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Guet Nacht! Was uns im Schlaf bewegt

Obwohl wir jede Nacht träumen, erinnern wir uns nicht immer daran. Dabei können spannende Botschaften in unseren Träumen stecken.
Am 24.08.2021 in Von Basel. Für Basel.

Die einen machen Yoga, andere brauchen einen starken Kaffee – der deutsche Traumforscher Michael Schredl hingegen hat ein ganz anderes Morgenritual. Seit über 30 Jahren schreibt er täglich auf, was er geträumt hat. «Mich interessieren dabei vor allem die emotionalen und sozialen Inhalte, weniger, welche Farben der Traum hatte oder wie es gerochen hat.» Mittlerweile hat er über 15 000 Träume protokolliert und ist fasziniert, was er alles zu träumen vermag.

«Für mich sind Träume Abbilder des Tages respektive des Wachzustandes, die wir in der Nacht in einer kreativen, teils dramatisierten Form weiterspinnen. Der Traum gibt für mich die Grundthemen des Lebens wieder.» Diese Art Gedächtniskonsolidierung, die in der Nacht stattfinden würde, sei lebenswichtig. «Wie das Herz arbeitet auch das Gehirn während des Schlafs. Eindrücke des Tages werden verarbeitet, geordnet und sinnhaft abgespeichert, was uns letztendlich auch helfen könnte, unser Erinnerungsvermögen intakt zu halten. Dazu wird im Moment noch geforscht, die Hinweise darauf verdichten sich aber.»

Für mich sind Träume Abbilder des Tages. Der Traum gibt die Grundthemen des Lebens wieder.

Als Traumforscher und Leiter eines Schlaflabors ist Michael Schredl vorsichtig, wenn es um Traumdeutungen mit vorgefertigten Symbolen geht: «Jeder Mensch träumt individuell und in ganz eigenen Bildern. Deshalb rate ich eher dazu, sich auf eine eigene persönliche Traumforschungsreise zu begeben.» Also seine Träume über mehrere Wochen oder gar Monate niederzuschreiben, sie bei Bedarf mit Gleichgesinnten, einer Vertrauensperson oder einem Psychologen zu besprechen – und so herauszufinden, was einem im Leben beschäftigt, was Triebfedern sind, wo Hemmschwellen, Ängste oder gar Blockaden liegen.

«Wer sich wirklich für seine Träume interessiert und sie über eine gewisse Zeit protokolliert, wird vieles über sich und seine Prioritäten herausfinden», sagt Michael Schredl. Oder anders gesagt: Wer und was in den Träumen vorkommt, ist wichtig fürs Leben.

Träumen begleitet uns bei unserem inneren Wachstum

Dass uns Träume bei unserem inneren Wachstum begleiten, davon ist auch der Basler Psychoanalytiker und Traumforscher Markus Merz überzeugt. In seinem Trauminstitut hat er jahrelang Kinder und Erwachsene begleitet und mit ihnen Träume aufgearbeitet und analysiert. In diesem für ihn fortlaufenden Wachstums- und Reifungsprozess dienten Träume als «grosse Hilfe», da sie das ganze Spektrum unserer abgespeicherten Lebensgeschichte verbildlichen.

Als Kinder- und Jugendpsychiater hat er im Laufe der Jahre beobachtet: Unsere Träume sind ebenfalls von Spiritualität geprägt. «Ich möchte dies erklären: Wenn in einem Traum etwas vorkommt, eine wunderbare Landschaft, ein schönes Objekt oder ein Mensch etwa, das eine derart massive Ausstrahlungskraft hat, dass man morgens beim Aufwachen eine tiefe Freude und Geborgenheit empfindet, dann ist das mit den rein psychologischen Fakten nicht ausreichend erklärbar.»

Träume ermöglichen uns, jene Liebe, Vertrautheit und Geborgenheit zu spüren, wie wir sie in unseren ersten Lebensmonaten nach der Geburt erfahren haben.

Er ermutigt die Menschen auch dazu, sich mit ihren Träumen zu beschäftigen, sie niederzuschreiben und sie bewusst wahrzunehmen. Sie seien grundehrlich und unbestechlich. «In meiner jahrelangen Arbeit hat sich gezeigt, dass die Träume durch das Niederschreiben geordneter und weniger chaotisch werden. Und man nach und nach Zugang zu seiner inneren Kraft, seiner Kreativität und Stärke finden kann.»

Albträume sind meist stressbasiert

Die Aufarbeitung seiner Träume kann allerdings auch belastend sein. Wenn sie beklemmend, beängstigend und furchteinflössend sind – kurz wenn wir Albträume haben. «Auch da ermutige ich die Leute dazu, die Träume zu Ende zu denken, sich mit ihnen auseinandersetzen », sagt Michael Schredl. Also nicht nachts, wenn man schweissgebadet aufwacht. Sondern tagsüber, wenn man den Traum sacken lassen konnte. «Studien haben gezeigt, dass Albträume sehr oft mit Stress einhergehen. Wer unter irgendeiner Form von Stress leidet, hat folglich häufiger Albträume.» Diese bedrückenden, teils auch schrecklichen Traumbilder noch einmal bewusst zu durchleben und nach Lösungen zu suchen, würde helfen, Albträume loszuwerden.

Michael Schredl hat Studien durchgeführt und begleitet Albtraum-Geplagte in einer Sprechstunde. Mit seinen Klienten und Klientinnen arbeitet er die Träume auf und beobachtet, dass sie nach einer gewissen Zeit tatsächlich verschwinden. Letztendlich ist auch die Einstellung zu den Träumen entscheidend: Wenn Albträume als Ausdruck von Stress angesehen werden und man weiss, dass sie mit einfachen Mitteln angegangen werden können, sind sie weniger belastend. «Wir sollten Träume als Bereicherung ansehen. Aus ihnen können wir immer etwas lernen.»

Nachgefragt

bei Hypnosetherapeut Matthias Kamber aus Muttenz

Matthias Kamber, inwiefern spielen Träume bei Ihrer Arbeit eine Rolle?

Ich biete zwei Arten von Hypnose an, die sogenannt zudeckende und die aufdeckende. Bei der zudeckenden Hypnose wird eine Art Traum induziert. Es geht dabei darum, dem Unterbewusstsein neue Inhalte anzubieten, denen man zustimmen kann. Ich erkläre dies anhand eines Beispiels: Wenn jemand mit Rauchen aufhören möchte, rufe ich bei ihm innere Bilder hervor, in denen sich der Klient ohne Zigaretten glücklich erlebt. Man fühlt sich in diesem Traum gut, sicher, vitaler, innerlich befreit. Auch bei der aufdeckenden Arbeit bewegen wir uns in einer Art Wachtraum, wobei die Klienten dabei aktiv mitwirken.

Wie gelingt es Ihnen, jemanden ins Träumen zu versetzen?

Mit einer strategischen Kommunikationsweise, die ich auf die Person anpasse. Entscheidend ist ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Klient und Therapeut. Wenn man sich Showhypnosen ansieht, wo Menschen gackernd auf der Bühne rumrennen, schüren solche Bilder unterbewusst Ängste. Es ist dann schwieriger, sich zu entspannen und die Kontrolle abzugeben. Ich erkläre meinen Klienten, dass sie die Kontrolle so lange behalten können, bis sie sich sicher fühlen, und dass wir mit ganz anderen Methoden arbeiten, wenn wir Probleme lösen wollen.

Können Sie auch Albtraum-Geplagte «heilen»?

Ich habe auch schon mit Klienten mit wiederkehrenden Albträumen gearbeitet, ja. Ich orientiere mich dabei auch an den Erfahrungen eingeborener Völker. Ein Stamm in Südostasien etwa setzt sich am Morgen zusammen, nachdem ein Mitglied einen Albtraum hatte, und träumt diesen gemeinsam zu einem guten Ende weiter. Das ist ein kreativer Prozess. Albträume weisen meist auf einen Stress oder eine Angst hin, die bestimmte Dinge in mir auslösen. Diesen Ursachen gehen wir in der Hypnosetherapie auf den Grund. Wenn die Albträume damit ihren Sinn erfüllt haben, verschwinden sie wieder.
Text: Denise Muchenberger

Interessantes zum Träumen

Bedrohliche Tiere bilden eine Urangst, die uns im Schlaf verfolgt.

Während man schnarcht, träumt man nicht.

Auch Tiere träumen.

Lesen klappt während des Träumens nicht.

Wenn wir träumen, ist unser Gehirn aktiver, als wenn wir wach sind.

Hundemüde – wie wir von den Vierbeinern träumen

Die Ergebnisse einer Studie* deuten darauf hin, dass Erfahrungen mit Hunden im Wachleben (das Besitzen eines Hundes oder negative Erfahrungen mit Hunden in der Vergangenheit) das Träumen in signifikanter Weise beeinflussen. Einerseits träumen Hundebesitzer häufiger von Hunden und hatten insgesamt positiv getönte Träume, wohingegen Personen mit negativen Erfahrungen mit Hunden in ihrem Wachleben einen höheren Prozentsatz an Träumen mit bedrohlichen Hunden aufwiesen.

Nicht jeder Mensch träumt in Farbe.

Mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer haben den Alptraum vom Haar- und Zahnausfall.**

Der Topalbtraum (41,3%) ist die Angst vor dem freien Fall.**

Quellen:
* Michael Schredl et al., Animals, Oktober 2020
** Michael Schredl, Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci (2010) 260:565–570
Übrige: Web-Funde

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