Aktienmärkte steigen weiter
Die Aktienmärkte haben sich im Juli und Anfang August weiter robust gezeigt. Die positive Entwicklung ist dabei breit abgestützt. Der Swiss Performance Index erzielte seit Jahresbeginn bis zum 7. August rund 12,2 %, der S&P 500 15,6 %, der Euro Stoxx 50 15,6 % und der MSCI Europe 14,6 %. Besonders stark blieb Japan mit einem Plus von 22,0 % in CHF. Die Aktienhausse ist damit international und über verschiedene Sektoren hinweg breit abgestützt. Das Thema künstliche Intelligenz dominiert aber die öffentliche Wahrnehmung weiterhin stark.
Der SPI erreichte am 28. Juli erneut ein Allzeithoch. Solche Rekordstände werden oft stark beachtet, sind für sich genommen aber kein verlässliches Timing-Signal. In der von uns ausgewerteten SPI-Zeitreihe seit dem 1. Juni 1987 finden sich bis Anfang August 2026 genau 677 echte neue Schlusskurs-Allzeithochs. Das entspricht knapp 7 % aller Handelstage. Im Durchschnitt erreichte der SPI damit ungefähr alle 14 Handelstage beziehungsweise alle drei Kalenderwochen ein neues Allzeithoch. Das wirkt überraschend, ist in einem langfristig steigenden Aktienmarkt aber normal: Neue Höchststände sind eher Ausdruck eines intakten Aufwärtstrends als ein eigenständiges Kauf- oder Verkaufssignal. Die eigentlich bemerkenswerte Schlagzeile wäre also nicht «SPI auf neuem Allzeithoch», sondern «Seit zwei Jahren kein neues SPI-Allzeithoch». Wir hoffen allerdings, dass wir sie in nächster Zeit nicht lesen müssen.
Die US-Notenbank Fed bleibt schwer lesbar
Die US-Notenbank hat den Leitzins Ende Juli erwartungsgemäss unverändert in einer Spanne von 3,50 % bis 3,75 % belassen. Bemerkenswert war jedoch weniger der Entscheid selbst als die Kommunikation danach. Der Entscheid fiel mit 9 zu 3 Stimmen; drei Mitglieder des Offenmarktausschusses hätten eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bevorzugt. Oxford Economics schrieb, Warshs Mehrdeutigkeit lasse die Märkte an der Entschlossenheit der Fed zweifeln. Man kann dies als geldpolitischen Hamlet-Moment beschreiben: Die Fed weiss, dass die Inflation noch über dem Ziel liegt, will aber zugleich vermeiden, Konjunktur und Märkte durch eine vorschnelle Straffung unnötig zu belasten. Die Datenlage gibt Warsh zumindest vorerst Gründe zum Abwarten. Die Inflationsdaten haben sich zuletzt etwas entspannt, und vom Arbeitsmarkt kommt derzeit kein zusätzlicher Inflationsdruck.
Schweizer Inflation bleibt tief
Die Schweizer Inflationsdaten bestätigen die komfortable geldpolitische Ausgangslage der Schweiz. Die Teuerung lag im Juli nur noch bei 0,4 % gegenüber Vorjahr. Damit bleibt die Inflation klar innerhalb des Bereichs, den die Schweizerische Nationalbank mit Preisstabilität verbindet. Bemerkenswert ist, dass höhere Energiepreise bisher nicht zu einem breiten Inflationsschub geführt haben. Tiefere Preise bei verschiedenen Gütern und Dienstleistungen konnten Belastungen einzelner Energiekomponenten teilweise ausgleichen. Auch der Wachstumsausblick für die Schweiz bleibt verhalten, aber nicht rezessiv. Oxford Economics hat die Prognose für das sportereignisbereinigte Schweizer BIP-Wachstum 2026 leicht auf 0,9 % angehoben und erwartet für 2026 eine durchschnittliche Inflation von nur 0,5 %. Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass die Auswirkungen des Iran-Schocks auf Aktivität und Inflation in der Schweiz bisher begrenzt bleiben. Besonders der Dienstleistungssektor zeigt sich robust.
Für die SNB spricht diese Kombination weiterhin für Geduld. Die Inflation ist tief, der Preisdruck begrenzt und der Wachstumsausblick moderat positiv. Unser Basisszenario bleibt deshalb ein stabiler SNB-Leitzins bei 0 %.
Allokation beibehalten, Chancen selektiv nutzen
In unserer Anlagestrategie halten wir an unserer Positionierung fest. Die durch die positive Marktentwicklung aufgebaute Aktienübergewichtung wurde bereits teilweise reduziert; aktuell bleiben wir bei Aktien nur noch leicht übergewichtet. Breite internationale Diversifikation, Portfolio-Stabilität und disziplinierte Gewinnmitnahmen bleiben zentral, damit das gewählte Risikoprofil eingehalten wird.
Per 31. Juli 2026 erzielten unsere Anlagelösungen Einkommen, Regelbasiert, Ausgewogen und Wachstum seit Jahresbeginn indikativ Nettorenditen von rund 3,8 %, 4,6 %, 6,5 % beziehungsweise 10,1 %. An der taktischen Übergewichtung japanischer Aktien halten wir fest; auch Gold bleibt leicht übergewichtet.
USA: Anstieg des BIP verfehlt Erwartungen
Im zweiten Quartal 2026 hat der Anstieg des US-BIP nach den vorliegenden (vorläufigen) Zahlen die Erwartungen verfehlt. Das Plus des BIP beträgt nach der ersten Schätzung 1,5 % (QoQ, annualisiert). Der Marktkonsens hatte mit 2,0 % gerechnet. Belastet wurde die Wachstumsrate von einem Anstieg der Importe sowie einem Abbau der Lager. Oxford Economics rechnet deshalb damit, dass es sich nur um eine einmalige Wachstumsdelle handelt, die unterdurchschnittliche Zunahme der Wirtschaftsleistung also temporärer Natur ist. Positiv entwickelte sich der private Verbrauch. Dieser legte um über 3 % zu und machte damit den schwachen Beitrag im ersten Quartal (nur +0,5 %) wieder etwas wett. Die Frühindikatoren für die US-Wirtschaft bleiben ebenfalls positiv. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie wird neu mit 55.6 Punkten angegeben und liegt damit deutlich im expansiven Bereich (Abb. 1). Die US-Wirtschaft bewegt sich entsprechend gemäss Median-Prognose (für 2026: +2,2 %) nahe ihrem durchschnittlichen Wachstumspfad der vergangenen 25 Jahre.Abb.1: USA - Einkaufsmanagerindex Industrie
Eurozone: Gaspreise haben wieder angezogen
Nachdem es kurzzeitig zu einer gewissen Entspannung bei den Energiepreisen gekommen war, haben diese im Juli infolge der erneuten Eskalation im Nahen Osten wieder angezogen. Kritisch scheint dabei zunehmend die Entwicklung auf dem europäischen Gasmarkt. So liegt das Tempo der Einspeisung in die deutschen Gasspeicher deutlich unter dem vergangener Jahre. Auch die Gasfüllstände in Deutschland liegen auf einem saisonal sehr tiefen Niveau und deutlich unter dem Stand von 2021 (Abb. 2), also vor dem Ausbruch des Ukrainekriegs. Die Stimmungsindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone zeigen sich davon aber bislang unberührt. Der Einkaufsmanagerindex (Composite) ist auf 52 Punkte gestiegen.
Abb.2: Deutschland – Gasfüllstände
Saisonaler Füllstand der Gasspeicher in % der vollen Kapazität: Deutschland
Schweiz: Konjunkturbarometer erneut aufwärts
Nachdem das KOF Konjunkturbarometer bereits im Juni über seinen langfristigen Durchschnittswert gestiegen war, legte es im Juli weiter zu. Es wird aktuell bei 103.5 Punkten notiert (Abb. 3). Gemäss KOF haben sich damit die verbesserten Aussichten für die Schweizer Konjunktur gefestigt. In das positivere Gesamtbild
passt auch die Nachricht vom Beschäftigungsindikator. Hier haben sich gemäss KOF die Beschäftigungserwartungen verbessert. Die Schweizer Einkaufsmanagerindizes bleiben expansiv. Der Index für den Bereich der Industrie wird mit 53.2 Punkten angegeben, der Index für die Dienstleistungen mit hohen 63.9 Punkten.
Abb. 1: Schweiz - KOF-Konjunkturbarometer
Geldpolitik zwischen Inflations- und Konjunktursorgen
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat bei ihrer jüngsten Zinssitzung im Juli beschlossen, den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 % zu belassen. Dies ist die fünfte Zinspause in Folge. Wer sich unter der Führung des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh eine lockerere Geldpolitik erhofft hatte, wurde bislang enttäuscht. Die Entscheidung im Offenmarktausschuss (FOMC) fiel mit 9 gegen 3 Stimmen uneinig aus. Drei der stimmberechtigten Mitglieder haben aufgrund der anhaltenden Inflationsrisiken sogar für höhere Zinsen gestimmt. Sie bewerten die Inflationsrisiken als deutlich höher als die Risiken am Arbeitsmarkt. Warsh selbst gab keine Hinweise zur zukünftigen Geldpolitik der Fed.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer geldpolitischen Sitzung im Juli beschlossen, den wichtigen Einlagesatz unverändert bei 2,25 % zu belassen. Nach der Zinsanhebung im Juni legt die Notenbank unter Präsidentin Christine Lagarde damit vorerst eine Zinspause ein. Beobachter halten jedoch eine Zinserhöhung im September für wahrscheinlich.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt ihren Leitzins weiterhin bei unveränderten 0,00 %. Ein Grossteil von Bloomberg befragter Ökonomen geht davon aus, dass die SNB die Füsse bis Ende 2027 stillhält.
Ausblick
Am Zinsmarkt zogen die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen der USA und Deutschlands wieder an und liegen nahe dem Jahreshoch. Die Obligationen in CHF haben sich recht stabil gehalten, weisen aber trotzdem eine Rendite nahe 0,4 % aus.
Das Zinsumfeld dürfte volatil bleiben, da neue Inflations- und Konjunkturdaten die Markterwartungen rasch verändern können. Eine ausgewogene Verteilung über verschiedene Laufzeiten, Währungen und Anlageklassen kann dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und gleichzeitig attraktive Ertragschancen zu nutzen.
Angesichts weiterhin unattraktiver Renditen 10-jähriger Schweizer Staatsanleihen halten wir an unserer Untergewichtung von CHF-Obligationen fest.
Schweizer Immobilienmarkt
Immobilienmärkte im Sommerloch – im Juli gab es für die Fonds zum Monatsbeginn einen kleinen Schub nach oben, nur um dann den Rest des Monats lustlos abzubröckeln. Zum Monatsende lagen sie dann 1,2 % im Minus, auf Jahresfrist liegen sie knapp unter der Nulllinie. Immobilienaktien hangelten sich den Monat über seitwärts, mit einem kleinen Impuls zur Monatsmitte. Zum Monatsende waren sie 0,4 % im Plus, aufs Jahr betrachtet bedeutet dies einen Zuwachs von 6,2 % (Abb. 1).
Abb. 1: Monatliche Immobilienrenditen in %
Für das restliche Jahr werden bislang 10 Kapitalmassnahmen mit einem Volumen von 1.5 Mrd. CHF angezeigt. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre scheinbar ungebrochen fort. Dies zeugt von hoher Nachfrage nach Renditeliegenschaften im Schweizer Immobilienmarkt. Die Entwicklung des Fondsindex SWIIT seit Jahresbeginn zeigt aber auch, dass der Markt dieses Volumen schwerer verdaut.
Fundamental bleibt die Nachfrage nach Wohnraum stabil. Zu beobachten sind steigende Substanzwerte, stabile oder steigende Mieten und tiefe Leerstände.
Die Ausschüttungsrenditen der Fonds hielten sich auf durchschnittlichen 2,3 %. Im Vergleich: Zehnjährige Eidgenossen rentieren rund 0,4 %. Aufgelder sanken leicht auf knapp 33 %, mit einer Bandbreite von 58 % bis –11 % unter den einzelnen Fonds des SWIIT Index.
Wir sind aktuell bei den indirekten Immobilienanlagen leicht übergewichtet.
Volatile und gemischte Aktienperformance im Juli
Das Wiederaufleben der Spannungen am Persischen Golf sowie die Volatilität im Bereich des KI-Investmentthemas prägten im Juli die globalen Aktienmärkte.
Während der neuerliche Ölpreisanstieg für Inflationsängste und steigende Obligationenrenditen sorgte, bescherte er Aktien aus dem Energiesektor deutliche Kursgewinne. Auch die Entwicklung von Finanztiteln war in diesem Umfeld weiterhin gut. Dagegen korrigierte der IT-Sektor im Monatsverlauf zunächst stark (Abb. 1).
Abb. 1: Globale Sektorperformance im Juli
MSCI-World-Sektorindizes, Net Total Return in CHF
Zweifel hinsichtlich des KI-getriebenen Investitionsbooms sowie Nachrichten über die chinesische Konkurrenz führten zu Kursrückgängen insbesondere bei den zuvor nach oben geschossenen Halbleiterwerten. Regionale Performanceunterschiede liessen sich überwiegend durch die sektorale Ausprägung der jeweiligen Aktienmärkte begründen. So fanden sich Norwegen (in CHF +11,5 %), Hongkong (+10,9 %), Singapur (+10,4 %) und UK (+5,3 %) aufgrund ihres hohen Energie- und Finanztitelexposures auf den vordersten Plätzen der Juli-Performancerangliste der Industrieländer (+0,5 %). Dagegen bildeten die von IT-Schwergewichten geprägten Aktienmärkte der Niederlande (–9,4 %) und Finnlands (–5,0 %) die Schlusslichter. Ebenso zogen die von der Halbleiterindustrie dominierten koreanischen (–17,1 %) und taiwanesischen (–5,4 %) Aktienmärkte den Schwellenländerindex (–3 %) nach unten. Chinesische Aktien (+9,0 %) wiesen im Gegensatz dazu eine deutlich positive Performance auf. Die MSCI-Aktienindizes für die Schweiz (+0,6 %), die Eurozone (+0,1 %), und die USA (–0,1 %) verzeichneten per Saldo nur geringe Veränderungen gegenüber Ende Juni.
Anfang Juli hat die neue Berichtssaison für die Unternehmensergebnisse im Q2/2026 begonnen. Aus dem amerikanischen S&P 500 Index hatten laut Factset per Ende Juli über 60 % der Unternehmen ihre Zahlen veröffentlicht und die Schätzungen für das Gewinnwachstum auf über 47 % gegenüber dem Vorjahresquartal ansteigen lassen. Besonders starken Gewinnzuwachs verzeichneten die Sektoren Energie, Kommunikationsdienstleister sowie Technologie. Für die folgenden Quartale passen die Analysten ihre Gewinnschätzungen kontinuierlich nach oben an (Abb. 2). Auch in Europa entwickeln sich die Gewinne mit dem Energiesektor an der Spitze erfreulich, wenn auch weniger dynamisch als in den USA.
Abb. 2: S&P-500-Quartalsgewinnprognosen
Entwicklung in USD
Anlagestrategie
Wir halten an unserer leichten Übergewichtung bei den Aktien fest. Angesichts des sehr dynamischen Gewinnwachstums hat sich die im historischen Vergleich hohe Bewertung US-amerikanischer Aktien nicht weiter verteuert. Seit Jahresbeginn haben die KGV-Bewertungen des MSCI USA Index sogar leicht abgenommen.