Israel trauert und ist für militärische Invasion des Gazastreifens bereit

Heutige Marktentwicklung

Nach den Angriffen der Hamas-Terroristen auf Israel steht die Invasion des Gazastreifens vermutlich unmittelbar bevor. Anlagechef Sandro Merino analysiert das Eskalationspotenzial des Konflikts und blickt auf die Reaktion an den Finanzmärkten.
Am 16.10.2023 in CIO-Kommentar von Dr. Sandro Merino, Leiter Asset Management
Der äusserst brutale und kaltblütig koordinierte Angriff der Hamas-Milizen auf mehr als 20 israelische Dörfer und Siedlungen der am 7. Oktober durchgeführt wurde, hat über Tausend Opfer gefordert. Die Hamas-Terroristen drangen dabei bis über 20 Kilometer in israelisches Staatsgebiet ein. Auch Frauen, alte Menschen und Kinder wurden kaltblütig und unbeschreiblich grausam ermordet. Die erschütternde Aufklärung dieser Ereignisse dauert derzeit noch an. Beim Überfall der Hamas wurden auch mehr als 100 Zivilisten als Geiseln entführt. Über den Zustand und den Aufenthaltsort der Geiseln ist derzeit noch kaum etwas bekannt.

Die israelische Armee ist derzeit an der Grenze zu Gaza in Kampfbereitschaft und könnte schon in den nächsten Stunden oder Tagen eine Invasion des Gazastreifens einleiten. Das Ziel der israelischen Armee ist die umfassende Vernichtung der Hamas-Miliz. Dieses Ziel kann im sehr dicht besiedelten Gebiet nicht ohne zahlreiche und unbeteiligte zivile Opfer erreicht werden. Der Aufruf der israelischen Regierung an die Bevölkerung des nördlichen Teils des Gaza-Gebiets, sich nach Süden zu begeben, hat bereits zu einer Flucht von hunderttausenden Menschen nach Süden ausgelöst. Viele Menschen scheinen aber auch in der nördlich gelegenen Gaza Stadt ausharren zu wollen.

Die nach den Terrorangriffen durch Israel unterbrochene Versorgung mit Wasser, Strom und die Schliessung der Grenzen führt zu einer raschen und dramatischen Verschlechterung der Basisversorgung für die über zwei Millionen Menschen im Gaza-Gebiet. Inwiefern die südliche Grenze des Gazastreifens zu Ägypten als Fluchtweg oder als Kanal für Hilfslieferungen dienen könnte, ist derzeit Gegenstand intensiver Verhandlungen. Es gab auch Berichte, dass Israel die Wasserversorgung, zumindest für den Süden Gazas, wieder aktiviert hat.

Grosses weiteres Eskalationspotenzial

Grosse Sorge macht das regionale Eskalationspotenzial des Konfliktes. Weitere Kreise könnte der Konflikt ziehen, falls die islamistisch-schiitische Hisbollah-Miliz die Angriffe auf Israel aus dem im Norden angrenzenden Libanon massiv verstärken sollte. Auch im Westjordanland (Westbank) könnten Unruhen leicht weiter eskalieren.

Das grösste Eskalationspotenzial stellt aber ein direktes Eingreifen des Irans in den Konflikt dar. Die als Reaktion auf den Konflikt massiv ausgebaute US-Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer gilt der Abschreckung Irans vor einem direkten Eingreifen in den Konflikt. Aber auch ein durch Iran unterstützter Stellvertreter-Krieg, der die durch Iran kontrollierte Hisbollah mobilisieren würde, stellt ein Risiko für die weitere Eskalation des Konfliktes dar. Die intensiven diplomatischen Anstrengungen sind auch auf eine Verhinderung dieser Eskalation ausgerichtet.

Die angekündigte Invasion durch die israelische Armee lässt weit offen, wie die Verwaltung des Gebiets nach vollzogener Entmachtung der Hamas aussehen könnte. Der US-Präsident Joe Biden hat sich gegen eine lang andauernde Besetzung des Gazastreifens durch Israel ausgesprochen. Wie Israel die militärische Operation selbst im Falle einer erfolgreichen Ausschaltung der Hamas beenden wird, bleibt unklar. Die militärische Besetzung des Gazastreifens durch Israel birgt aber das Risiko einer länger als erhofften militärischen Präsenz in einem humanitären Krisengebiet.

Reaktion an den Finanzmärkten

Die Auswirkungen der Hamas-Terrorangriffe auf Israel und das Risiko einer Eskalation des Konfliktes haben an den Finanzmärkten bisher nur zu moderaten Reaktionen geführt. Im Mittelpunkt steht das Risiko eines starken Anstiegs der Ölpreise und die sich daraus ergebenden wirtschaftliche Folgen. Der Ölpreis war vor den Terrorangriffen deutlich gefallen und befindet sich nach dem Anstieg von letzter Woche mit etwa 90 USD/Fass nur noch wenig unter dem Niveau von Ende September. Somit hat sich die Krise bei den Energiepreisen noch nicht stark direkt ausgewirkt.

Entsprechend haben auch die Aktien-, Zins- und Währungsmärkte bisher kaum auf die Krise reagiert. Wir empfehlen keine spezifischen Massnahmen im Rahmen unserer breit diversifizierten Anlagestrategie. Die Erfahrung aus den zahlreichen Krisen in der Region aus den vergangenen Jahrzehnten zeigt, dass es kaum sinnvolle Massnahmen gibt, die in einem stark diversifizierten Portfolio-Kontext umgesetzt werden sollten. Entsprechend haben wir im Rahmen unserer Anlagestrategie keine taktischen Anpassungen vorgenommen. Wir beobachten die weitere Entwicklung der Krise aber aufmerksam.

Unser Mitgefühl gilt allen Opfern der Terrorangriffe und allen unbeteiligten Menschen, die zwischen den Fronten zu Opfern der militärischen Kämpfe werden.

Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 11.45 Uhr, 16.10.2023, Basel Zeit)

Der SMI-Index verliert am heutigen Montag gegenwärtig rund 0.3% nachdem der SMI über die vergangene Woche 0.42% zugelegt hatte. Der deutsche Aktienindex (DAX) verliert ebenfalls rund 0.3% an Wert. Für die US-Aktienbörsen signalisieren die Futures leichte Gewinne im Bereich von +0.25%.
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