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Lockdowns als Mittel gegen den Klimawandel?

Leere Strassen und kaum Flugzeuge am Himmel zeichnen ein trügerisches Bild vom Einfluss des Lockdowns auf den Klimawandel. Zwar wurde während des Stillstands weniger CO₂ ausgestossen. Doch handelt es sich bei dieser Einsparung nur um den Betrag, der jährlich notwendig wäre, um die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu limitieren. Da sich die Wirtschaft aber keine jährlichen Lockdowns leisten kann, sind nachhaltige Investitionen umso wichtiger.
Am 16.08.2020 in N° 2/2020 von Nicolas Hefti, Finanzanalyst und Patrick Schürmann, Portfoliomanager

Dank des Lockdowns, gestrichener Flugreisen für Freizeit und Beruf oder weniger Pendelverkehr infolge von Home-Office ist die Erreichung der Klimaziele im laufenden Jahr sichergestellt. Denn laut Klimaforschern der IEA werden Länder mit harten Corona-Massnahmen bis zu 25 % weniger Energie pro Woche verbrauchen. Global wird dadurch allein im ersten Quartal 2020 rund 3,8 % weniger Energie verbraucht. Kohle wird in diesem Zeitraum gar um 8 % weniger nachgefragt. Einzig erneuerbare Energien können ein Plus verzeichnen. Global rechnet die IEA mit einem Rückgang der CO₂-Emissionen von 8 % für das ganze Jahr. Über 40 % des Anteils am Rückgang kommt von der Kohle, gefolgt von Öl.

Jährlich die gleiche Einsparung notwendig

So beeindruckend die Zahlen betreffend Reduktion der CO₂-Emissionen tönen, so ernüchternd sind sie auf den zweiten Blick. Die UNO hat 2019 berechnet, dass die Emissionen in den nächsten zehn Jahren um jährlich 7,6 % sinken müssen, damit die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad limitiert wird. Für die 2 Grad-Limite wäre eine Reduktion von 2,7 % notwendig. Aus Klimasicht war der Lockdown immerhin der jährliche Beitrag für die, inzwischen ambitionierte, 1,5-Grad-Limite. Zwischenzeitlich wurden die globalen Restriktionen grösstenteils wieder aufgehoben und die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Die Gefahr, dass die CO₂-Emissionen neue Höchststände erreichen, ist deshalb gross. Entsprechend bleibt es aus unserer Sicht ein vordringliches Ziel, verstärkt alternative Methoden der Energiegewinnung einzusetzen. Covid-19 hat gezeigt, wie stark eine Pandemie die globale Wirtschaft negativ beeinflussen kann. Wie viel grösser ist im Vergleich dazu das Risiko eines irreversiblen Klimawandels.

Lockdown erfüllt CO₂-Reduktionsziel

Big Oil auf dem Weg zu Big Energy

Während weltweit bereits zahlreiche Initiativen ergriffen wurden, um den Klimawandel zu stoppen, agierten die Öl und Gaskonzerne in der Vergangenheit in dieser Frage passiv. Angesichts ihres Geschäftsmodells, das hauptsächlich darin besteht, fossile Energiequellen aufzuspüren und zu fördern, ist dies nicht verwunderlich. Wenn man sich die Analyse des Climate Accountability Institute vor Augen führt, waren die Mineralölkonzerne in der Zeitspanne zwischen 1965 und 2017 für rund ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das Engagement der Öl- und Gasbranche ist somit entscheidend für das Gelingen der Energiewende. In den letzten Jahren haben mehrere grosse institutionelle Investoren den Druck auf die Branche deshalb deutlich erhöht, konkrete Schritte zu unternehmen, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Anfang dieses Jahres haben fünf Konzerne, auf die die Charakteristik Big Oil zutrifft, reagiert. So verkündeten BP, Royal Dutch Shell, Total, Eni und Equinor, dass bis spätestens zum Jahr 2050 die CO₂-Emissionen deutlich verringert werden sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, soll die Förderung von fossilen Energieträgern wie Öl- und Gassukzessive zurückgehen. Um den daraus entstehenden Ertragsverlust zu kompensieren, soll der Ausbau von Solarund Windenergie, aber auch anderen erneuerbaren Energien noch stärker forciert werden. Big Oil transformiert sich damit (zumindest teilweise) zu Big Energy (Abb. 8).

Abb. 8: Transaktionen von Energieunternehmen pro Jahr im Bereich erneuerbarer Energien

Quelle: BKB, BloombergNEF

Klimawandel erfordert einschneidende Massnahmen

Die Corona-Krise zeigt eindrücklich auf, welch einschneidende Massnahmen eigentlich nötig wären, um die klimaschädlichen CO₂-Emissionen zu stoppen. Aber kann sich die Weltwirtschaft jährlich eine Auszeit in Form eines Lockdowns erlauben ohne grössere soziale Verwerfungen und finanzielle Einbussen? Wir denken Nein. Wir sind der Meinung, dass Investitionen in nachhaltige Anlagen deshalb noch wichtiger werden. Dies ist auch im Interesse der Staaten, um hohe Folgekosten zu verhindern, wenn sich Wetterextreme immer stärker bemerkbar machen sollten. Wenn schon Öl- und Gasunternehmen, die von der breiten Bevölkerung als Hauptumweltsünder angesehen werden, ihr Geschäftsmodell hinterfragen und sich zu mehr Nachhaltigkeit bekennen, ist die Hoffnung auf einen nachhaltigen Wandel gegeben.

Abb 9: Nachhaltiger und traditioneller globaler Aktienindex im Vergleich auf 100 indexiert

Quelle: BKB, Bloomberg

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Nicolas Hefti, Finanzanalyst und Patrick Schürmann, Portfoliomanager

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