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Zinsen, Währungen und Immobilienmarkt - September 2020

Fed-Chef Powell hat die geldpolitischen Strategie überprüft. Das Ergebnis: Ab jetzt ist die 2%-Marke kein Fixziel, sondern ein Durchschnittsziel. In Aufschwungphasen nimmt das Fed künftig also eine Überschreitung der 2%-Marke in Kauf. Mehr zu Zinsen, Währungen und Immobilien erfahren Sie jetzt von BKB-CIO Dr. Sandro Merino. 

Am 07.09.2020 in Zinsen, Währungen und Immobilienmarkt von Dr. Sandro Merino

Fed: Geldpolitischer Strategiewechsel im Fokus

Im Rahmen des alljährlichen Jackson-Hole-Symposiums präsentierte Fed-Chef Powell die Ergebnisse der Überprüfung der geldpolitischen Strategie. Seit geraumer Zeit gelingt es der US-Notenbank (Fed) kaum noch, die anvisierte Inflationsrate von 2 % zu erreichen (Abb. 1). Künftig soll deshalb die 2 %-Marke ein Durchschnittsziel und kein Fixziel mehr sein. Demzufolge will das Fed in Zukunft in wirtschaftlichen Aufschwungsphasen eine Überschreitung des 2 %-Ziels in Kauf nehmen, um Unterschreitungen in wirtschaftlichen Schwächephasen abzufedern. Gleichzeitig betonte Powell jedoch, dass nur ein moderates Überschreiten des bisherigen Zielwerts toleriert wird. Am langfristigen 2 %-Ziel soll grundsätzlich festgehalten werden. Das Fed reagierte damit auf das häufige Verfehlen ihres Inflationsziels in den vergangenen Jahren. Eine auf Dauer zu tiefe Inflation könnte aus ihrer Sicht die Wirtschaft ernsthaft gefährden. Es stellt sich allerdings die Frage, wie dem Fed ein Überschiessen der Inflation gelingen soll. Die Zinsen der US-Staatsanleihen sind schon nahe null und das Anleihekaufprogramm ist bereits extrem grosszügig. Die Möglichkeiten einer zusätzlichen geldpolitischen Lockerung ohne tief negative Zinsen sind begrenzt. Es bleibt aber abzuwarten, wie das Fed auf eine anziehende Inflation reagieren wird.

Abb. 1: US-Inflation in %

Quelle: BKB, Bloomberg

Ausblick

Die Veröffentlichung der überarbeiteten Inflationsstrategie durch das Fed wurde am Markt als starkes Zeichen für eine ungebrochen lockere Geldpolitik gewertet. Als Folge haben vor allem Anleihen mit längeren Laufzeiten bei den Anlegern an Attraktivität eingebüsst. So sanken denn zunächst auch die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen der USA, Deutschlands und der Schweiz. Kurzfristig könnten die Renditen 10-jähriger Anleihen wegen der anhaltenden Unsicherheit bezüglich der Coronapandemie erneut sinken. Mittelfristig rechnen wir bei einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung mit einem eher zögerlichen und schwachen Wiederanstieg der Rendite.

Schweizer Immobilienmarkt

Im August waren die Tendenzen am Schweizer Immobilienmarkt in den Sektoren gemischt, jedoch verhalten positiv in der Grundausrichtung. So konnten Immobilienaktien Terrain zurückgewinnen und stiegen im August um 1,8 %. Immobilienfonds verharrten hingegen auf der Stelle, fielen aber gegen Ende Monat um 1,3 %. Seit Jahresbeginn zeigen Immobilienaktien einen Verlust von 11,6 %, während sich die Immobilienfonds mit einem Verlust von 1,2 % deutlich besser schlugen. Die Entwicklung seit 2019 verdeutlicht den unterschiedlichen Charakter der beiden Investmentgruppen. Grundsätzlich dienen Immobilien alsein stabilisierender Baustein im Portfolio. Allerdings verhalten sich Immobilienaktien deutlich volatiler als Immobilienfonds. Der Grund, warum Immobilien stabilisierend wirken, liegt in der langfristigen Ausrichtung der beiden Treiber für deren Wertentwicklung: Mieteinnahmen und die Entwicklung des Diskontsatzes zur Immobilienbewertung. Die Mieteinnahmen haben sich bislang als sehr stabil erwiesen. Aufgrund der lockeren Geldpolitik sind derzeit keine Zinserhöhungen zu erwarten. Dies nimmt Druck von den Bewertungsrisiken. Die Aufgelder haben sich im August in der Breite wenig verändert. Lediglich einzelne Produkte zeigen sektorspezifische Auffälligkeiten. Die Agios liegen jedoch noch immer deutlich unter den Werten, die Investoren zum Jahresbeginn bereit waren zu bezahlen. Positive Faktoren für den Immobilienmarkt bleiben die hohe Nachfrage, attraktive Ausschüttungsrenditen und der Ruf, eine krisenfeste Anlageklasse zu sein. Wir halten an unserer neutralen Gewichtung von 5 % im Segment der indirekten Immobilienanlagen fest.

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Dr. Sandro Merino

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Rechtliche Informationen

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