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Selbst ist die Frau: Fünf Tipps für eine bessere Altersvorsorge

Erwerbsunterbrüche und Teilzeitarbeit gehören für Frauen oft zur Realität. Das Vorsorgesystem wird diesem Umstand nicht gerecht. Das führt dazu, dass die Frauenrenten mehr als ein Drittel tiefer sind als jene der Männer. Umso wichtiger ist es, dass Frauen ihre Vorsorge selbst in die Hand nehmen.
Am 01.09.2021 in Vorsorgeberatung von Melanie Bissig
Trotz vieler gesellschaftlicher Veränderungen in den letzten Jahren unterscheiden sich Berufsbiografien von Frauen und Männern nach wie vor stark: So sieht man in den beruflichen Laufbahnen von Frauen öfter Unterbrüche und Teilzeitarbeit. Diese Faktoren (und noch einige mehr) führen dazu, dass die Renten der Frauen in der Schweiz im Durchschnitt mindestens ein Drittel tiefer sind als jene der Männer. Frappant sind die Unterschiede bei der 2. Säule, also der Pensionskasse: Gemäss einer Studie des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB) erhält ein Drittel der Frauen gar keine Rente aus der 2. Säule.


Warum sind Frauen bei der Vorsorge benachteiligt?

  • Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrüche:

Wer Teilzeit arbeitet, zahlt weniger in die Vorsorge ein. Und nach wie vor arbeiten viel mehr Frauen Teilzeit als Männer. Gemäss dem Bundesamt für Statistik sind in der Schweiz 6 von 10 Frauen teilzeitbeschäftigt, bei den Männern sind es hingegen nur 1,8 von 10.

  • Zivilstand:

Das Schweizer Vorsorgesystem ist immer noch sehr stark auf das klassische Familienmodell ausgerichtet. Unverheiratete Paare mit Kindern, gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Patchwork-Familien kommen bei der Vorsorge schlechter weg. Verheiratete Frauen sind zwar vorsorgetechnisch besser abgesichert als unverheiratete, dennoch kann es zu Lücken in der Altersvorsorge kommen - beispielsweise bei einer Scheidung.

Darum ist Vorsorge für Frauen besonders wichtig

Selbst ist die Frau: 5 Tipps für eine bessere Vorsorge

Die Lage ist aber nicht aussichtslos. Wir geben Ihnen fünf Tipps, wie Sie als Frau vorsorgen und Ihre Rente absichern können:

1. Zahlen Sie regelmässig in die Säule 3a ein

Unabhängig, ob Sie Voll- oder Teilzeit arbeiten: Es ist immer eine gute Idee, in die Säule 3a zu investieren. Denn die Säule 3a sichert Ihnen im Alter ein zusätzliches Vorsorgekapital – nebst AHV und PK. Zudem können Sie die Einzahlungen vom steuerbaren Einkommen abziehen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können jedes Jahr maximal 6883 CHF einzahlen. Zahlen Sie möglichst jedes Jahr zumindest einen Teil des Maximalbetrags in die Säule 3a ein. Denn verpasste Jahre können Sie (Stand heute) nicht nachholen.

2. Die PK-Bedingungen überprüfen

Wichtiger Tipp für alle Frauen, die Teilzeit arbeiten: Gewisse PKs passen den Koordinationsabzug dem Beschäftigungsgrad an. Das heisst, dass der Koordinationsabzug nicht wie bei einer Vollzeitanstellung bei 25 095 CHF liegt, sondern beispielsweise bei einem 50 %-Pensum entsprechend bei der Hälfte (12 575 CHF). So zahlen Sie trotz Teilzeit deutlich mehr in die Pensionskasse ein und sparen besser für das Alter.

Es lohnt sich bei der Pensionskasse bezüglich Wahlplänen nachzufragen. Mit Wahlplänen können Sie monatlich einen höheren Sparbeitrag in die Pensionskasse einzahlen. Das führt schlussendlich zu einer höheren PK-Rente und gleichzeitig sparen Sie dadurch Steuern.

3. Die PK-Eintrittsschwelle berücksichtigen

Besonders problematisch für die Vorsorge wird es, wenn Frauen über längere Zeit weniger als 21 510 CHF pro Jahr verdienen. Das ist die sogenannte BVG-Eintrittsschwelle. Liegt das jährliche Einkommen darunter, sind Sie nicht in der 2. Säule versichert und es fallen für diese Jahre sämtliche PK-Beiträge weg. Sofern möglich, sollten Sie also einen Lohn über der BVG-Eintrittsschwelle von 21 510 CHF pro Jahr anstreben.

4. Machen Sie sich Gedanken über Ihren Zivilstand

Eine weitere Ursache für die tiefen Altersrenten von Frauen sind Scheidungen. Zwar erhalten Frauen nach der Scheidung in der Regel Unterhaltszahlungen – dabei wird aber gerne vergessen, dass auf diese Unterhaltszahlungen meist keine Vorsorgebeiträge geleistet werden. Was sich negativ auf die Altersvorsorge auswirkt. Im Scheidungsfall sollten Sie darauf achten, dass im Unterhaltsbudget auch ein Vorsorgebeitrag für Ihre Säule 3a enthalten ist.

Wenn Sie im Konkubinat leben, ist besondere Vorsicht geboten: Denn vorsorgerechtlich lebt man im Konkubinat wie als Einzelperson. Das bedeutet, dass man nach dem Tod des Partners keinen Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente aus der AHV hat. Obwohl keine rechtliche Verpflichtung besteht, entrichten einige Pensionskassen im Todesfall freiwillig eine Hinterlassenen-Rente oder Todesfall-Kapitalleistung, sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Ganz wichtig: Der Konkubinatspartner oder die Partnerin muss dafür bei der Pensionskasse mit einem Begünstigtenformular gemeldet werden.

5. Vorsicht bei der Babypause - besonders im Konkubinat

Nach der Familiengründung entscheiden sich viele Frauen für eine längere berufliche Auszeit. Dabei gilt es aber einen entscheidenden Punkt zu berücksichtigen: Wenn Sie nicht verheiratet sind und keiner AHV-pflichtigen Erwerbstätigkeit nachgehen, droht eine Kürzung Ihrer AHV-Rente. Die Rentenkürzung können Sie umgehen, indem Sie sich bei der AHV als Nichterwerbstätige anmelden, damit Sie den Beitrag der Nichterwerbstätigen einzahlen können.

Wenn Sie verheiratet sind und Ihr Partner mind. im 50%-Pensum arbeitet, dann sind Sie durch seine AHV-Beiträge automatisch in der AHV abgesichert.

Gut zu wissen: Bei einer verpassten Anmeldung können Sie sich rückwirkend bis zu fünf Jahre bei der AHV als Nichterwerbstätige anmelden. Wir empfehlen Ihnen bei der AHV regelmässig einen sogenannten "IK-Auszug" (Individueller Kontoauszug) zu bestellen, um zu prüfen, ob es Beitragslücken gibt.

Sich schon früh mit dem Thema Vorsorge auseinanderzusetzen, lohnt sich, egal ob Sie Mutter, kinderlos, erwerbstätig oder nicht erwerbstätig sind. Gerne analysieren wir in einem Gespräch Ihre Situation und zeigen Ihnen Lösungen auf, damit Sie Ihre Altersvorsorge optimieren können.

Melanie Bissig

Fachspezialistin Vorsorge & Pensionierung

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