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Frühpensionierung: Kann ich mir das leisten?

Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in der Schweiz träumt davon, sich vorzeitig pensionieren zu lassen. Leider können sich nicht alle diesen frühzeitigen Ausstieg leisten. Damit der vorzeitige Berufsausstieg nicht am fehlenden Geld scheitert, braucht es eine umsichtige Planung.
Am 20.08.2021 in Vorsorgeberatung von Melanie Bissig

Baslerinnen und Basler haben eine hohe Lebenserwartung. Viele freuen sich auf den dritten Lebensabschnitt und würden sich lieber schon heute als erst morgen pensionieren lassen. Doch bevor man den Schritt in eine Frühpensionierung wagt, gilt es einiges abzuklären. Denn der vorzeitige Schritt in die Pension ist zwar verlockend, bringt jedoch Rentenkürzungen mit sich, die es zu bedenken und gegebenenfalls abzumildern gilt.

Was kostet eine Frühpensionierung?

Wer vorzeitig in Rente geht, muss Abstriche machen. Wer beispielsweise seine AHV-Rente ein Jahr früher bezieht, muss eine lebenslängliche Rentenkürzungen von 6,8 Prozent in Kauf nehmen. Bei der Pensionskasse (PK) wirkt sich die Frühpensionierung gleich doppelt negativ aus: Wegen der früheren Pensionierung wird einerseits weniger Alterskapital angespart, andererseits muss das angesparte Kapital für eine voraussichtlich längere Bezugsdauer reichen. Die Folge davon ist ein tieferes monatliches Renteneinkommen. Bei der Planung der Altersvorsorge genügt es nicht, nur allein die Rentenhöhe zu betrachten. Viele unterschätzen den Einkommensverlust, der mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben verknüpft ist.

Was viele nicht wissen: Wenn Sie sich frühzeitig pensionieren lassen, müssen Sie trotzdem bis zum ordentlichen Pensionsalter (Männer Alter 65 / Frauen aktuell Alter 64) AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige entrichten. Diese sind zwar steuerlich abziehbar, aber belasten das Portemonnaie je nach Vermögens- und Rentenhöhe trotzdem.

Frühpensionierung: Ist das realistisch?

Ob eine Frühpensionierung realistisch ist, lässt sich nur individuell beantworten. Eine ganzheitliche Analyse und Beratung sind deshalb unabdingbar. Klar ist: Die Rente für den Rest des Lebens fällt bei einer Frühpensionierung tiefer aus als bei einer regulären Pensionierung. Angesichts der steigenden Lebenserwartung darf man das nicht unterschätzen.

Was in jedem Fall gilt: Für eine frühzeitige Pensionierung sollten Sie sich mindestens zehn Jahre im Voraus mit den finanziellen Gegebenheiten auseinandersetzen. Je früher Sie sich damit beschäftigen, desto einfacher können Vorsorgelücken geschlossen und Steueroptimierungen geplant werden.

Der Traum von der Frühpensionierung: Wie wird er wahr?

Die richtige Planung

Eine Frühpensionierung ist nicht günstig und sollte deshalb gut durchdacht werden. Am besten orientieren Sie sich an diesen drei Bereichen, die zentral für eine erfolgreiche Frühpensionierung sind:

1. Abklärungen Pensionskasse

Pensionskassen regeln die Frühpensionierung unterschiedlich und die steuerlichen Folgen sind von Kanton zu Kanton anders. Klären Sie bei Ihrer Pensionskasse ab, welche Optionen Sie haben. Interessant können beispielsweise auch Pensumsreduktionen oder Teilpensionierungsschritte sein, um sich langsam aus dem Erwerbsleben zu verabschieden.

2. Vorsorge

Bauen Sie gezielt Vermögen auf. Dafür eignen sich die Säule 3a, sowie freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse.

3. Budget

Erstellen Sie ein Budget und auf dieser Basis dann einen umfassenden Finanzplan. So wissen Sie, wie viel Sie zusätzlich sparen müssen, um Einkommenslücken nach der Pensionierung zu schliessen.

Säule 3a und PK-Einkauf als Schlüssel für eine Frühpensionierung

In vielen Fällen reichen AHV- und PK-Rente nicht aus, um die Kosten einer frühzeitigen Pensionierung zu decken. Zu gross ist die Vorsorgelücke, die aus der Frühpensionierung entsteht. Wer sich vor dem regulären Pensionsalter zur Ruhe setzen will, muss auf Erspartes und eine solide Rente zurückgreifen können. Die Rente lässt sich am besten mit privaten Ersparnissen wie der Säule 3a aufbessern. Denn all Ihre Einzahlungen in die Säule 3a können Sie von den Steuern abziehen. Das hat neben den Steuervorteilen den Pluspunkt, dass Sie Ihre Altersvorsorge stärken und sich den Traum von der Frühpensionierung eher leisten können.

Auch freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse können eine sinnvolle Option sein. Immer mehr Pensionskassen bieten die Möglichkeit an, eine Leistungskürzung bei einer Frühpensionierung mit freiwilligen Einkäufen auszugleichen. Auch diese Einzahlungen können Sie direkt von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen.

Teilpensionierung als sinnvolle Alternative

Auch mit finanzieller Disziplin ist es nicht immer möglich, den nötigen Puffer für eine Frühpensionierung anzusparen. In diesem Fall bietet sich die Teilpensionierung an, weil sie das Beste aus Pensionierung und Arbeit kombiniert. Mit einer Teilpensionierung können Sie Ihren Beschäftigungsgrad ab dem vollendeten 58. Lebensjahr schrittweise und dauerhaft reduzieren. Sie können sich beispielsweise mit 61 Jahren entscheiden Ihr Arbeitspensum auf 60% zu reduzieren und im reduzierten Pensum bis zur ordentlichen Pensionierung weiterzuarbeiten. Die meisten Pensionskassen unterstützen das und bieten flexible Pensionierungsmodelle an.

Durch das reduzierte Pensum werden Sie weniger Einkommen haben. Teilweise lässt sich das jedoch durch den Teilbezug von Altersleistungen der Pensionskasse ausgleichen. Und im Gegensatz zur Frühpensionierung bezahlen Sie bei einer Teilzeitpensionierung keine zusätzlichen AHV-Beiträge, da die Beitragspflicht durch das Teilzeitpensum oft bereits erfüllt ist.

Bevor Sie eine Frühpensionierung in die Wege leiten, sollten Sie auf jeden Fall eine Fachperson in die Planung miteinbeziehen. In einer umfassenden Beratung klären wir offene Fragen rund um Ihre Vorsorge und besprechen Ihre Möglichkeiten hinsichtlich einer Frühpensionierung.

Melanie Bissig

Fachspezialistin Vorsorge & Pensionierung

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