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Solidarität fängt vor der eigenen Haustür an

Die Corona-Krise hat die lokalen Unternehmen wie die Kleinbasler Boutique Riviera von Andrea Otto besonders hart getroffen. Anstatt untätig auf bessere Zeiten zu warten, hat sie praktisch über Nacht die Open Source-Initiative #supportyourlocals lanciert, die in der Stadt hohe Wellen geschlagen hat.
Am 26.06.2020 in Support Your Locals

Nachdem der Bundesrat am 16. März 2020 den nationalen Notstand ausgerufen hatte, wusste Andrea Otto, dass das Shoppen in ihrem Laden an der Feldbergstrasse 43 nicht mehr möglich sein würde. «Auch wenn sich eine solch drastische Massnahme bereits im Vorfeld abgezeichnet hatte, war es für mich trotzdem ein Schock», erinnert sich die ehemalige Kommunikationsfachfrau. Mit der Schliessung von Riviera stand plötzlich ihre ganze Existenz auf dem Spiel.

Das wollte sie aber nicht widerstandslos hinnehmen. «Nachdem ich innert weniger Tage den Webshop online gestellt hatte, kam ich im Gespräch mit meinem Mann auf die Idee, einen Schritt weiterzugehen und #supportyourlocals ins Leben zu rufen.» Dabei sei es ihr wichtig gewesen, betont Otto, «dass ich gemeinsam mit allen anderen Betroffenen den Lockdown ohne allzu grossen finanziellen Schaden überstehe. Entsprechend wollte ich von Anfang an, dass meine Idee für alle offen und frei zugänglich ist.»

Ein Herz für das Lokale

Dass ihr Mann, Jan Knopp, in der Kreativszene zu den innovativsten Köpfen Basels zählt, war für sie in der Situation mehr als ein Segen. Um die Idee so schnell wie möglich auf allen Kommunikationskanälen verbreiten zu können, erarbeitete sein Geschäftspartner Benjamin Kniel, mit dem er die Agentur Knew leitet, ein entsprechendes Visual. Das ist leichter gesagt als getan. «Ausser dem Slogan #supportyourlocals gab es ja zu diesem Zeitpunkt noch keine Gestaltungsideen. Nach einigen Entwurfsrunden hat uns aber die farbige, scherenschnittartige Variante mit dem Herz am meisten überzeugt, weil sie durch die simpel gehaltene Bildsprache in der Lage ist, positive Emotionen auszulösen», sagt Kniel sichtlich zufrieden.

Als das Trio am 23. März 2020 die Kampagne auf den Sozialen Medien lanciert, löst sie eine Lawine der Begeisterung aus – und das, obwohl lange nicht erkenntlich ist, wer hinter der Aktion steckt. «Wir haben uns bewusst nicht als Absender in den Vordergrund gestellt, weil ein solches Vorgehen nur eine Distanz zwischen uns und den Empfängerinnen und Empfängern geschaffen hätte. Deshalb stand lediglich der Open Source-Gedanke im Zentrum. Das heisst, die einzige Botschaft, die wir vermitteln wollten, war: Unterstützt das lokale Gewerbe, indem ihr die Visuals aktiv nutzt und sie in den Sozialen Medien verbreitet», konkretisiert Knopp.

Stärkung des Gemeinsamen

Dass Andrea Otto aus der Not eine Tugend gemacht hat, beeindruckt Pro Innerstadt Basel-Geschäftsführer Mathias F. Böhm bis heute. «Etwas derart Wirkungsvolles und Solidarisches in der kurzen Zeit auf die Beine zu stellen, ist bewundernswert », so Böhm. Da Pro Innerstadt Basel auch für die Stärkung des Gemeinsamen einstehe, habe er sich schnell mit Andrea Otto und Jan Knopp in Verbindung gesetzt, um eine mögliche Zusammenarbeit zu besprechen. «Da wir uns bereits kannten, ging alles schnell und unkompliziert über die Bühne», sagt Böhm und ergänzt: «So haben wir die Idee zu einer grösseren Kampagne weiterentwickelt – u. a. mit Plakaten, Fernsehspots und der Möglichkeit, Gutscheine zu kaufen, die man nach dem Lockdown einlösen kann. Wir sind stolz darauf, dass wir einen Beitrag zur Stärkung der Idee leisten konnten.» Pro Innerstadt Basel plant, die Kampagne bis Herbst weiterzuführen. «Die Urheberrechte für die Visuals liegen zwar beim Trio, sie können aber auf unserer Website sowie auf supportyourlocalsbasel.ch weiterhin gratis heruntergeladen werden und tragen so zur Stärkung der ganzen Idee bei», so Böhm zum Handling.

Für lebenswerte Quartiere


Mit dem Erfolg hätte Andrea Otto nie gerechnet, dennoch steht ihr die Freude darüber ins Gesicht geschrieben. «Für mich ist aber #supportyourlocals mehr als ein Produkt der Krise. Wir brauchen die Unterstützung immer», relativiert sie. Und sie hat recht, denn die vielen kleinen Restaurants, Boutiquen und Buchhandlungen machen unsere Quartiere erst vielfältig und lebenswert.

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