Haus vererben: So geht Nachlassplanung ohne Geschwisterstreit

Das eigene Haus vererben – klingt eigentlich einfach. Doch es kann dabei auch Fallstricke geben – vor allem, wenn man mehr als ein Kind hat. Bigna Gadola, Leiterin Erbschaftsberatung erläutert, wie man seine Nachlassplanung in Bezug auf das Eigenheim am besten angeht.
Am 11.10.2022 in Rund ums Geld von Ekaterina Cámara

Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Vererben einer Immobilie können verschiedene Herausforderungen auftreten.
  • Die Bewertung der Immobilie, eine fehlende Teilungsvorschrift im Testament sowie der Unterhalt der Immobilie gehören zu den häufigsten Fallstricken bei einer Erbschaft, so Bigna Gadola, Leiterin Erbschaftsberatung der Basler Kantonalbank.
  • Bei der Nachlassplanung sollte der Erblasser bzw. die Erblasserin potentiellen Erben die Möglichkeit geben, das Thema offen unter sich zu diskutieren.
Bigna Gadola

Bigna Gadola

Leiterin Erbschaftsberatung Basler Kantonalbank

Eltern wollen bei der Nachlassplanung möglichst keines ihrer Kinder benachteiligen. «Die meisten Ehepaare möchten ihre Nachkommen grundsätzlich gleich behandeln, so auch beim späteren Vererben vom eigenen Vermögen, dem eigenen Haus oder der eigenen Wohnung.», so Bigna Gadola, Leiterin Erbschaftsberatung der BKB. «Hat man nur ein Kind, stellt sich die Frage der Benachteiligung weniger. Bei zwei Kindern oder mehr wird es schon komplizierter – denn eine Immobilie lässt sich nicht einfach aufteilen.», fügt sie an.

Doch wie geht man in so einem Fall vor? «Die Kinder, welche das elterliche Haus oder die Wohnung nicht erhalten, wären mit alternativem Vermögen ausgleichend zu begünstigen. Ist davon jedoch nicht genügend vorhanden, kann es schnell zu Problemen kommen: «Das Kind, welches das Haus erben wird, müsste in diesem Fall den Ausgleich mit seinen Geschwistern mit eigenem Vermögen vornehmen. Für viele ist dies finanziell schlicht nicht machbar.», so Bigna Gadola.

Keine gute Option: Ein Kind bevorzugt behandeln 

Doch welche Alternativen gibt es? Bigna Gadola dazu: «Natürlich könnte man auch davon absehen, seine Kinder gleich zu behandeln. Somit wäre das Kind, welches die Immobilie erhält, bevorzugt. Allerdings kann dieses Vorgehen Konflikte zwischen den Geschwistern provozieren. Davon raten wir ab. Viel eher empfehlen wir frühzeitige und offene Kommunikation innerhalb der ganzen Familie.»

Immobilie erben & vererben: Die drei grössten Stolpersteine

Stolperstein 1: Die Bewertung

Grundsätzlich gibt das Gesetz vor, dass Grundstücke den Erben zum Verkehrswert zum Zeitpunkt der Teilung anzurechnen sind. Der Wert einer Immobilie kann sich also über die Zeit stark verändern – vor allem da die Immobilienpreise in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Diese Wertsteigerung kann sogar darüber entscheiden, ob sich die Person, die eine Immobilie erben soll, es sich leisten kann, ihre Geschwister entsprechend auszubezahlen.

Ein Rechenbeispiel:

Marktwert im Testament (vor 10 Jahren):
500 000 CHF  
Aktueller (stark gestiegener) Marktwert:
1 500 000 CHF
Erbin: 
Schwester 
Erbin:
Schwester
Auszubezahlen an den Bruder:
250 000 CHF
Auszubezahlen an den Bruder:
750 000 CHF

Eine mögliche Lösung wäre, dass die ganze Familie gemeinsam einen Erbvertrag unterzeichnet, worin festgehalten wird, dass ein Kind die Liegenschaft zu einem fest definierten Wert übernehmen darf und sich die Geschwister bzw. anderen Erbinnen und Erben damit einverstanden erklären.

Stolperstein 2: Teilungsvorschrift im Testament

Damit sichergestellt ist, dass der Wunsch der Erblasserin bzw. des Erblassers in Bezug auf die Zuteilung der Liegenschaft auch so umgesetzt wird, kann dies in einer letztwilligen Verfügung mittels einer sogenannten «Teilungsvorschrift» festgehalten werden. Ohne eine solche Teilungsvorschrift müssten Erbinnen und Erben den Nachlass nämlich untereinander aufteilen. Bei Uneinigkeit kann das zu ungewollten Streitereien führen. Auch hier ist zu beachten, dass der gesetzliche Pflichtteil nicht verletzt werden sollte.

Stolperstein 3: Der Unterhalt

Erbt man ein Haus, erbt man auch die allenfalls noch bestehende Schuld, also die Hypothek. Der Rat unserer Expertin: «Die Tragbarkeit ist also grundsätzlich zu prüfen. Kann ich mir das elterliche Haus im täglichen Unterhalt langfristig leisten oder laufe ich Gefahr auf zu hohen Unterhaltskosten sitzen zu bleiben? Wer im Vorfeld alles gut mit Hilfe von Profis durchrechnet und alle Kosten (auch die Nebenkosten) mitbedenkt, erspart sich allfällige Probleme.»

Offen kommunizieren – Konflikte vermeiden

Abschliessend rät Bigna Gadola: «Die offene Kommunikation mit den eigenen Kindern ist, wie wir bei unserer täglichen Arbeit immer wieder sehen, sehr wichtig. So können allfällige Missverständnisse frühzeitig aus dem Weg geräumt werden und die Vererbung der Immobilie kann reibungslos abgewickelt werden. Wer sich schon zu Lebzeiten Gedanken ums Vererben von Haus oder Wohnung macht, tut grundsätzlich gut daran, sich mit seinen Kindern darüber offen abzustimmen, zu diskutieren und schliesslich zu einigen. Gemeinsam erarbeitete Lösungen schützen auch vor Konflikten und vor Streit in der Familie – diese sollten Sie dann im Testament oder Erbvertrag festhalten. Dabei unterstützen wir Sie gern. So steht der Harmonie innerhalb der Familie nichts mehr im Weg.»

Eine umsichtige Nachlassplanung sorgt dafür, dass das Vermögen genauso weitergegeben wird, wie Sie sich das wünschen. Mit unserer Beratung vermeiden Sie teure Fehler und geben Ihr Vermögen sorgenfrei weiter.

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Ekaterina Cámara

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