Selbst ist die Frau: Fünf Tipps für eine bessere Altersvorsorge

Erwerbsunterbrüche und Teilzeitarbeit gehören für Frauen oft zur Realität. Das Vorsorgesystem wird diesem Umstand nicht gerecht. Das führt dazu, dass die Frauenrenten mehr als ein Drittel tiefer sind als jene der Männer. Umso wichtiger ist es, dass Frauen ihre Vorsorge selbst in die Hand nehmen - vor allem mit der kürzlichen Annahme der AHV 21-Reform.
Am 01.11.2022 in Rund ums Geld von Melanie Bissig

Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze

  • Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrüche führen gerade bei Frauen häufig zu Lücken in der Vorsorge.
  • Zudem sind die Renten von Frauen in der Schweiz immer noch tiefer als die von Männern.
  • Vorsorgeexpertin Melanie Bissig gibt Frauen wertvolle Tipps für ihre sorgenfreie finanzielle Zukunft.

Trotz vieler gesellschaftlicher Veränderungen in den letzten Jahren unterscheiden sich Berufsbiografien von Frauen und Männern nach wie vor stark: So sieht man in den beruflichen Laufbahnen von Frauen öfter Unterbrüche und Teilzeitarbeit. Diese Faktoren (und noch einige mehr) führen dazu, dass die Renten der Frauen in der Schweiz im Durchschnitt mindestens ein Drittel tiefer sind als jene der Männer. Frappant sind die Unterschiede bei der 2. Säule, also der Pensionskasse: Gemäss einer Studie des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB) erhält ein Drittel der Frauen gar keine Rente aus der 2. Säule.


Warum sind Frauen bei der Vorsorge benachteiligt?

  • Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrüche:

Wer nicht in einem 100%-Pensum arbeitet, hat entsprechend auch weniger Guthaben in der 1. und 2. Säule. Und die Situation ist nach wie vor so, dass viel mehr Frauen in Teilzeit arbeiten als Männer. Im Jahr 2021 machten sie laut Bundesamt für Statistik 73.9 % der Teilzeiterwerbstätigen aus (1.284 Millionen Frauen gegenüber 454 000 Männer). Die Hauptgründe nennt dieselbe Statistik Kinderbetreuung und andere familiäre Verpflichtungen.

  • Zivilstand:

Das Schweizer Vorsorgesystem ist auf das klassische Familienmodell ausgerichtet. Unverheiratete Paare mit Kindern, gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Patchwork-Familien sollten ihre Vorsorgesituation besonders im Auge behalten. Verheiratete Frauen sind zwar vorsorgetechnisch besser abgesichert als unverheiratete, dennoch kann es zu Lücken in der Altersvorsorge kommen - beispielsweise bei einer Scheidung.

«Selbst ist die Frau - jetzt Weichen stellen für mehr Rente»

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5 Tipps für eine bessere Vorsorge

Mit der Annahme der Reform AHV 21 arbeiten Frauen bald neu bis zum 65. Lebensjahr. Einserseits werden dadurch die jährlichen Rentenausgaben der AHV reduziert, zum anderen zahlen Frauen dadurch länger in ihre 1. Säule ein und verbessern so tendenziell ein Stück weit die eigene Vorsorgesituation. Trotzdem sollten gerade Frauen darauf achten, dass sie gut abgesichert sind. Wir geben Ihnen fünf Tipps, wie Sie als Frau vorsorgen und Ihre Rente absichern können:

1. Zahlen Sie regelmässig in die Säule 3a ein

Unabhängig, ob Sie Voll- oder Teilzeit arbeiten: Es ist immer eine gute Idee, in die dritte Säule (vor allem auch die Säule 3a) zu investieren. Diese sichert Ihnen im Alter ein zusätzliches Vorsorgekapital – nebst AHV und Pensionskasse. Zudem können Sie die Einzahlungen vom steuerbaren Einkommen abziehen. Arbeitnehmerinnen können pro Jahr maximal 6883 CHF (Maximalbetrag für 2022; 2023: 7056 CHF) in ihre dritte Säule einzahlen. Bei selbstständigen Frauen ohne Anschluss an eine Pensionskasse sind es maximal 20% des Nettoerwerbseinkommens und maximal 34 416 CHF (Maximalbetrag für 2022; 2023: 35 280 CHF). Zahlen Sie möglichst jedes Jahr zumindest einen Teil des Maximalbetrags ein. Denn verpasste Jahre können Sie (Stand heute) nicht nachholen.

2. Die Pensionskassen-Bedingungen überprüfen

Wichtiger Tipp für alle Frauen, die in Teilzeit arbeiten: Gewisse Pensionskassen passen den sog. Koordinationsabzug dem Beschäftigungsgrad an. Das heisst, dass der Koordinationsabzug nicht wie bei einer Vollzeitanstellung bei 25 095 CHF liegt, sondern bei einem 50 %-Pensum entsprechend bei der Hälfte (12 575 CHF). So zahlen Sie trotz Teilzeit deutlich mehr in die Pensionskasse ein und sparen besser für das Alter. Achten Sie also bei der Wahl der Pensionskasse nach Möglichkeit auf die Bedingungen.

Auch lohnt es sich bei der Pensionskasse bezüglich Wahlplänen nachzufragen. Mit Wahlplänen können Sie monatlich einen höheren Sparbeitrag in die Pensionskasse einzahlen. Das führt schlussendlich zu einer höheren Pensionskassenrente und gleichzeitig sparen Sie dadurch Steuern.

3. Die Pensionskassen-Eintrittsschwelle berücksichtigen

Besonders problematisch für die Vorsorge wird es für Frauen, wenn sie über längere Zeit weniger als 21 510 CHF jährlich verdienen. Das ist die sogenannte 'BVG-Eintrittsschwelle'. Liegt das jährliche Einkommen der Frau darunter, ist sie nicht in der 2. Säule versichert und es fehlen für diese Jahre sämtliche Pensionskassenbeiträge. Sofern möglich, sollten Frauen also einen Lohn über dieser wichtigen Schwelle anstreben.

4. Machen Sie sich Gedanken über Ihren Zivilstand

Eine weitere Ursache für die tiefen Altersrenten von Frauen sind Scheidungen. Zwar erhielten Frauen nach der Scheidung in der Regel bisher Unterhaltszahlungen (auf diese haben sie nach dem Liberalisierungsschritt der Scheidungspraxis durch das Bundesgericht jedoch neu keinen automatischen Anspruch mehr) – dabei wird aber gerne vergessen, dass auf diese Unterhaltszahlungen meist keine Vorsorgebeiträge geleistet werden. Das wirkt sich negativ auf die Altersvorsorge aus. Besonders mit dem Urteil zur neuen Scheidungspraxis müssen Frauen also darauf achten, dass sie sich auch nach einer allfälligen Scheidung alleine versorgen können und sich rechtzeitig ihre eigene dritte Säule ansparen.

Für im Konkubinat Lebende ist besondere Vorsicht geboten: Denn vorsorgerechtlich wird man im Konkubinat als Einzelperson betrachtet. Das bedeutet, dass nach dem Tod des Partners kein Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente aus der AHV besteht. Einige Pensionskassen entrichten ohne rechtliche Verpflichtung im Todesfall freiwillig eine Hinterlassenen-Rente oder Todesfall-Kapitalleistung, sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Ganz wichtig: Der Konkubinatspartner oder die Konkubinatspartnerin muss dafür bei der Pensionskasse und Säule 3a Stiftung mit einem Begünstigtenformular gemeldet sein.

5. Vorsicht bei der Babypause - besonders im Konkubinat

Nach der Familiengründung entscheiden sich viele Frauen für eine längere berufliche Auszeit. Dabei gilt es aber einen entscheidenden Punkt zu berücksichtigen: Wer nicht verheiratet ist und keiner AHV-pflichtigen Erwerbstätigkeit nachgeht, dem droht eine AHV-Rentenkürzung. Diese lässt sich umgehen, indem man sich bei der AHV als Nichterwerbstätige anmeldet, und den Beitrag der Nichterwerbstätigen einzahlt. Wer hingegen verheiratet ist und deren Partner bzw. Partnerin mindestens im 50%-Pensum arbeitet, ist durch die von ihm bzw. von ihr entrichteten AHV-Beiträge automatisch in der AHV abgesichert.

Gut zu wissen: Bei einer verpassten Anmeldung können Sie sich rückwirkend bis zu fünf Jahre bei der AHV als Nichterwerbstätige anmelden. Wir empfehlen Ihnen bei der AHV regelmässig einen sogenannten "IK-Auszug" (Individueller Kontoauszug) zu bestellen, um zu prüfen, ob Beitragslücken bestehen.

Sich schon früh mit dem Thema Vorsorge auseinanderzusetzen lohnt sich - egal ob Sie Mutter, kinderlos, verheiratet, geschieden, erwerbstätig sind oder keiner Beschäftigung nachgehen. Gerne analysieren wir in einem Gespräch Ihre individuelle Situation und zeigen Ihnen Lösungen auf, damit Sie Ihre Altersvorsorge optimieren können.

Melanie Bissig

Fachspezialistin Vorsorge & Pensionierung