Kreislaufwirtschaft: aus einer Anlegersicht mit interessantem Aufholpotenzial

Bei den derzeitigen Konsumgewohnheiten wird die Weltbevölkerung bis 2050 doppelt so viele Ressourcen verbrauchen, als unsere Erde hergibt. Dieser nicht nachhaltige Ansatz führt unweigerlich zu Rohstoffverknappung und Umweltbelastungen. Deshalb müssen Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch zwingend entkoppelt werden. Um den Klimawandel zu bekämpfen, ist neben der Energiewende der Wandel hin zur Kreislaufwirtschaft für die Erreichung des Netto-Null-Ziels praktisch unabdingbar.
Am 02.01.2023 in N° 2/2022 von Nicolas Hefti, Finanzanalyst, und Daniel Breitenstein, Finanzanalyst

In einem linearen Wirtschaftssystem steht zuerst der Rohstoffabbau. Aus den gewonnenen Rohstoffen werden in der Folge Produkte hergestellt. Diese werden verkauft, konsumiert und anschliessend weggeworfen. Ein solcher Einweg-Mechanismus führt über die Jahre zu Rohstoffverknappung und Umweltbelastungen. Dagegen hat die Kreislaufwirtschaft das Ziel, Produkte, Energie und Materialien im Umlauf zu halten. Dabei wird bei der Kreislaufwirtschaft der gesamte Wertstoffkreislauf mit einbezogen: von der Rohstoffgewinnung, über das Design, die Produktion und die Distribution eines Produkts bis zu seiner möglichst langen Nutzungsphase und zum Recycling bzw. zur Verwertung.

Die Vorteile der Kreislaufwirtschaft

Im Vergleich zum linearen Wirtschaftssystem werden weniger Primärrohstoffe verbraucht, im besten Fall sogar fast keine. Auch Abfall wird vermieden und die Umwelt weniger belastet. Im öffentlichen Diskurs ist es noch wenig bekannt: Die Netto-Null-Ziele sind nur mit der Kreislaufwirtschaft zu erreichen. Laut einer Studie der Ellen-MacArthur Stiftung realisiert die Abkehr von fossilen Energieträgern nur etwas mehr als die Hälfte der notwendigen CO₂ Emissionsreduktionen. Für die andere Hälfte braucht es eine Kreislaufwirtschaft. Neben der ökologischen Sinnhaftigkeit hat dieser Ansatz auch wirtschaftliche Vorteile. So zeigt eine andere Studie der gleichen Stiftung, dass das Risiko eines Zahlungsausfalls bei einem Unternehmen umso geringer ist, je stärker es auf Kreislaufwirtschaft setzt, und dass die risikobereinigten Renditen seiner Aktien steigen.

Kreislaufwirtschaft in der Schweiz und in der EU

Der hiesige Wohlstand basiert zu einem grossen Teil auf einem hohen Verbrauch von Ressourcen. Ein rohstoffarmes Land wie die Schweiz ist deshalb stark gefordert, Rohstoffe möglichst effizient zu nutzen. Nicht überraschend ist deshalb, dass das Bundesamt für Umwelt bereits seit Mitte der 1980er Jahre den Wandel zur Kreislaufwirtschaft erfolgreich fördert. So konnten im Jahr 2018 von 17,5 Millionen Tonnen Rückbaumaterialien wie Beton, Kies, Sand, Asphalt und Mauerwerk knapp 70 % wiederverwertet werden. Damit gehört die Schweiz gemäss einer Untersuchung der European Environment Agency bei der Ressourcenproduktivität1 zu den Leadern. Trotz den Bemühungen des Bundes gibt es weiterhin ein riesiges Verbesserungspotenzial. Eine entscheidende Rolle spielen dabei auch die Konsumenten, die das Anliegen mit nachhaltigem Konsum unterstützen können. Dazu gehört, dass Produkte vermehrt geteilt, wiederverwertet und repariert werden.  In der EU wird der Umbau hin zu einer Kreislaufwirtschaft ebenfalls konsequent verfolgt. So beschloss die Europäische Kommission im Frühjahr 2020 im Rahmen des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft das erste Massnahmenpaket zur Beschleunigung des Übergangs zu einer Kreislaufwirtschaft. Es wurden bspw. schärfere Recyclingziele und verbindliche Reduktionsziele beim Verbrauch von Materialien definiert. Der Aktionsplan steht in Einklang mit dem EU-2050-Klimaneutralitätsziel. Jüngst billigte das Parlament eine Überarbeitung der Vorschriften für persistente organische Schadstoffe, um die Menge an gefährlichen Chemikalien in Abfällen und Produktionsprozessen zu verringern. Konkret werden im Aktionsplan der Kommission diverse Schlüsselbereiche ausgemacht, die für die Verwirklichung einer Kreislaufwirtschaft wesentlich sind: Kunststoffe, Textilien, Elektronik, Lebensmittel, Wasser und Nährstoffe, Verpackungen, Batterien und Fahrzeuge sowie Bauwirtschaft und Gebäude.

Die Netto-Null-Ziele sind nur mit der Kreislaufwirtschaft zu erreichen.

Kreislaufwirtschaft, ein Anlagethema mit Aufholpotenzial

Am europäischen Fondsmarkt sind mittlerweile über CHF 150 Milliarden in Umweltfonds investiert, davon decken knapp 60 % generelle Umweltthemen ab (siehe Abb. 3). Dominant sind zudem Wasser und Energieeffizienz. Wasser war über Jahre führend. In den vergangenen Jahren hat das Thema Energieeffizienz im Zuge des immer fassbarer werdenden Klimawandels aufgeschlossen.

Doch den Fokus allein auf den Energieverbrauch (weniger ist mehr) und die genutzte Energiequelle (erneuerbar statt fossil) zu setzen, greift zu kurz. Auch das Thema Kreislaufwirtschaft spielt bei der Erreichung der Netto-Null-Ziele eine zentrale Rolle. Trotz der grossen Bedeutung befindet sich dieses Anlagethema noch immer in den Kinderschuhen.

Abb. 3: Europäische Umweltfonds: markante Unterschiede bei der Aufteilung der angelegten Gelder

Quelle: BKB, Morningstar Direct

Kreislaufwirtschaftsfonds setzen auf Problemlöser und Umsetzungs-Champions

In den Fonds zum Themenbereich Kreislaufwirtschaft sind typischerweise zwei Unternehmensgruppen zu finden.

  • Gruppe 1: die «Problemlöser»
    Dies sind Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, die den Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft fördern. Ihr Geschäftsmodell ist sozusagen auf die Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Es sind innovative Nischenanbieter (siehe Abb. 4), B2B-Firmen¹ aus industriellen oder technologischen Sektoren, die klein- und mittelkapitalisiert sind.
  • Gruppe 2: die «Umsetzungs-Champions»
    Dies sind meist B2C-Firmen², grössere Konzerne aus dem Konsumgütersegment und bekannte Firmennamen, die den Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft mit Überzeugung und konsequent vorantreiben.
Fotos: Aus Alt mach Neu: Gebrauchte Gegenstände oder gebrauchte Materialien werden industriell bearbeitet und wieder zu Rohstoffen gemacht. Findige Unternehmen formen mit innovativen Techniken daraus neue Produkte und fördern damit die Kreislaufwirtschaft.

Abb. 4: Unternehmensbeispiele aus den Kreislaufwirtschaftsfonds

Diese Auflistung ist nicht als Empfehlung zum Kauf der Aktien dieser Unternehmen zu verstehen.
Quelle: BKB, Bloomberg, Unternehmen

Wieso braucht es die «Umsetzungs-Champions»?

Nach Meinung von Vertretern der Ellen-MacArthur-Stiftung bedarf eine erfolgreiche Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft eines Zusammenspiels unterschiedlicher Stakeholder: Regulatoren, Unternehmen und Konsumenten. Über den weitaus grössten Hebel verfügen jedoch die Unternehmen, speziell diejenigen, die den Konsumgütermarkt bedienen. Dem liegt folgende Überlegung zugrunde: Die Konsumenten können zwar mit ihren Kaufentscheidungen nachfrageseitig Druck auf die Produktanbieter ausüben, können den Wandel aber nur beschränkt voranbringen, da sie kaufen müssen, was auf dem Markt verfügbar ist.

Als Anlegerin und Anleger vom Trend zur Kreislaufwirtschaft profitieren

Das Wissen um den Nutzen der Kreislaufwirtschaft ist schon lange vorhanden. Wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem die Dringlichkeit – u.a. getrieben durch den Klimawandel – derart hoch ist, dass sich ausreichend viele Stakeholder nicht nur ambitiöse Ziele gesetzt haben, sondern sich mittlerweile auch schnell in Richtung einer Kreislaufwirtschaft bewegen. Die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft steht den anderen Umweltthemen in nichts nach. Behörden wie Unternehmen haben dies erkannt. Die Gemeinschaft der Anlegerinnen und Anleger hinkt noch etwas hinterher. Im Umkehrschluss bedeutet das aber ein grosses Aufholpotenzial. Auch dass der Weg bis dahin noch weit ist, muss aus Anlegersicht kein Nachteil sein.

Wie können Sie an den Renditechancen dieses Trends partizipieren?

Wir empfehlen den Candriam Sustainable Equity Circular Economy Fund (LU2109441688). Dieser Fonds setzt sowohl auf «Problemlöser», meist kleinere, innovative Wachstumsfirmen, als auch auf «Umsetzungs-Champions», meist grössere Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich. Das Portfolio weist deshalb eine ausgewogene Balance zwischen konjunktursensitiveren und stabileren Titeln auf. Zusätzlich zum thematischen Filter gelten bei der Titelauswahl auch strenge Nachhaltigkeitsanforderungen.

Möchten Sie erfahren, wie dieser Fonds in Ihr Portfolio passt? Ihr Kundenberater oder Ihre Kundenberaterin zeigt Ihnen gerne Ihre Möglichkeiten auf.

1 B2B steht für Business to Business und bezeichnet die Geschäftsbeziehung von Unternehmen untereinander.
2 B2C steht für Business to Consumer und bezeichnet die Geschäftsbeziehung zwischen Unternehmen und Privatpersonen.

Finanzanalystin

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Brigitta Lehr

Senior Economist

Rechtliche Informationen

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