Alternative Anlagen und der Wert der Diversifikation

«Nicht alle Eier in einen Korb legen.» Das empfiehlt ein altes Sprichwort. Ähnliches gilt, wenn Sie das Risiko eines Totalausfalls Ihrer Anlagen minimieren wollen. Bereits im 4. Jahrhundert hat Rabbi Isaac bar Aha im Babylonischen Talmud die Dreiteilung des Vermögens propagiert: ein Drittel Land, ein Drittel Handelswaren, ein Drittel bar. Seither ist viel Zeit vergangen, doch die Erkenntnis, dass Diversifikation sinnvoll ist, ist aktueller denn je.
Am 28.06.2023 in N° 1/2023 von Daniel Breitenstein, Finanzanalyst

Nicht wenige heimische Investorinnen und Investoren haben sich Ende des vergangenen Jahres gewünscht, sie hätten ihre Portfolios breiter aufgestellt. Denn sowohl Schweizer Aktien als auch Obligationen mussten 2022 zweistellige Wertverluste hinnehmen. Diese Erfahrungen zeigen, dass Gedanken zur Portfoliokonstruktion nichts von ihrer Aktualität eingebüsst haben, wobei ein Portfolio aus Aktien und Obligationen nach wie vor als ansprechend diversifiziert angesehen werden kann.

Von der Magie der Diversifikation

Auch für Anlagen gilt: Es gibt keine Glaskugel, die die Zukunft zeigen kann. Es ist deshalb ein Ding der Unmöglichkeit, die Vermögensallokation an zukünftigen – also unbekannten – Ereignissen auszurichten. Möglich ist aber, mittels Diversifikation die negativen Auswirkungen unvorhergesehener Geschehnisse zu verringern und zugleich eine ausreichend hohe Wahrscheinlichkeit für eine gute Ertragsentwicklung zu konservieren.

Eine Absicherung eines Portfolios kostet, die Diversifikation ist faktisch kostenlos.
Der Ökonom und Nobelpreisträger Harry M. Markowitz legte in seinem wissenschaftlichen Beitrag «Portfolio Selection» im «Journal of Finance» 1952 dar, dass eine Diversifikation von Kapitalanlagen das Risiko bei gleichbleibender Renditeerwartung reduzieren kann. Im Gegensatz zu einer Portfolioabsicherung, für die eine Versicherungsprämie bezahlt werden muss, ist die Diversifikation faktisch kostenlos. Alternative Anlagen können dabei eine bedeutende Rolle spielen (siehe Abb. 8).

Erläuterungen zu den Varianten im Risikoprofil «Ausgewogen»

Risikosenkend: 40 % Aktien + 40 % Obligationen + 20 % Hedgefonds. Es resultiert eine vergleichbare Renditeerwartung zu wesentlich tieferem Risiko.

Renditesteigernd: 55 % Aktien + 25 % Obligationen + 20 % Hedgefonds. Es resultiert eine wesentlich höhere Renditeerwartung zu verhältnismässig geringem zusätzlichen Risiko.

Die angegebenen Gewichtungen und die Auswahl der Anlageklassen sind nicht als Empfehlung zu verstehen. Die Grafik soll den Effekt einer Beimischung von alternativen Anlagen am Beispiel Hedgefonds anschaulich darstellen. Zwecks Verdeutlichung wird bewusst von einer grossen Hedgefonds-Allokation ausgegangen. Ausgehend von einer einfach gehaltenen Anlagestrategie im Risikoprofil «Ausgewogen» ist eine risikosenkende und eine renditesteigernde Variante abgetragen.

Quelle: BKB, MorningstarDirect

 

Private Anlegerinnen und Anleger und die Diversifikation

Alternative Anlagen sind Anlageklassen, die nicht zu folgenden konventionellen Anlageklassen zählen: Aktien, Obligationen und Liquidität. Rohstoffe, Immobilien, Hedgefonds, Privatmarktanlagen etc. gehören somit zu den alternativen Anlagen. Sie erschliessen andere Renditequellen als Aktien und Obligationen. Sie unterliegen zudem unterschiedlichen Wertschwankungszyklen und korrelieren somit mit Aktien sowie Obligationen nicht oder nur wenig.

Aktien und Obligationen dienen meist als zentrale Bausteine im Portfolio. Einige wenige, sehr professionelle und sehr langfristig orientierte institutionelle Investoren haben sich über die vergangenen 30 Jahre von diesem traditionellen Aufbau eines Portfolios gelöst. So ist das mittlerweile rund USD 40 Milliarden umfassende Stiftungsvermögen der im 17. Jahrhundert gegründeten US-amerikanischen Universität Yale heute nur noch zu ungefähr einem Drittel in börsengehandelten Aktien und Obligationen investiert, der Rest umfasst alternative Anlagen. In der Definition von Yales Stiftungsfonds sind dies Realwerte, Hedgefonds und Privatmarktanlagen. Dabei nimmt jede Anlageklasse eine ganz bestimmte Rolle im Portfolio ein. Im Zusammenspiel resultiert ein verbessertes Rendite-Risiko-Gefüge.

Professionelle Anlegerkreise wie der Stiftungsfonds der Universität Yale verfügen über ganz andere Voraussetzungen als Private, um ihre Portfolios zusammenzusetzen. Zu nennen sind das riesige Anlagevolumen, der Status als institutioneller Anleger und ein wesentlich längerer – im Falle eines Stiftungsfonds unendlicher – Anlagehorizont. Dies ermöglicht den Zugang zu sehr illiquiden, nicht über gewöhnliche Handelskanäle investierbaren Anlagestrategien. Das heisst jedoch nicht, dass private Anlegerinnen und Anleger nicht auch in ein Portfolio aus zusätzlichen Anlageklassen mit unterschiedlicher Rollenverteilung investieren können und sollen (siehe Abb. 9).

Die vorliegende Tabelle ist eine vereinfachte Darstellung der Rollenverteilung der Anlageklassen im Portfoliokontext vor dem Hintergrund einer langfristigen strategischen Vermögensallokation. Diese Zuordnungen können abhängig von den Erwartungen und vom gewählten Zeithorizont unterschiedlich ausfallen.

Quelle: BKB

Hedgefonds sind heute besser zugänglich als früher

Gut regulierte, transparente und sich im liquiden Spektrum bewegende alternative Anlagestrategien im Bereich der Hedgefonds waren vor der Finanzkrise 2008/2009 fast nicht verfügbar. Seither hat sich das Angebot deutlich verbessert, da sich die regulatorischen Rahmenbedingungen weiterentwickelt haben. Früher war laut dem europäischen UCITS-Regelwerk, der Gesetzgebung für offene Publikumsfonds, der Einsatz von Derivaten nur zur Absicherung möglich. Reformen dieses Regelwerkes erlauben heute auch die Umsetzung von komplexen, flexiblen Hedgefonds-Strategien in einer «gewöhnlichen» Fondsstruktur – mit Fondsdomizil auf dem europäischen Festland.

Die Auswahl und die Mischung machen es

Im Bereich alternativer Anlagen ist passives Investieren nicht sinnvoll umsetzbar. Der Anlageerfolg streut wesentlich mehr als bei konventionellen Anlageklassen. Die Anlagestrategien unterscheiden sich zum Teil deutlich in ihren Rendite- und Risikoeigenschaften sowie der Liquidität und dem Grad der regulatorischen Aufsicht. Legt man grossen Wert auf Nachhaltigkeit, schränkt dies die Auswahl an alternativen Anlagen markant ein. Diese Faktoren bestimmen, ob alternative Anlagen im Einzelfall zu den individuellen Vorgaben passen. Viele alternative Anlagestrategien sind zudem wesentlich komplexer als ein Engagement in Aktien oder Obligationen. Es ist deshalb unerlässlich, eine sorgfältige Produktanalyse und -auswahl durchzuführen. Auch die korrekte Platzierung im Portfolio ist alles andere als banal. So sind bei Hedgefonds unterschiedlichste Implementierungsmöglichkeiten denkbar:

  • Aggressive Strategien mit zwischenzeitlich hohem Verlustpotenzial
  • Defensive, risikoarme Fonds mit entsprechend geringem Renditeziel
  • Einsatz eines einzigen Fonds oder Verfolgung eines Portfolioansatzes

Unsere Umsetzung in Vermögensmandaten und Anlagelösungen

Bei dem uns anvertrauten Anlagekapital verfolgen wir einen Portfolioansatz, der Strategien mit unterschiedlichen Eigenschaften kombiniert. Das Ertragspotenzial wird konserviert, jedoch zu einem vorteilhafteren Risikoniveau. Und hier schliesst sich der Kreis: Eine Absicherung eines Portfolios kostet, die Diversifikation ist faktisch kostenlos. 

Diversifikation und deren Umsetzung bei der BKB

In unseren Delegationslösungen (Vermögensverwaltungsmandate und Anlagelösungen) setzen wir unterschiedliche Anlageklassen ein. Abhängig von den Zielsetzungen sind es in den Delegationslösungen für Privatkunden bis zu sechs Anlageklassen. Für institutionelle Kunden können es auch mehr sein. Alternative Anlageklassen wie Hedgefonds setzen wir risikobewusst ein. Wir legen grossen Wert auf die Liquidität, die Transparenz und eine gute regulatorische Aufsicht.

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