Unsicherheiten belasten Konjunktur

Rekordhohe Gaspreise und die Energiekrise führen aktuell weltweit zu vielen Unsicherheiten. Risiken sind derzeit schwer kalkulierbar und Wirtschaftsprognosen mit Vorsicht zu geniessen. Mehr dazu von Anlagechef Dr. Sandro Merino.

Am 06.08.2022 in Fokusthemen von Dr. Sandro Merino

Entgegen den allgemeinen Erwartungen hat die Wirtschaft in der Eurozone auch im zweiten Quartal des laufenden Jahres eine verhältnismässig hohe Wachstumsrate aufgewiesen. Ganz im Gegensatz zu den USA, die sich nach gängiger Lesart aktuell in einer zumindest technischen Rezession befinden (zwei Quartale in Folge mit negativen Wachstumsraten). Auch wenn die Konsensprognosen momentan nicht von einer anhaltenden bzw. tiefen Rezession ausgehen, haben sich die Aussichten für die Konjunktur weiter eingetrübt. Eine Ursache hierfür ist die gedrückte Stimmung unter den Konsumenten. Das Konsumentenvertrauen ist in der Schweiz und in Europa – trotz einer sehr guten Verfassung der Arbeitsmärkte – eingebrochen. Und auch in den USA hat sich die Stimmung stärker eingetrübt.

Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: die Energiekrise mit rekordhohen Gaspreisen und die anhaltenden Unsicherheiten über die weitere Entwicklung sowie der Druck auf die Reallöhne infolge der hohen Teuerungsraten. Die für viele nur schwer kalkulierbaren Risiken und die damit verbundenen Ängste führen dazu, dass Konsumausgaben sinken. Dabei spielt es keine Rolle, dass das Füllen der Gasspeicher bspw. in Deutschland trotz der stark gedrosselten Lieferungen aus Russland bislang nach Plan läuft und die Gasspeicher zu gut 70 % (Stand: 3. August 2022) gefüllt sind. Offen bleibt, wie es im Herbst weitergeht. Solange diese Unsicherheiten bestehen, sind Wirtschaftsprognosen mit Vorsicht zu geniessen und wie immer an Annahmen gekoppelt. Dies gilt auch für unsere Erwartungen an die Konjunktur. Wir gehen nach wie vor von soliden Wachstumsraten in der Schweiz und in Europa aus, wobei für das zweite Halbjahr schwächere Daten zu erwarten sind. Die Risiken für dieses grundsätzlich positive Szenario bleiben aber hoch.

Inflation fordert Notenbanken heraus

Auch die Notenbanken sind sich der konjunkturellen Risiken bewusst. Dennoch führt kaum ein Weg an einer weiteren Erhöhung der Leitzinsen vorbei. Entsprechend besteht die Gefahr, dass sich die Finanzierungskonditionen für Konsumentenkredite, Hypothekendarlehen und Unternehmenskredite weiter verschlechtern. Ziel einer restriktiveren Geldpolitik ist im Normalfall, mittels Leitzinserhöhungen einer Überhitzung der Konjunktur und nachfragebedingt hohen Inflationsraten entgegenzuwirken. Die aktuellen Teuerungsraten sind aber weniger nachfrageseitig zu erklären, sondern haben weiterhin in hohem Masse angebotsseitige Ursachen – beispielsweise gestörte Lieferketten und stark gestiegene Energiepreise. Die Rohstoffe scheinen sich dagegen zukünftig weniger als Erklärung für die hohen Preissteigerungsraten zu eignen. Vielmehr sind die Preise für Kupfer, Aluminium etc. zwischenzeitlich teilweise deutlich unter die Niveaus von vor einem Jahr gesunken.

Die restriktivere Geldpolitik dürfte deshalb momentan in erster Linie darauf abzielen, das Vertrauen in die eigene Währung zu erhalten und die zukünftigen Inflationserwartungen zu dämpfen. Bislang ist das den Notenbanken auch gelungen. Die an den Finanzmärkten eingepreisten Inflationserwartungen liegen deutlich unter den aktuellen Teuerungsraten. Auch die Konsensprognosen der Ökonomen versprechen im kommenden Jahr eine deutliche Beruhigung an der Preisfront. Um dieses Ziel nicht zu gefährden, ist auch in den kommenden Monaten mit weiteren Leitzinserhöhungen von Fed, EZB und SNB zu rechnen. Seitens der Schweizerischen Nationalbank wird für deren Sitzung im September mit einer Erhöhung um 0,5 % gerechnet.

Aktien weiter leicht übergewichtet

Trotz aller Risiken und Unsicherheiten sind wir bei den Aktien in unseren Anlagelösungen und Vermögensverwaltungsmandaten weiterhin leicht übergewichtet. Viele Aktienmärkte liegen nach wie vor deutlich unter den Niveaus zu Beginn des Jahres, es ist also einiges an Unwägbarkeiten in den Kursen eingepreist. Kommt es tatsächlich zu einer stärkeren Rezession, dann ist mit einem nochmaligen Druck auf die Aktienkurse zu rechnen. Zentral hierfür sind sicherlich die weitere Entwicklung der Energiepreise, speziell der Gaspreise, und die Frage der Versorgungssicherheit beim Gas. Für Aktien sprechen dagegen deren faire Bewertungen und die Entwicklung der Unternehmensgewinne, die bspw. für den S&P 500 Index bislang auch für das 2. Quartal 2022 mehrheitlich über den – zugegeben historisch betrachtet eher verhaltenen – Erwartungen liegen.

Dr. Sandro Merino

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Rechtliche Informationen

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