Gold oszilliert, Silber schlägt aus
Die ersten Wochen des neuen Jahres waren durch ausgeprägtes auf und ab an den Finanzmärkten geprägt. Der Schweizer Aktienindex SPI gehört dabei zu den beständigeren Werten und gewinnt seit Anfang Jahr rund 2%. Besser war die Rendite von japanischen Aktien mit 5.5%. Hingegen war die Rendite des US-Tech Index Nasdaq negativ bei -3.75% (alle Angaben sind Renditen in CHF per 6. Februar 2026).
Spektakulärere Bewegungen waren bei Gold und Silber sowie bei Aktien aus dem Software-Sektor zu verzeichnen, insbesondere in den USA. Der Goldpreis stieg Ende Januar auf über 130 000 CHF/kg und fiel kurz danach abrupt bis auf 110 000 CHF/kg. Aktuell hat sich der Goldpreis bei rund 125 000 CHF/kg stabilisiert und liegt damit immer noch rund 12% über dem Preis bei Jahresbeginn. Für Silber waren die Preisbewegungen etwa drei Mal heftiger. Diese Schwankungsanfälligkeit des Silberpreises begründet unsere nur sehr zurückhaltende Beimischung dieses Edelmetalls in unseren Anlagestrategien.
«Claude» schockt den Software-Sektor
Die neue KI-Lösung des Startups Anthropic mit unscheinbarem Namen «Claude Opus 4.6» richtet sich nicht wie ChatGPT auch an Privatpersonen, vielmehr ist sie als Unternehmenslösung konzipiert. Dies schlägt Wellen an den Aktienbörsen und wohl zum ersten Mal kann KI-Disruption live an den Aktienkursen einer ganzen Branche beobachtet werden. Die Aktienkurse von Unternehmen wie SAP, Thomson Reuters, Capgemini oder Reddit haben in wenigen Wochen bis zu 40% an Wert verloren. Der Software-Sektor Teilindex als Komponente des Gesamtindex S&P 500 hat seit Anfang Jahr über 20% verloren. Diese Unternehmen bieten Beratungsdienstleistungen und Software-Lösungen an. Hier setzt die Claude-KI an: Mit der Agenten-KI soll das erledigt werden, was bisher Büroangestellte tun: E-Mails bearbeiten und darin gewünschte Aufgaben durch Erstellung von Word Dokumenten, Tabellenkalkulationen und Präsentationen erledigen. Die Verheissung der Agenten-KI ist, dass ich als Office Mitarbeiter «Claude» mitteilen kann: «Lies und beantworte all meine ungelesenen E-Mails, erstelle eine Aufgabenliste und erledige die darin gewünschten Aufgaben. Falls nötig suche auch in meinen Laufwerken nach Informationen und erstelle auch die erforderlichen Zusatzdokumente.» Insbesondere wäre in der schönen neuen Welt der Agenten-KI die Erstellung dieses Investment Letters mit einer kurzen Anweisung (Prompt) an «Claude» im Nu erledigt. Es drohen aber auch neue Cyberrisiken. Das «Prompt-Hacking» also die externe Einschleusung schädlicher Anweisungen in die Agenten-KI eines Unternehmens wird gegenwärtig intensiv diskutiert. Aber auch «Claude» teilt bloss das mit, was basierend auf Zillionen von Sprachdaten, am wahrscheinlichsten gesagt werden würde. Erste Rechtsfälle gegen KI-gestützte Anwaltskanzleien bahnen sich in den USA an. Der Umstand, dass auch «Claude» zur Erledigung der ihm anvertrauten Aufgaben weiterhin die altbekannten Büro-Software-Anwendungen steuert, löst das Problem der Schwachstellen dieser Systeme nicht.
Am Beispiel des Software-Sektors ist das Disruptionspotenzial von KI erstmals real geworden. Bei einer Marktkapitalisierung des S&P 500 Sektor-Index «Software & Services» von etwa 6600 Milliarden USD könnte di KI «Claude» einen Kursverlust von 20% ausgelöst haben und damit eine Wertvernichtung von rund 1300 Milliarden USD. Inwiefern mehr Branchen Dank KI florieren werden, als dass sie wegen KI disruptiv betroffen werden, ist Gegenstand vieler Debatten. Wir empfehlen einen breit diversifizierten und indexorientierten Ansatz für die Titelselektion im US-Technologie Sektor.
Ausblick
Die üblicherweise am ersten Freitag des Monats veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten werden erst am kommenden Mittwoch verspätet bekanntgegeben. Der Trend am US-Arbeitsmarkt hat sich nach einem Jahr Trump Administration merklich abgekühlt. «No hire – No fire» ist aktuell die Devise im US-Arbeitsmarkt. Die weitere Entwicklung der Stellendynamik ist für den künftigen Pfad der US-Geldpolitik wichtig. Gegenwärtig werden für 2026 nur zwei Zinssenkungen um je 0.25% erwartet. Dies könnte ändern, falls sich der US-Arbeitsmarkt weiter eintrüben würde. Die US-Notenbank Fed käme dann unter Druck mehr Zinssenkungen zu signalisieren und umzusetzen. Der unsicher gewordene Ausblick für die US-Wirtschaft betrifft inzwischen auch den privaten Konsum, wo nur die 20% einkommensstärksten Haushalte die Ausgaben erhöhen, währenddem die grosse Mehrheit eher sparen muss. In Anbetracht der Kongresswahlen im November, könnte die weitere wirtschaftliche Entwicklung sowohl die Finanzmärkte als auch den politischen Erfolg der Republikaner bestimmen.
USA: Konsensprognose des BIP zeigt nach oben
Nachdem die zweite Schätzung die hohe Wachstumsrate des BIP für das 3. Quartal (über 4 %, QoQ, annualisiert) – dank einer guten Entwicklung des privaten Verbrauchs und anhaltender Verzerrungen beim Aussenbeitrag infolge der Importzölle – bestätigt hat, gehen die Auguren für das 4. Quartal 2025 wieder von einer etwas schwächeren Dynamik aus. Für das Jahr 2026 hat dagegen der Optimismus unter den Prognostikern weiter zugenommen. Lag die Konsensprognose Ende Dezember des vergangenen Jahres für 2026 noch bei 2%, wurde diese zwischenzeitlich auf 2,4% angehoben. Unterstützung erhält diese Prognose von dem jüngst veröffentlichten Einkaufsmanagerindex der Industrie. Dieser wird mit 52.6 Punkten angegeben. Der Wert liegt damit erstmals seit einem Jahr wieder über der kritischen 50-Punkte-Marke und signalisiert damit eine Expansion der US-Wirtschaft im Bereich der Industrie. Positiv ist festzuhalten, dass der Subindex der Auftragseingänge auf 57.1 Punkte zulegen konnte. Zur Vorsicht mahnt dagegen die Stimmung unter den Verbrauchern. Das Konsumentenvertrauen des Conference Board hat weiter nachgegeben. Der entsprechende Index ist auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2014
(Abb. 1)
Abb. 1: USA – Konsumentenvertrauen
Eurozone: Stimmungsindikatoren weiter aufwärts
Die Stimmungsindikatoren für die Eurozone (Eurostat) sind – im Gegensatz zum Einkaufsmanagerindex – erneut gestiegen (Abb. 2). Dies gilt für die Industrie wie auch für die Dienstleistungen. Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass die Trendwende geschafft ist. Positiv wirkt sicherlich die niedrige Arbeitslosenquote, die sich mit 6,2% erneut auf dem historischen Tief bewegt. Aber auch die Impulse, die vom deutschen Fiskalpaket über die kommenden Jahre zu erwarten sind, tragen dazu bei. Für das BIP der Eurozone signalisiert die Konsensprognose unverändert einen Zuwachs von 1,2 % für 2026, was in etwa dem längerfristigen Durchschnitt entspricht.
Abb. 2: Eurozone – Stimmungsindikatoren
Schweiz: Konjunkturdynamik bleibt verhalten
In der Schweiz konnte der Einkaufsmanagerindex im Januar wieder zulegen. Mit 48.8 Punkten bleibt er aber leicht im kontraktiven Bereich. Der Wert deutet damit auf eine wenig dynamische konjunkturelle Entwicklung in der Eidgenossenschaft hin. Dieses Bild wird auch vom KOF-Konjunkturbarometer bestätigt. Dieses hat zuletzt wieder leicht nachgegeben und bewegt sich nun sehr nahe am langfristigen Durchschnitt (Abb. 3). An der Konsensprognose hat sich nichts verändert, sie verspricht für die Schweiz nach wie vor ein Wachstum des BIP für 2026 von 1,2 %.
Abb. 3: Schweiz – KOF-Konjunkturbarometer
Fed und EZB halten Leitzinsen stabil
Der Jahresauftakt 2026 bringt von der US-Notenbank Fed keine neuen geldpolitischen Impulse. Die Leitzinsen verbleiben unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75%. Laut Fed-Chef Powell ist die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr robust gewachsen. Am Arbeitsmarkt deuten die verfügbaren Indikatoren darauf hin, dass sich die Lage zuletzt stabilisiert hat. Solange Beschäftigung und Lohnentwicklung robust bleiben, kann sich die Fed eine abwartende Haltung leisten. Eine spürbare konjunkturelle Abschwächung würde jedoch die Prioritäten verschieben – weg von der Inflationsbekämpfung, hin zur Stabilisierung der Wirtschaft. Die Kommunikation der Notenbank zeigt, dass dieser mögliche Wendepunkt aufmerksam beobachtet wird, aktuell jedoch noch nicht als gegeben gilt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Januar den Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert gelassen. Als Hauptgründe nannte sie die sinkende Inflation im Euroraum, die zuletzt bei rund 1,7% lag und damit unter dem Zielwert von 2%. Gleichzeitig zeigt sich die Wirtschaft robust, ist jedoch weiterhin Unsicherheiten wie einer schwachen globalen Nachfrage und geopolitischen Risiken ausgesetzt. Die EZB betonte, dass sie ihre Geldpolitik schrittweise und datenabhängig anpassen werde – künftige Zinsschritte hängen somit direkt von neuen Wirtschaftsdaten und der Inflationsentwicklung ab.
Ausblick
Im Januar 2026 entwickelten sich die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen dies- und jenseits des Atlantiks unterschiedlich. In den USA stiegen die Renditen leicht, im Euroraum blieben sie weitgehend stabil, während die Schweizer Renditen weiterhin sehr niedrig notierten.
Für die kommenden Monate erwarten die Märkte, dass die Renditen in den USA und in Deutschland stabil bis moderat ansteigen, während die Schweizer Renditen tendenziell auf niedrigem Niveau verbleiben.
Wir behalten unsere Untergewichtung bei den Obligationen in Schweizer Franken bei.
Schweizer Immobilienmarkt
Nach dem erfolgreichen Jahr 2025 gönnte sich der Immobilienmarkt keine Verschnaufpause. Im Gegenteil: Immobilienaktien starteten im Januar mit einer Performance von knapp 7% furios ins Jahr. Dies war der stärkste Monat seit August 2019. Fonds hingegen legten moderat um 0,8% zu. Dies ist der vierte Monat in Folge, in dem beide Segmente im Plus landeten, angeführt jeweils von den Aktien (Abb. 1). Im Januar entspricht die Monatsperformance zugleich der Jahresentwicklung.
Mit schon acht angekündigten Kapitalmarkttransaktionen scheint sich auch 2026 ein sehr reges Wachstum anzukündigen. Die Nachfrage seitens der Anleger bleibt robust. Mit dem frischen Geld werden Liegenschaften erworben oder die Schuldenlast reduziert.
Fundamental bleibt die Nachfrage nach Wohnraum stabil. Zu beobachten sind steigende Substanzwerte, stabile oder steigende Mieten und tiefe Leerstände. Auch die Ausschüttungsrenditen der Fonds bleiben mit durchschnittlichen 2,3% auf Indexebene sehr attraktiv. Durch den leichten Preisanstieg der Fonds verharren die Aufgelder durchschnittlich bei 38%, mit einer Bandbreite von 62% bis –2% unter den einzelnen Fonds des SWIIT Index.
Wir sind aktuell bei den indirekten Immobilienanlagenleicht übergewichtet.
Abb. 1: Schweizer Immobilienmarkt in %
Überwiegend solider Start ins neue Aktienjahr
Die globalen Aktienmärkte sind zunächst meist solide ins neue Jahr gestartet, ehe der Risikopegel aufgrund der amerikanischen Anmassungen bezüglich Grönland
samt Zollandrohungen gegen Europa, der Ermittlungen gegen den amerikanischen Notenbankpräsidenten und der Unruhen im Iran anstieg. Während die damit einhergehenden Kursrückgänge an den Aktienmärkten vornehmlich vorübergehender Natur waren, sorgte ein Anstieg des Schweizer Frankens für eine Performanceminderung aus Sicht von Schweizer Investoren. Demzufolge beendete der US-Aktienmarkt den Januar in CHF im Minus, während Schwellenländer- und japanische Aktien deutlich zulegen konnten (Abb. 1).
Abb. 1: Regionen – Performanceverlauf im Januar 2026 | Index in CHF, 31.12.2025=100
Auf Sektorenebene (Abb. 2) profitierten Anfang Januar zunächst amerikanische Energie-Unternehmen von den Ereignissen in Venezuela und im weiteren Monatsverlauf der Energiesektor global vom Ölpreisanstieg. Der Grundstoffsektor setzte seinen guten Lauf fort, der von Minen- und Metallunternehmen getrieben wurde. Die im Januar überdurchschnittliche Performance des Industriesektors war auch für das gute Abschneiden der Indizes für klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen sowie des japanischen Aktienmarkts (s.o.) verantwortlich, bei denen Industrieunternehmen jeweils das höchste Sektorengewicht stellen. Schwächster Sektor war aufgrund der verhaltenen Performance der amerikanischen Indexschwergewichte der globale IT-Sektor, wo die Investoren sich über die Profitabilität der hohen KI-Investitionen, etwa bei Microsoft, sorgten. Im Bereich diskretionärer Konsumgüter kamen insbesondere die hoch bewerteten Anbieter von Luxusgütern unter Druck, so auch trotz guter Quartalsergebnisse die Aktie von Richemont.
Die Berichtssaison für die Geschäftszahlen Q4/2025 hat im Januar begonnen. Zum Monatsende hatte ein Drittel der Unternehmen des S&P 500 die Ergebnisse veröffentlicht. 75% davon haben hinsichtlich ihrer Gewinnzahlen positiv überraschen können, sodass Factset den Gewinnanstieg gegenüber dem Vorjahresquartal nun bei fast 12% sieht. Weiter angestiegen ist auch die Gewinnmarge der Unternehmen, die sich mit 13,1% auf einem historisch ausserordentlich hohen Niveau befindet.
Abb. 2: Globale Sektoren – relative Performance zum Gesamtmarkt im Januar 2026, in % (Absolute Performance MSCI World in CHF: –0,5%)
Anlagestrategie
Per Ende Januar waren wir bei den Aktien gut 1,5% übergewichtet. Trotz hoher Bewertungen bieten die positive Dynamik der Unternehmensgewinne sowie das vorteilhafte Zinsumfeld Unterstützung für die Aktienmärkte.
Heutige Marktentwicklung (Stand ca. 10.15 Uhr, 09. Februar 2026, Basel Zeit)
Der Schweizer SMI-Index eröffnet mit einem leichten Plus von etwa 0.2%, während der rund Dax 0.4% gewinnt. Der US-Aktienmarkt eröffnet gemäss Entwicklung an den Terminbörsen wenig verändert. In Japan führt der ausserordentlich klare Sieg der LDP-Partei von Premier Ministerin Sanae Takaichi bei den Parlamentswahlen zu einer Kursrally beim japanischen Nikkei Aktienindex. Dieser steigt heute um fast 4%.