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BKB-Anlegermagazin „Chancen“: Ist der globale Wirtschaftsboom schuldenfinanziert?

Zehn Jahre nach der Finanzkrise scheint der Optimismus an den Aktienbörsen zurückgekehrt zu sein. Neue tiefer liegende Risse könnten jedoch zur Gefahr werden, beschreibt Sandro Merino, Chief Investment Officer der Basler Kantonalbank, im neuen Anlegermagazin „Chancen“ die aktuellen Aussichten für Anleger.

01.02.2018

1. Februar 2018

BKB-Anlegermagazin „Chancen“: Ist der globale Wirtschaftsboom schuldenfinanziert?

Zehn Jahre nach der Finanzkrise scheint der Optimismus an den Aktienbörsen zurückgekehrt zu sein. Neue tiefer liegende Risse könnten jedoch zur Gefahr werden, beschreibt Sandro Merino, Chief Investment Officer der Basler Kantonalbank, im neuen Anlegermagazin „Chancen“ die aktuellen Aussichten für Anleger.

Es gibt zwar gute Gründe, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Jedoch hat die Bewältigung der Finanzkrise in vielen Staatshaushalten tiefe strukturelle Spuren hinterlassen. Naiver Optimismus ist also unangebracht: Das Ungleichgewicht zwischen Gläubiger- und Schuldner-Ländern hat sich in den letzten zehn Jahren stark ausgeweitet. Sowohl global, aber auch innerhalb der Eurozone bauen sich systemische Risiken stetig auf. Die Schweiz ist bezüglich Staatsverschuldung und Nettoauslandsvermögen in einer recht komfortablen Position (s. angehängte Grafik). Hingegen sind Länder wie Italien oder Spanien zur Finanzierung ihrer hohen Staatsverschuldung auf Investoren aus dem Ausland angewiesen.


Deutsche Bundesbank finanziert deutschen Exportboom

In der Eurozone ist Exportweltmeister Deutschland in eine systemische Haftung von ca. 850 Milliarden Euro geraten. Dies, weil die Staatsverschuldung in Italien und Spanien über die sogenannten TARGET 2 Saldi der Deutschen Bundesbank bei der EZB finanziert wird. Damit bietet die Deutsche Bundesbank italienischen und spanischen Käufern deutscher Produkte indirekt eine Kreditfinanzierung; die boomende Deutsche Wirtschaft kann weiter in das stark verschuldete Italien und Spanien exportieren. Sandro Merino: „Würde man die Situation karikieren, bestünde die deutsche Wirtschaft aus einem Autoexporteur und einer Bank: Autos werden nach Italien und Spanien exportiert, wo sich die Käufer den Kredit von der Bank in Deutschland zinslos beschaffen. Dass dies ein riskantes und wenig nachhaltiges Geschäftsmodell ist, versteht selbst der ökonomische Laie.“ Wenig überraschend befindet sich der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands auf einem Allzeithoch von ca. 10%. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte 2011 bei einem Überschuss von 5% bereits vor den Risiken dieser Entwicklung gewarnt – inzwischen hat sich das Ungleichgewicht verdoppelt.  


Chinas Überschüsse finanzieren amerikanischen Konsum auf „Pump“

Auch die gegenwärtige wirtschaftliche Expansion in den USA ist stark schuldenfinanziert. Die von Trump durchgesetzten Steuersenkungen verstärken den Trend eines kräftigen Konsums in den USA. Dieser ist aber immer mehr von der Finanzierung durch China und Japan abhängig. Auch im pazifischen Raum wird somit das Ungleichgewicht zwischen Gläubigern und Schuldnern immer grösser. Trumps Ruf nach Protektionismus folgen jedoch keine konsequenten Massnahmen – zu sehr haben sich amerikanische Konsumenten an billige Importe aus China gewöhnt.
 

Im aktuellen Magazin wird unter dem Titel „Anlegen heute – 10 Jahre nach der Finanzkrise“ eine Standortbestimmung versucht, in der auch die latent vorhandenen systemischen Risiken direkt angesprochen werden. Die Finanzkrise scheint zehn Jahre nach deren Ausbruch auf den ersten Blick überwunden. Neue tiefer liegende Risse könnten jedoch zur Gefahr werden. Das Magazin „Chancen“ ist im Internet verfügbar.

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