Klimaschutz in Unternehmen: Der grösste Hebel liegt oft im Kerngeschäft

Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, stellen sich eine zentrale Frage: Wo kann unser Geschäft einen wirklichen Unterschied machen? Der Klima-Award Basel-Stadt 2026 zeigt, wie viel Potenzial im Kerngeschäft steckt – und was andere Unternehmen in der Region Basel daraus lernen können.
Heute in Nachhaltigkeit von Filippo Muscara

Nachhaltigkeit beginnt nicht zwingend auf dem Dach mit einer Solaranlage. Und auch nicht beim Papierverbrauch oder beim nächsten Elektrofahrzeug. Sie kann früher beginnen: bei der Frage, wie ein Unternehmen sein Geld verdient.

Genau dieser Gedanke macht den Klima-Award Basel-Stadt 2026 besonders interessant. Ausgezeichnet wurde die Freie Gemeinschaftsbank Genossenschaft. Ein Basler Finanzinstitut, das Nachhaltigkeit nicht neben das eigentliche Geschäft stellt, sondern mitten hinein. Für Unternehmen jeder Branche steckt darin eine wichtige Erkenntnis: Die wirkungsvollste Massnahme ist nicht immer jene, die den eigenen Fussabdruck am sichtbarsten reduziert. Sie kann dort liegen, wo das Unternehmen den grössten Einfluss auf andere hat.

Nicht nur weniger schaden – mehr ermöglichen

Ein Unternehmen kann seinen Energieverbrauch senken. Es kann Lieferketten überprüfen, Ressourcen sparen oder Emissionen reduzieren. All das ist wichtig. Doch Nachhaltigkeit hat eine zweite Seite: Was kann ein Unternehmen durch sein eigenes Geschäft überhaupt ermöglichen? Bei einem Produktionsbetrieb können es langlebige Produkte sein. Bei einem Bauunternehmen ressourcenschonende Materialien. Bei einem Dienstleister neue Lösungen für seine Kundschaft. Und bei einer Bank die Frage, welche Projekte und Unternehmen durch Finanzierungen ermöglicht werden.

Die Gewinnerin des Klima-Award Basel-Stadt 2026 macht genau das sichtbar. Sie versteht ihre Rolle nicht nur als Finanzdienstleisterin, sondern auch als Vermittlerin zwischen Menschen, Unternehmen und Initiativen. Für die Jury war diese Verbindung von Kerngeschäft, Wirkung und Transparenz entscheidend. Für KMU in Basel und darüber hinaus ist das eine besonders relevante Perspektive. Nachhaltige Transformation muss nicht bedeuten, alles neu zu erfinden.

Nachhaltigkeit kann auch Innovation und neue Geschäftsmöglichkeiten hervorbringen. Genau deshalb betrachtet auch die Basler Kantonalbank Nachhaltigkeit nicht losgelöst vom wirtschaftlichen Handeln.
Entscheidend ist der eigene Hebel: Wo hat ein Unternehmen tatsächlich Einfluss? Dieser Hebel kann in den Produkten liegen, in der Beschaffung, in den Kundenbeziehungen oder in Investitionen und Kooperationen. So kann erreicht werden, dass Nachhaltigkeit nicht einfach nur Kosten verursacht, sondern auch Innovation und neue Geschäftsmöglichkeiten hervorbringt. Genau deshalb betrachtet auch die Basler Kantonalbank Nachhaltigkeit nicht losgelöst vom wirtschaftlichen Handeln. Als Bank ist sie Teil der Transformation der Wirtschaft – unter anderem über die Frage, wie Kapital eingesetzt und welche Entwicklungen damit unterstützt werden. Der Klima-Award Basel-Stadt schafft dafür einen wichtigen Impuls: Er macht Unternehmen sichtbar, die neue Wege gehen, und bringt ihre Erfahrungen in die regionale Wirtschaft ein.
Nachhaltige Veränderungen entstehen selten allein. 

Vom Unternehmen zum Ökosystem

Eine weitere Idee der Gewinnerin geht über das eigene Unternehmen hinaus: das Denken in einem Ökosystem. Das klingt zunächst abstrakt, ist aber sehr praktisch gemeint. Nachhaltige Veränderungen entstehen selten allein. Sie brauchen Kundinnen und Kunden, Lieferanten, Partner, Wissen, Kapital – und manchmal den Mut, Dinge gemeinsam anders zu machen. Für KMU in der Region Basel kann genau darin eine grosse Chance liegen. Nicht jede Lösung muss selbst entwickelt werden. Oft geht es darum, die richtigen Partner zu vernetzen oder eine gute Idee eines anderen Unternehmens aufzugreifen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Aus einzelnen Massnahmen entsteht so ein Netzwerk von Veränderungen. Und damit eine wichtige Erkenntnis: Die eigene Wirkung endet nicht an der Unternehmensgrenze.

Transparenz macht Wirkung sichtbar

Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss darüber sprechen können, was tatsächlich verändert wird. Nicht mit möglichst grossen Versprechen, sondern mit nachvollziehbaren Beispielen. Auch hier setzt die Gewinnerin des Klima-Award Basel-Stadt 2026 einen Akzent. Sie macht ihre Aktivitäten und die dahinterstehenden Projekte sichtbar. Das schafft Orientierung – und zeigt, dass Kapital nicht abstrakt bleibt. Es fliesst in konkrete Vorhaben und kann dort Entwicklungen anstossen. Für andere Unternehmen ist das ein wertvoller Hinweis. Nachhaltigkeit wird glaubwürdiger, wenn sie konkret wird: Was wurde verändert? Warum? Mit welcher Wirkung? Und was lässt sich daraus lernen?

Was Unternehmen daraus mitnehmen können

Der Klima-Award Basel-Stadt zeichnet kein Patentrezept aus. Und das soll er auch nicht. Der grösste Hebel eines Finanzinstituts ist ein anderer als jener eines Produktionsbetriebs oder eines Gewerbeunternehmens. Übertragbar ist deshalb weniger die konkrete Lösung als die Art, über das eigene Geschäft nachzudenken.

Vier Fragen können dabei helfen:

1. Wo entsteht unsere grösste Wirkung?

Nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich und gesellschaftlich.

2. Was können wir über unser Kerngeschäft verändern?

Dort liegt häufig mehr Potenzial als bei einzelnen flankierenden Massnahmen.

3. Mit wem können wir Wirkung verstärken?

Kooperationen können aus einer guten Idee eine skalierbare Lösung machen.

4. Können wir zeigen, was sich dadurch verändert?

Messbarkeit und Transparenz schaffen Glaubwürdigkeit. So wird Nachhaltigkeit von einer zusätzlichen Aufgabe zu einer strategischen Perspektive.

Ein Award, der mehr auszeichnet als eine gute Idee

 

Der Klima-Award Basel-Stadt will nicht einfach Gewinnerinnen und Gewinner küren. Er will zeigen, was möglich ist – und Unternehmen in der Region Basel dazu bringen, über ihre eigenen Möglichkeiten nachzudenken. Genau darin liegt sein Wert. Denn die nachhaltige Entwicklung der Region entscheidet sich nicht allein bei grossen Konzernen. Sie entsteht jeden Tag in den vielen Unternehmen, die über Investitionen, Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle entscheiden. Der entscheidende Schritt muss dabei nicht kompliziert sein. Er beginnt mit einer Frage: Wo liegt unser grösster Hebel?

Interview mit Sarah El Jaddar

Fachspezialistin Nachhaltigkeit bei der Basler Kantonalbank und Mitglied der Jury des Klima-Award Basel-Stadt 2026

Sarah El Jaddar erklärt, was die Freie Gemeinschaftsbank Genossenschaft besonders macht – und weshalb ihr Ansatz auch für andere Unternehmen interessant ist.

Sarah El Jaddar, was hat die Jury bei der Gewinnerin des Klima-Award Basel-Stadt 2026 besonders überzeugt?

Für uns war entscheidend, dass Nachhaltigkeit sehr eng mit dem Kerngeschäft verbunden ist. Die Bank schaut nicht nur darauf, wie sie ihre eigenen Auswirkungen reduzieren kann. Sie beschäftigt sich auch mit der Frage, welche Wirkung sie durch ihre Geschäftstätigkeit ermöglicht. Das ist gerade bei einem Finanzinstitut ein wichtiger Hebel.

Die Gewinnerin spricht von einem «Ökosystem». Was steckt dahinter?

Ein Unternehmen ist nie völlig isoliert. Es ist mit Kundinnen und Kunden, Lieferanten, Partnern und weiteren Akteuren verbunden. Ein Ökosystem bedeutet, diese Beziehungen bewusst zu betrachten und daraus Wirkung entstehen zu lassen. Für eine Bank kann das zum Beispiel bedeuten, Projekte zu finanzieren, Menschen miteinander zu verbinden und sichtbar zu machen, welche Entwicklungen dadurch unterstützt werden.
Es geht nicht nur darum, negative Auswirkungen zu reduzieren, sondern auch darum, positive Entwicklungen zu ermöglichen.

Was unterscheidet diesen Ansatz von klassischen Nachhaltigkeitsmassnahmen?

Klassische Massnahmen setzen häufig beim eigenen Fussabdruck an: weniger Energie, weniger Emissionen, weniger Ressourcenverbrauch. Das ist wichtig. Die weiterführende Frage lautet aber: Wo liegt das Potenzial unseres Kerngeschäfts? Genau diese Perspektive finde ich spannend. Es geht nicht nur darum, negative Auswirkungen zu reduzieren, sondern auch darum, positive Entwicklungen zu ermöglichen.

Ist das für ein KMU überhaupt realistisch?

Absolut. Aber jedes Unternehmen muss seinen eigenen Hebel finden. Ein KMU muss nicht das Modell eines anderen Unternehmens übernehmen. Entscheidend ist die Frage: Wo haben wir den grössten Einfluss? Welche Entscheidungen können tatsächlich etwas verändern? Und wo verbinden sich ökologische Wirkung und wirtschaftliche Chancen?

Welche Rolle spielt dabei die Transparenz?

Eine sehr grosse. Wenn Unternehmen zeigen, was sie konkret tun und welche Wirkung daraus entsteht, wird Nachhaltigkeit nachvollziehbar. Das schafft Vertrauen – und ermöglicht gleichzeitig anderen, aus Erfahrungen zu lernen.
Wenn Nachhaltigkeit mit dem Kerngeschäft verbunden wird, kann daraus etwas entstehen, das weit über eine einzelne Umweltmassnahme hinausgeht.

Was ist Ihr wichtigster Rat an Unternehmen, die beim Thema Nachhaltigkeit noch am Anfang stehen?

Nicht versuchen, alles gleichzeitig zu lösen. Zuerst den eigenen Hebel identifizieren. Ich würde mit drei Fragen beginnen:

  • Wo sind unsere grössten Auswirkungen?
  • Wo haben wir den grössten Einfluss?
  • Und wo entstehen gleichzeitig Chancen für unser Unternehmen?

Wenn Nachhaltigkeit mit dem Kerngeschäft verbunden wird, kann daraus etwas entstehen, das weit über eine einzelne Umweltmassnahme hinausgeht.

Was sollten Unternehmen also vom Klima-Award Basel-Stadt 2026 mitnehmen?

Nicht das konkrete Modell der Gewinnerin. Sondern die Denkweise dahinter. Die Frage ist nicht: «Was macht dieses Unternehmen?» Sondern: «Was können wir mit unserem eigenen Geschäft bewirken?» Genau dort beginnt für mich unternehmerische Nachhaltigkeit.

Filippo Muscara

Vertriebssteuerung kommerzielle Kunden, Basler Kantonalbank

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