeigegangen. Der Anstieg der Energiepreise hat sich in der Inflation niedergeschlagen, die Teuerungsraten haben zugelegt. In den USA sind die Konsumentenpreise zwischenzeitlich wieder mehr als 4 % gestiegen, in der Eurozone gut 3 %. Entsprechend haben sich die Erwartungen an die Geldpolitik seit Beginn des Jahres deutlich geändert. Gingen viele Auguren lange Zeit von weiter sinkenden Leitzinsen aus, sind diese zwischenzeitlich vom Tisch. In der Eurozone und den USA ist vielmehr je eine Zinserhöhung eingepreist, nachdem die EZB bereits im Juni ihre Zinsen ein erstes Mal wieder angehoben hat. Mit Abschluss des Rahmenabkommens zwischen dem Iran und den USA sind die Energiepreise jedoch stark gesunken. Kommt es am Ende zu einer umfassenden Einigung zwischen den Kriegsparteien, dann wird sich der jüngst erfolgte Anstieg der Inflationsraten als Strohfeuer erweisen. Die EZB hätte aus Angst vor möglichen Zweitrundeneffekten wohl unnötigerweise die Leitzinsen erhöht.

Aktien weiterhin leicht übergewichtet

Trotz – oder gerade wegen – der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Irankrieg haben wir im ersten Halbjahr einige Anlageentscheide umgesetzt. So haben wir bspw. im März nach dem ersten Ausverkauf an den Börsen Aktien zugekauft und Ende Mai einen Teil der resultierenden Gewinne realisiert. Trotz dieser Gewinnmitnahmen sind wir bei unserer Referenzstrategie Fokus Schweiz Ausgewogen bei Aktien nach wie vor leicht übergewichtet. Schweizer Obligationen erachten wir dagegen mit Renditen von weniger als 0,3 % bei 10-jährigen Eidgenossen als unattraktiv. Entsprechend sind wir bei diesen etwas deutlicher untergewichtet.

USA: Konsumentenstimmung weiter tief

Trotz der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran kam es bislang bei der Stimmung unter den Konsumenten nur zu einer Stabilisierung. Das gilt sowohl für den Index des Conference Board wie auch für jenen der University of Michigan. Insbesondere letzterer bewegt sich weiterhin nahe seinem historischen Tief (Abb. 1). Für eine leicht positive Überraschung sorgten die etwas nach oben revidierten Zahlen für die Entwicklung des US-BIP im ersten Quartal. Das Plus liegt nun mit 2,1 % (QoQ, annualisiert) wieder nahe der zuerst veröffentlichten Schätzung. Unterdurchschnittlich sind aber die Ausgaben der Konsumenten. Hier wird nur ein Anstieg um 0,5 % vermeldet, also deutlich weniger als der langjährige Durchschnitt von 3 %. Einen deutlich positiveren Beitrag lieferten dagegen die Investitionen, die unter anderem von den KI-Ausgaben profitierten. Die Aussichten für die kommenden Quartale sind gemäss der verfügbaren Median-Prognosen ähnlich positiv. Die US-Wirtschaft bewegt sich damit 2026 nahe ihrem durchschnittlichen Wachstumspfad der vergangenen 25 Jahre. Ein überdurchschnittlicher Anstieg des BIP zeichnet sich jedoch nicht ab.  

Abb.1: USA - Konsumentenstimmung

Eurozone: Sinkende Energiepreise stabilisieren

In Europa hat der Irankrieg nicht nur zu steigenden Benzin- und Heizölpreisen geführt. Auch die Gaspreise legten zwischenzeitlich deutlicher zu. Grund hierfür war das durch den Krieg verknappte globale Gasangebot bei gleichzeitig historisch tiefen saisonalen Gasfüllständen in Europa (Abb. 2). Mit dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran hat sich die Lage bei den Energiepreisen deutlich entspannt. Die tieferen Preise spiegeln sich auch in einer Stabilisierung der Stimmungsindikatoren wider. Dies gilt sowohl für die Unternehmen wie auch für die Konsumenten. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist stabil.

Abb.2: Europa – Gasfüllstände
Saisonaler Füllstand der Gasspeicher in % der vollen Kapazität: Europa

Schweiz: Stimmung hat sich aufgehellt

Nachdem im Mai bereits die Schweizer Einkaufsmanagerindizes deutlich im expansiven Bereich notiert wurden, konnte nun auch das KOF-Konjunkturbarometer wieder zulegen. Mit 101.2 Punkten wird es über seinem langfristigen Mittel notiert (Abb. 3). Gemäss KOF signalisiert dies eine deutliche Verbesserung der Aussichten für die Schweizer Konjunktur. Die Schweizer Einkaufsmanagerindizes konnten ihre guten Vormonatswerte zumindest teilweise bestätigen. Sie sind weiter expansiv. Der Index für den Bereich der Industrie wird mit 54.3 Punkten angegeben, der Index für die Dienstleistungen mit 59.8 Punkten.

Abb. 1: Schweiz - KOF-Konjunkturbarometer

Geldpolitik zwischen Inflations- und Konjunktursorgen

Von der ersten Sitzung der US-Notenbank (Fed) unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh wurde viel erwartet. Die Politik wartet auf Zinssenkungen, die Zweifler auf den ersten Schritt aus der Unabhängigkeit der Notenbank und der Markt sah sogar Zinserhöhungen. Gemacht hat die Fed: nichts. Wie schon unter Warshs Vorgänger beliess die Fed den Leitzins unverändert im Band zwischen 3,5 % und 3,75 %. Damit signalisiert die Fed, dass sie die sprunghaft auf mehr als 4 % gestiegene Inflation ernst nimmt. Da Warsh das Preisstabilitätsziel von 2 % nannte, gehen Beobachter sogar von Zinserhöhungen zum Jahresende hin aus.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat diesen Schritt bereits vollzogen. Aufgrund einer Inflation von über 3 % bei einem mittelfristigen Inflationsziel von 2 % hat sie den Satz für die Einlagen der Banken um 0,25 Prozentpunkte auf nunmehr 2,25 % erhöht. Damit ist nach der Bank of Japan eine weitere grosse Zentralbank auf einem Zinserhöhungspfad. Die EZB geht von bis zu drei Zinserhöhungen aus. Sehr komfortabel sieht es dagegen für die Schweizerische Nationalbank (SNB) aus. Die Inflation liegt im unteren Teil des selbst gesteckten Inflationsbands von 0 % bis 2 %. Daher besteht für sie auf der Zinsseite auf absehbare Zeit kein Handlungsbedarf.

Ausblick

Am Zinsmarkt hat sich die Lage bei den 10-jährigen Staatsanleihen nach einem Zinsschub im Mai wieder beruhigt. Lang laufende Obligationen in CHF, EUR und USD verzeichneten Zinsrückgänge und notieren nun ungefähr auf dem Niveau des Jahresbeginns.

Das Zinsumfeld dürfte volatil bleiben, da neue Inflations- und Konjunkturdaten die Markterwartungen rasch verändern können. Vor diesem Hintergrund erachten wir eine breite Diversifikation weiterhin als zentral. Eine ausgewogene Verteilung über verschiedene Laufzeiten, Währungen und Anlageklassen kann dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und gleichzeitig attraktive Ertragschancen zu nutzen.

Angesichts weiterhin unattraktiver Renditen 10-jähriger Schweizer Staatsanleihen halten wir an unserer Untergewichtung von CHF-Obligationen fest.

Abb. 1: Monatliche Immobilienrenditen in %

Schweizer Immobilienmarkt

Immobilienmärkte zeigen in jüngster Vergangenheit monatlich ein ähnliches Muster. In den ersten Tagen des Monats sinken die Märkte, bis dann ab der Monatsmitte eine Erholung einsetzt. Die Fondskurse gingen beinahe um 5 % zurück, konnten dies im weiteren Monatsverlauf aber fast wieder ausgleichen und beendeten den Monat sogar mit einem leichten Plus von 0,5 %. Damit stehen sie im Jahresverlauf bei 0,8 %. Immobilienaktien fielen in der ersten Woche um rund 3,5 %, konsolidierten danach und erzielten im Juni ein Minus von knapp 1 %. Im Jahresverlauf liegen sie damit 5,8 % im Plus (Abb. 1).

In der ersten Jahreshälfte wurden 35 Kapitalmassnahmen verzeichnet. Das damit eingesammelte Volumen zeigt eine ungebrochene Nachfrage nach Renditeliegenschaften im Schweizer Immobilienmarkt. Die bislang erlebten Preisschwankungen am Markt zeigen jedoch auch die Schwierigkeiten, diese Masse zu verarbeiten. Im anstehenden dritten Quartal stehen bislang vier Kapitalerhöhungen fest. Die grösste davon betrifft den Rothschild-Immobilienfonds, der im September ein Volumen von rund 400 Mio. CHF einsammeln möchte.

Fundamental bleibt die Nachfrage nach Wohnraum stabil. Zu beobachten sind steigende Substanzwerte, stabile oder steigende Mieten und tiefe Leerstände. Die Ausschüttungsrenditen der Fonds hielten sich auf durchschnittlichen 2,3 %. Im Vergleich: Zehnjährige Eidgenossen rentieren rund 0,25 %. Zudem stagnierten die Aufgelder auf durchschnittlich 35 %, mit einer Bandbreite von 59 % bis 14 % unter den einzelnen Fonds des SWIIT Index.

Wir sind aktuell bei den indirekten Immobilienanlagen leicht übergewichtet.

Feste Aktienmärkte zum Halbjahresende

Zum Ende eines erfreulichen ersten Halbjahrs zeigte sich die Performance der globalen Aktienmärkte im Juni aus Schweizer Sicht insgesamt robust (Abb. 1). Dieses positive Gesamtbild verdeckt jedoch starke Schwankungen einzelner Marktsegmente im Monatsverlauf und den Einfluss von Währungsaufwertungen gegenüber dem Schweizer Franken.

Bereits zu Monatsbeginn führten gute Arbeitsmarktdaten aus den USA zu Befürchtungen einer restriktiveren US-Geldpolitik. Dies löste Gewinnmitnahmen bei Technologiewerten aus, die zuvor besonders stark gestiegen waren. Zur Monatsmitte sorgte der Börsengang von SpaceX für einen neuen Aufwärtsschwung im Technologiesektor, ehe der neue Fed-Vorsitzende die Erwartungen dämpfte, indem er das Inflationsziel bekräftigte. Zum Monatsende trieb der Fokus auf die Gewinnaussichten das Sentiment für Technologietitel wieder nach oben.

Abb. 1: Regionale Aktienperformance

Seit Monatsbeginn (MTD) und Jahresbeginn (YTD) in Lokalwährung, Währungsentwicklung und in CHF

Während Kommunikationsdienstleister, Energie- und Grundstoffwerte im Juni global die schwächsten Ergebnisse aufwiesen, zeigten Finanztitel über den gesamten Monat hinweg solide Stärke. Die zinssensitiven Aktien aus dem Gesundheitsbereich rückten mit dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran in den Vordergrund. Sie profitierten vom sinkenden Ölpreis, der die Hoffnung auf eine langsamere Inflationsentwicklung und das Ausbleiben von Zinserhöhungen weckte. In den letzten Monaten hat sich die relative Performance des defensiven, moderat bewerteten Gesundheitssektors gegenüber dem Gesamtmarkt ziemlich konträr zu jener der zyklischen, hoch bewerteten Technologieunternehmen entwickelt (Abb. 2). Aktien aus dem Gesundheitsbereich erweisen sich somit als Absicherung gegen Einbrüche des Technologiesektors.

Abb. 2: Health Care und Information Technology

Relative Sektorperformance gegenüber MSCI World NR, kumuliert seit 31.12.2025, in %

Anlagestrategie

Auch nach unseren Gewinnmitnahmen im Mai sind wir bei Aktien weiterhin übergewichtet. Die Aktienallokation unserer Referenzstrategie liegt leicht über der strategischen Quote. Die Übergewichtung besteht zugunsten japanischer Small- und Mid-Cap-Aktien sowie Aktien aus dem Gesundheitssektor. Mitte Juni haben wir zudem die aktive Momentum-Strategie innerhalb der Aktien-Welt-Allokation taktisch höher gewichtet, um von der positiven Dynamik im Zusammenhang mit dem SpaceX-Börsengang zu profitieren.

Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 08:50 Uhr, 06. Juli 2026, Basel Zeit)

Vorbörslich wird der Schweizer Aktienmarkt (SMI) mit gut 0.1 % leicht schwächer notiert. Auch der deutsche Aktienindex (DAX) liegt im Vergleich zum Handelsschluss am Freitag geringfügig im Minus. Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen ein positive Handelseröffnung, nachdem am Freitag die US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen waren.

Rechtliche Informationen

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Der Investment Letter wurde am 6. Juli 2026 aktualisiert.

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