Aus einer Immobilie wird ein Ökosystem Die 2020 gegründete Wibrandis Stiftung hat das Oekolampad im November 2020 von der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt erworben. Bereits vor dem Kauf wurde mit einer Testplanung untersucht, wie die vorgesehenen neuen Nutzungen mit dem denkmalgeschützten Gebäude vereinbar sind. Beteiligt waren unter anderem die kantonale Denkmalpflege, das Planungsamt, Architekturbüros, Fachleute und potenzielle Nutzerinnen und Nutzer. Das ist ein entscheidender Punkt des Projekts.
Denn bei einer solchen Transformation geht es nicht einfach darum, Räume neu zu verteilen. Es geht darum, verschiedene Interessen gleichzeitig zusammenzubringen: Denkmalschutz, Architektur, Wirtschaftlichkeit, Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer, Quartierinteressen und langfristige Perspektiven.
Genau darin liegt die unternehmerische Qualität des Projekts. Die Wibrandis Stiftung investierte rund 25 Millionen Franken in Sanierung und Umbau. Äusserlich blieb das Gebäude weitgehend erhalten. Im Innern wurde es so weiterentwickelt, dass verschiedene gemeinnützige Institutionen darin Platz finden konnten. Seit 2024 sind unter anderem AMIE Basel, der Basler Wirrgarten, KALEIO, das Quartierzentrum Oekolampad und das Vorstadttheater Basel im Haus angesiedelt. Ergänzt wird das Angebot durch das Bistro Rosa. Insgesamt stehen rund 3000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Damit ist etwas entstanden, das über eine klassische Immobilienentwicklung hinausgeht. Ein Haus wird zum Ökosystem. Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben und Zielgruppen teilen sich eine Infrastruktur. Das Theater erhält Räume für seine Arbeit. Soziale Institutionen finden ein Zuhause. Das Quartier erhält einen Treffpunkt. Und eine denkmalgeschützte Immobilie bleibt Teil des städtischen Lebens.
Die eigentliche Leistung liegt im Bestand
Für Unternehmen und Verwaltungsräte ist das Oekolampad auch aus einem anderen Grund interessant. Die grosse Herausforderung bestand nicht darin, etwas Neues auf einer grünen Wiese zu bauen. Die Herausforderung bestand darin, mit dem Vorhandenen etwas Neues möglich zu machen. Das verändert die Logik eines Projekts. Wer einen Neubau plant, kann viele Parameter von Anfang an bestimmen. Bei einer Transformation muss man dagegen mit Geschichte, bestehender Bausubstanz, technischen Einschränkungen und regulatorischen Vorgaben umgehen. Beim Oekolampad war deshalb eine besonders sorgfältige Planung gefragt. Die Testplanung vor dem eigentlichen Erwerb schuf frühzeitig Klarheit über die Machbarkeit. Die kantonale Denkmalpflege war von Beginn an eingebunden. Und mit Vécsey Schmidt Architektinnen wurde ein Projekt entwickelt, das die historische Substanz respektiert und gleichzeitig neue Nutzungen ermöglicht. Das Resultat ist bemerkenswert zurückhaltend. Die Architektur von 1931 bleibt erkennbar. Gleichzeitig ist im Innern ein völlig neues Nutzungskonzept entstanden. Ein besonders anschauliches Beispiel ist das Vorstadttheater: In den ehemaligen Gemeindesaal wurde eine eigenständige Theaterbox integriert. Ein neues Element in einem historischen Raum - so konzipiert, dass die Intervention reversibel bleibt. Nicht alles Alte muss verschwinden, damit etwas Neues entstehen kann. Das ist vielleicht eine der interessantesten Erkenntnisse dieses Projekts.Was Unternehmerinnen und Unternehmer daraus lernen können
Das Oekolampad ist zwar ein Stiftungsprojekt. Seine Herausforderungen sind aber vielen KMU vertraut. Ein Unternehmen wächst und braucht neue Räume. Eine Liegenschaft muss saniert werden. Ein Geschäftsmodell verändert sich. Eine Immobilie soll anders genutzt werden. Oder ein Projekt wird grösser als ursprünglich gedacht. In all diesen Situationen reicht eine gute Idee allein nicht aus. Entscheidend ist die Fähigkeit, Idee, Strategie, Finanzierung und Umsetzung zusammenzudenken. Genau hier wird ein Projekt wie das Oekolampad auch für Unternehmerinnen und Unternehmer interessant.
1. Früh klären, was überhaupt möglich ist
Die Wibrandis Stiftung hat nicht erst nach dem Kauf über die Nutzungsmöglichkeiten nachgedacht. Die Testplanung erfolgte bereits im Vorfeld und schuf Planungssicherheit für die Eigentümerin und die Denkmalpflege. Für ein KMU bedeutet das: Je früher die entscheidenden Fragen auf den Tisch kommen, desto grösser ist der Handlungsspielraum. Was soll erreicht werden? Welche Investitionen sind notwendig? Welche Risiken bestehen? Welche Finanzierung ist realistisch? Und welche Variante ist langfristig tragfähig? Gerade bei grösseren Investitionen lohnt es sich, diese Fragen nicht isoliert zu betrachten.
2. Nicht nur die Investition betrachten - sondern den Nutzen
25 Millionen Franken für eine Sanierung sind eine grosse Zahl. Interessant wird sie erst, wenn man betrachtet, was damit ermöglicht wird. Die Investition schafft nicht einfach modernisierte Räume. Sie schafft eine Infrastruktur, die von mehreren Organisationen genutzt wird und damit unterschiedliche gesellschaftliche Leistungen ermöglicht. Das ist ein wichtiger Perspektivenwechsel: Eine Investition sollte nicht nur danach beurteilt werden, was sie kostet. Sondern danach, welchen langfristigen Wert sie schafft. Das gilt für eine Stiftung genauso wie für ein Familienunternehmen, einen Verwaltungsrat oder eine Immobiliengesellschaft.
3. Komplexität braucht Partner
Je grösser ein Projekt wird, desto weniger lässt es sich aus einer einzigen Perspektive steuern. Beim Oekolampad kamen Architektur, Denkmalpflege, Planung, potenzielle Nutzer, Finanzierung und Betrieb zusammen. Das Projekt zeigt deshalb auch: Gute Lösungen entstehen häufig dort, wo unterschiedliche Kompetenzen früh zusammenkommen. Für Unternehmerinnen und Unternehmer ist das eine zentrale Frage bei jeder grösseren Investition: Wer sitzt mit am Tisch, bevor die entscheidenden Weichen gestellt werden?
Wo eine Bank mehr sein kann als ein Kreditgeber
Genau an diesem Punkt beginnt die Rolle einer Bank, die sich als Partnerin von Unternehmen versteht. Die Basler Kantonalbank begleitet KMU in der Nordwestschweiz über unterschiedliche Phasen hinweg - von Gründung und Wachstum bis zur Nachfolge. Dazu gehören neben klassischen Finanzierungen auch Lösungen für Investitionen in Immobilien und Anlagen sowie Beratungsleistungen. Das Entscheidende ist dabei weniger das einzelne Finanzierungsprodukt. Es ist die Fähigkeit, ein Vorhaben als Ganzes zu verstehen. Denn bei einer grösseren Investition stellen sich für Unternehmerinnen und Unternehmer selten nur Finanzierungsfragen. Es geht um Liquidität, Eigenmittel, Tragbarkeit, Sicherheiten, Zeitplan, Risiken und häufig auch um die Frage, wie sich ein Projekt auf das bestehende Unternehmen auswirkt. Eine gute Finanzierung entsteht deshalb nicht erst dann, wenn die Rechnung vorliegt. Sie beginnt früher. Mit dem Gespräch über die Idee. Mit dem Verständnis für das Geschäftsmodell. Und mit der gemeinsamen Frage, welche Lösung langfristig zum Unternehmen passt. Die BKB setzt dabei auf persönliche Beratung und kurze Entscheidungswege. Im KMU-Geschäft verbindet sie ihre regionale Verankerung mit einem breiten Angebot für unterschiedliche Unternehmensphasen.
Das ist gerade bei Projekten mit vielen beweglichen Teilen relevant. Denn Finanzierung ist nicht das Ziel eines Projekts. Sie ist das Instrument, das ein tragfähiges Projekt überhaupt ermöglichen kann.
Ein Gebäude mit einer zweiten Zukunft
Vielleicht liegt darin die eigentliche Geschichte des Oekolampad. Es geht nicht nur um die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes. Es geht um die Frage, wie man mit dem umgeht, was bereits da ist. Wie aus einem früheren kirchlichen Zentrum ein Ort für eine säkulare Stadtgesellschaft werden kann.
Und wie eine Immobilie, die ihre ursprüngliche Funktion verloren hat, eine neue Aufgabe erhält. Das Oekolampad war schon bei seiner Eröffnung mehr als ein Kirchenraum. Es war auch ein Ort des sozialen und gemeinschaftlichen Lebens. Die heutige Nutzung knüpft deshalb auf überraschende Weise an eine alte Idee an: Ein Gebäude wird dann wertvoll, wenn es Menschen zusammenbringt.
Die Wibrandis Stiftung nennt ihren Leitspruch «Aller Anfang ist Begegnung». Das passt zum Oekolampad. Und vielleicht auch zu jedem erfolgreichen unternehmerischen Projekt. Denn am Anfang steht oft nicht das fertige Konzept. Sondern ein Gespräch. Eine Idee. Eine Frage. Und die Bereitschaft, gemeinsam herauszufinden, was daraus werden kann. Das Oekolampad zeigt eindrücklich, was möglich wird, wenn aus einer Immobilie eine Vision wird - und aus der Vision ein langfristig tragfähiges Projekt.
Für Unternehmerinnen und Unternehmer liegt darin eine ermutigende Botschaft: Nicht jede Zukunft beginnt mit etwas Neuem. Manchmal beginnt sie damit, das Bestehende neu zu denken. Und dafür braucht es neben Mut und einer klaren Idee vor allem eines: Partner, die das Projekt verstehen - und den Weg dorthin mitgehen.
Fotos: Basile Bornand
3 Fragen an Tim Helmich, stv. Leiter KMU Basler Kantonalbank
Was muss ein Projekt mitbringen, damit aus einer guten Idee eine langfristig tragfähige Investition wird?
Die Bank ist mehr als nur Geldgeberin. Sie begleitet das KMU als Sparringpartnerin, denkt mit und bleibt über das einzelne Projekt hinaus im regelmässigen Austausch.